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Tierrechtsforum:
Welche Hundeerziehung?

Anzahl Beitr├Ąge in diesem Thread: 7

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Welche Hundeerziehung?

Autor: Tatltanja | Datum:
Welche Hundeerziehung ist am tierrechtsgerechtesten.Meine Bekannte (Veganerin) hat einen Welpen in einer M├╝lltonne gefunden und bei sich aufgenommen. Mit welcher Hundeerziehung soll sie ihn erziehen - ist zum Beispiel Clickertraining oder Tellington Touch aus tierrechtlicher Sicht in Ordnung?

Wo bekommt man veganes Welpenfutter!
Danke

Re: Welche Hundeerziehung?

Autor: Tanja | Datum:
Leider gibt es kein auch nur ann├Ąhernd antispeziesistisches Buch ├╝ber Hundeerziehung; was aber auch nicht weiter verwunderlich ist, denn in einer antispeziesistischen Gesellschaft w├╝rden Hunde als "Haustiere" und somit genanntes Problem nicht existieren. Ein solches zu empfehlen, f├Ąllt also leider schon mal weg.
Doch um nun auf das Problem einzugehen: Der Hund wird sich freuen, wenn er f├╝r Dinge, die er gut gemacht hat, gelobt wird und diese dann gern wiederholen, auch nach Aufforderung. Ich kenne weder Tellington Touch noch habe ich jemals mit Clickern gearbeitet, irgendwie haben Lob und Anerkennnung sowie Tadeln immer ausgereicht. ;-)
Wenn er in die Pubert├Ąt kommt, k├Ânnte es passieren, da├č er versucht, zum "Bo├č" aufzusteigen, Caniden leben in ihren Rudeln in einer ziemlich strengen Hierarchie und die Halbstarken m├╝ssen sich zu gegebener Zeit ihren Platz erk├Ąmpfen. ;-) Hier kann es hilfreich sein, durch einfache Signale dem Hund zu zeigen, da├č er sich am Menschen orientieren mu├č und nicht umgekehrt. Also Essen nur aus der Hand geben, erh├Âhte Sitzpl├Ątze f├╝r sich selbst beanspruchen und immer wieder f├╝r Gehorsam und richtiges Verhalten loben.
Nun mag sich manch einer fragen, wie man es denn mit den Tierrechten vereinbaren kann, "rangh├Âher" als ein Hund, mit dem man zusammenlebt, zu sein, doch da wir (wie bereits erw├Ąhnt) in einer speziesistischen Gesellschaft leben, k├Ânnen Hunde leider nicht machen, was sie wollen. Und Hunde, die der "Bo├č" sind oder sich zumindest nicht sicher, wer wo steht, versuchen nicht selten, sich erst durch Knurren und dann durch Bei├čen Klarheit zu verschaffen. Das ist dann der Moment, wo ein Zusammenleben sehr schwierig wird, man den Hund z.B. auch nicht mehr ohne Leine laufen lassen kann, er insgesamt sehr viel weniger Freiheiten hat.
So paradox das erscheinen mag: Um einem Hund in Gefangeschaft ein einigerma├čen angenehmes Leben zu erm├Âglichen, ist Erziehung wirklich sehr wichtig. Sollten konkrete Probleme autauchen, kannst Du (oder besser noch Deine Freundin) mir ja auch mailen. :-)

Tanja

Re: Welche Hundeerziehung?

Autor: Olli | Datum:
"Nun mag sich manch einer fragen, wie man es denn mit den Tierrechten vereinbaren kann, "rangh├Âher" als ein Hund, mit dem man zusammenlebt, zu sein, doch da wir (wie bereits erw├Ąhnt) in einer speziesistischen Gesellschaft leben, k├Ânnen Hunde leider nicht machen, was sie wollen."

Ein interessanter Ansatz .

