ForenĂŒbersicht RSS

Atheismusforum:
Evolutionstag 2009

Anzahl BeitrÀge in diesem Thread: 22

Hinweis: Momentan können keine BeitrÀge erstellt werden.

Evolutionstag 2009

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
Am kommenden Dienstag ist Evolutionstag.

Nicht gewußt? Kein Wunder. WĂ€hrend religiöse Feiertage grassieren, bleiben die Tage, die sich mit Ethik, Vernunft, Wissenschaft usw. befassen außen vor.

Im deutschsprachigen Raum wurde zwar angeregt, einen "Evolutionstag" einzufĂŒhren, was zum einen merkwĂŒrdig ist, weil es ihn ja schon "gibt", zum anderen, weil als Datum nicht der 24. November vorgeschlagen wurde, das Erscheinungsdatum von Darwins Opus magnum, sondern "Christi Himmelfahrt" umgewidmet werden sollte - warum soll sich ein solcher Tag ausgerechnet an religiösem Wahn orientieren, der Evolutionstag lĂ€ge damit 39 Tage nach dem Ostersonntag (so die Festlegung von "Christi Himmelfahrt"), wĂ€re also ein am Christentum orientierter beweglicher Feiertag.

Auch im englischsprachigen sieht es nicht viel besser aus, neben einem mĂŒden Wikipediaeintrag gibt es ĂŒberwiegend den "Microsoft Evolution Day", eine Werbegeschichte von Gates, die nichts mit dem Evolutionstag zu tun hat. Nur wenig zum tatsĂ€chlichen Evolution Day (kurz Evo Day), und das zum großen Teil bezĂŒglich "Gegenveranstaltungen" etwa eines "christlichen Bibel-Colleges". The Missoula Area Secular Society (M.A.S.S.) veranstaltete im letzen Jahr ein Treffen mit "Evolution Day Drinks and Dialog" (http://www.secularmissoula.org/2008/11/evolution-day-drinks-and-dialog.html), im Jahr davor wĂŒnschte eine Seite "Happy Evolution Day!" und bot Darwins Werke zum Download an (http://ideonexus.com/2007/11/24/happy-evolution-day/). Eher dĂŒrftig.

Immerhin: am kommenden Dienstag gibt es in Deutschland wenigstens eine Veranstaltungen zum Evolutionstag in einem Museum:

Zitat: „Der Fluss des Lebens - 150 Jahre Evolutionstheorie“

Große Sonderausstellung im Staatlichen Museum fĂŒr Naturkunde Stuttgart anlĂ€sslich des Darwin-Jahres 2009. Laufzeit: 1. Oktober 2009 bis 24. Mai 2010. Ort: Staatliches Museum fĂŒr Naturkunde Stuttgart – Schloss Rosenstein.

Die Evolutionstheorie ist DIE zentrale Theorie der Biologie und sie ist untrennbar verknĂŒpft mit dem Namen Charles Darwin. In das Jahr 2009 fĂ€llt ein doppeltes JubilĂ€um: der 200. Geburtstag von Charles Darwin und der 150. Jahrestag der Erstveröffentlichung seines bahnbrechenden Werkes „Die Entstehung der Arten“, das die moderne Evolutionstheorie begrĂŒndet hat. Das Staatliche Museum fĂŒr Naturkunde Stuttgart nimmt dieses DoppeljubilĂ€um und die faszinierende Forscherpersönlichkeit Darwins zum Anlass, um in einer großen Sonderausstellung „Der Fluss des Lebens – 150 Jahre Evolutionstheorie“ die Bedeutung der Evolutionstheorie zu reflektieren und den heutigen Stand der Wissenschaft an ausgewĂ€hlten Beispielen aus der aktuellen Evolutionsforschung darzustellen.

[...]

24. November 2009: Museumsfest zum 150. Jahrestag („Evolution Day“) der Erstveröffentlichung von Darwins Hauptwerk.

http://www.evolution2009.de/ausstellung/informationen.html


Es wird Zeit, den Evolutionstag bekannter zu machen.

Hier ein Pressemitteilung dazu: Evolutionstag 2009.

Achim

erst mal Welt-Toilettentag

Autor: Trolli | Datum:
Zitat: bleiben die Tage, die sich mit Ethik, Vernunft, Wissenschaft usw. befassen außen vor.


Das unterliegt wohl einer gewissen Welttags-Evolution. Erst wird