W├╝rdest du dich in einer "unspeziesistischen Welt" dann auch konsequenterweise einem verwilderten Hund ( irgendeiner ehemaligen Haushundrasse ) der sich mit seinem Rudel gerade deinen Garten als Unterschlupf erw├Ąhlt hat , unterwerfen ?

Oder m├╝sstet ihr erst einen Rangkampf durchf├╝hren , um zu sehen , wer bleiben darf ? ;-)


Ist denn die Rangfolge bei Caniden f├╝r dich eine Frage von Speziesismus ? Genauer gefragt , was hat die Rangfolge mit Tierrecht zu tun ?

Gru├č Olli der diesen Punkt nicht versteht .

Re: Welche Hundeerziehung?

Autor: Tanja | Datum:
Olli schrieb:

> W├╝rdest du dich in einer "unspeziesistischen Welt" dann auch
> konsequenterweise einem verwilderten Hund ( irgendeiner
> ehemaligen Haushundrasse ) der sich mit seinem Rudel gerade
> deinen Garten als Unterschlupf erw├Ąhlt hat , unterwerfen ?

Nein, nat├╝rlich nicht. ;-)))


> Oder m├╝sstet ihr erst einen Rangkampf durchf├╝hren , um zu
> sehen , wer bleiben darf ? ;-)

Er k├Ânnte ja gern bleiben, aber ich w├╝rde selbstverst├Ąndlich auch hier zusehen, da├č er mich als "Eigent├╝mer" des Grundst├╝ckes akzeptiert und ich noch mein Haus bewohnen d├╝rfte. ;-)


> Ist denn die Rangfolge bei Caniden f├╝r dich eine Frage von
> Speziesismus ? Genauer gefragt , was hat die Rangfolge mit
> Tierrecht zu tun ?

Nein, die Rangfolge an sich ist selbstverst├Ąndlich nicht speziesistisch. Doch f├╝r Speziesisten sind Hunde eigentlich immer f├╝r irgendwas "da", sie stellen sich also schon allein aus diesem Gedanken ├╝ber den Hund, mit dem sie leben. Gerade Hunde werden sehr oft dazu benutzt, mit ihrer Erziehung das eigene Ego etwas auf Vordermann zu bringen.
Ich bin selbstverst├Ąndlich bem├╝ht, mich ├╝ber kein anderes Tier zu stellen und betrachte die Interessen der beiden bei mir lebenden Hunde als den meinen absolut gleichwertig, doch ihnen gegen├╝ber bin ich der "Rudelf├╝hrer". Das steht f├╝r mich, die ich die beiden nicht aus egoistischer Motivation sondern aus Notsituationen heraus aufgenommen habe, in keinem Gegensatz zu meiner antispeziesistischen Einstellung. Doch viele Menschen, die sich mit Tierrechten besch├Ąftigen, wollen (k├Ânnen?) diesen Unterschied nicht verstehen, entweder sind sie der Meinung "der Hund soll doch auch machen d├╝rfen, was er will" oder "wenn ein Hund gehorcht, wird er unterdr├╝ckt". Deswegen meine Erkl├Ąrung dazu im letzten Beitrag.

Viele Gr├╝├če,

Tanja

Re: Welche Hundeerziehung?

Autor: Tatltanja | Datum:
Danke f├╝r die Erkl├Ąrung,ich habs ausgedruckt und an sie weitergeleitet!

Re: Welche Hundeerziehung?

Autor: ElisaJane2001 | Datum:
Hallo Tatltanja!

Kann nur aus pers├Ânlicher Erfahrung berichten. Aber vermutlich w├╝rde ich es wieder (zu einem gewissen Teil) so machen bzw. auf mich zukommen lassen.

Zum einen leben mein Hund und ich vom ersten Tag an zusammen (mein Freund kam erst ca. Jahre sp├Ąter dazu). MOKWAI wurde im Wald in einer Holzh├╝tte geboren, wir waren damals - hm - sagen wir mal mit in die autonome bzw. Berber-Szene Heidelbergs integriert. Die ersten Wochen konnten sich die "Frischlinge" also auf einem Grundst├╝ck im Wald austoben. Wie die Indianer in der freien Natur - das war sicher ein sehr sch├Âner Anfang f├╝r ein junges Leben.

MOKWAI geh├Ârt - laut Hom├Âopathie f├╝r Hunde - wohl zum Typus Phosphorus: er lernt schnell, vergisst aber schnell wieder. Ich fand diesen Typus unter all den anderen schon immer am sympathischsten :-) Da ich damals wie gesagt recht autonom war und zum Teil Dinge getan/konsumiert habe, die man dann doch nicht tun/nehmen sollte, war meine "Hunderziehung" nicht sehr konsequent. Das hatte unter anderem zur Folge, dass klein Mokwai gerne mal alleine losgezogen ist, um an bekannten Pl├Ątzen seine Hundeverwandtschaft zu besuchen oder zwar in Rufweite geblieben, nicht aber auf mein Rufen hin gekommen ist, wenn er nicht wollte. Als Jungspund war er ein kleiner Drecksack ;-)

Nichtsdestotrotz hat sich das alles mit den Jahren gelegt. Wir sind uns immer vertrauter geworden, zudem hatte ich das Gl├╝ck, ihn zu bisher allen Arbeitsstellen mitnehmen zu d├╝rfen, so dass er auch mit vielen Menschen Kontakt hatte. Auch ich habe mit den Jahren gelernt, wie ich mit ihm umzugehen habe, denn kein Hund ist wie der andere. Ich wei├č nur, dass er DAS Hundewesen ist, das genau zu mir passt. Das einzig einschneidende Erlebnis war seine Kastration, zu der ich mich vor ca. 6 Jahren entschieden habe. Je ├Ąlter er wurde, umso schlimmer wurde es, wenn er eine l├Ąufige H├╝ndin gerochen hat. Und demgem├Ą├č ist er auch regelm├Ą├čig abgehauen. Nicht gerade lustig, wenn man mitten im Wald steht und der Hund einen auf einmal alleine l├Ąsst. Zudem hatten die J├Ąger in Heidelberg das Recht, einen Hund zu erschie├čen, wenn sie ihn ohne Halter sehen (und sei es nur eine geringe Distanz - Lust am T├Âten eben). Und dann nat├╝rlich noch die geistig Minderbemittelten, die in einer 30er Zone zu schnell fahren. Da ich lieber einen kastrierten Hund als einen erschossenen oder ├╝berfahrenen haben wollte, war die Kastration ein logischer Schritt. Zudem hat er durch die st├Ąndige Erregung irgendwann eine Prostata-Entz├╝dnung bekommen.

Jetzt ist der Dicke 11 1/2 (seit 9 Monaten Veganer) Jahre alt und ich hoffe inst├Ąndig, dass wir noch einige gemeinsame Jahre vor uns haben. Meine Erfahrung ist jedenfalls die:

Dem Hund bei wichtigen Dingen zeigen, was er nicht tun darf, weil es eine Gefahr f├╝r ihn sein kann. Aber ihm auch mal in harmlosen Situationen seinen Willen lassen. Wenn er Unsinn machen will, sich im Dreck w├Ąlzen oder einfach mal aus ├ťbermut bellen oder jaulen will - warum nicht (ich habe irgendwann festgestellt, dass er das ungemein toll findet, wenn Mensch mit ihm jault, nach einigen Minuten wird das zwar anstrengend, macht aber Mordslaune!). Wir hatten nie das Problem, dass er Dinge zerbei├čt. Auch ist er nie an T├Âpfe gegangen, wenn sie am Boden standen und man ihm gesagt hat, dass das "AUS" ist - ich l├╝mmle gerne auf dem Boden herum, das nur, falls Fragen kommen, warum so was auf dem Boden steht ;-) Er hat nie ein Kind gebissen, wobei ich finde, das Eltern ihren Kindern sehr fr├╝h zeigen m├╝ssten, dass man sich einem nichtmenschlichen Lebewesen mit Ruhe und Respekt n├Ąhert. Wenn ein Kind auf ihn zurennt und schreit, halte ich ihn nat├╝rlich auch fest, weil mensch dem Tier ja gerne das Recht auf Erschrecken oder einfach Wehren entsagt...

Ein absolut selbstbewusster Hund, durch den auch ich reifen konnte. Alleine schon die eigene Ruhe, die man hat, wenn der Hund ohne Leine auf andere zulaufen kann und eben (in der Regel) NICHTS passiert, wenn man nicht nerv├Âs oder hektisch wird. Gelassenheit in Situationen, das Erkennen, dass man ihm vertrauen kann, selbst wenn ein anderer Hund noch so klein ist. Anfangs habe ich durch st├Ąndiges Festhalten oder Nervosit├Ąt nur erreicht, dass er aggressiver reagiert hat als ohne Leine. Au├čerdem haben wir nie aufgeh├Ârt, mit ihm herumzualbern. Er hat noch so ein kindliches Gem├╝t, man sieht, wenn er lacht. Wenn wir nach Hause kommen, packt er seine Riesenkordel, jault uns an und freut sich so unsagbar ehrlich. Das Wunder, die Mimik zu erkennen, denn auch er musste ja lernen, dass es gut ist, wenn wir die Z├Ąhne zeigen (beim Lachen). Nat├╝rlich wird er auch mal angebr├╝llt, aber da halte ich es so wie mit meinem Freund: wenn sie mir beide auf den Keks gehen, fallen mal lautere und derbere Worte. Allerdings bin ich schon bl├Âde angekuckt worden, wenn ich Mokwai "Du Sohn einer H├╝ndin" genannt habe. Also bitte - WAS ist DARAN schlimm oder unwahr??? Tsss...

Ach, ich k├Ânnte mich in endlosen Liebestiraden f├╝r ihn auslassen. Er ist das einzige Wesen, bei dem ich Dinge entschuldige, die bei einem Menschen nicht so leicht nachzusehen w├Ąren. Von daher glaube ich, dass es nicht falsch ist, KEINE Hundeschule zu besuchen oder nur wenige "Kommandos" wie PLATZ oder STRA├čE oder das beruhigende "WIR SIND GLEICH WIEDER DA" beizubringen. Je mehr er seine eigene Pers├Ânlichkeit beh├Ąlt, umso gl├╝cklicher ist er wohl auch.

Ich glaube, wenn mehr Menschen ihr Leben mit einem Hund teilen w├╝rden, w├Ąren viele nicht so b├Âsartig. Wenn ich von meinem B├╝rofenster aus einen wackelnden Hundepopo im Park sehe, habe ich sofort bessere Laune. Nun, jeder Memsch findet sich wohl in einem ihm mehr verwandten Tierk├Ârper wider. Katzen scheinen auch nur zu einem gewissen Menschentyp zu passen. Aber mir gef├Ąllt es, mit dem Charakter eines Hundes am besten. Und schon w├Ąhrend ich das schreibe und ihn neben mir liegen sehe, wei├č ich, dass wir durch ihn die reichsten Menschen der Welt sind, denn nur wir haben unseren - diesen - Mokwai; unersetzbar und unendlich geliebt.

Viel Spa├č und gl├╝ckliche Tage f├╝r Dich und das Hundekind!

Sabrina

Re: Welche Hundeerziehung?

Autor: Andrea | Datum:
Hallo Sabrina,

leider hast Du hier keine Mailadresse hinterlassen, daher m├Âchte ich Dich auf diese Weise bitten, Dich doch mal bei mir zu melden. W├Ąre mir sehr wichtig... Danke!

LG, Andrea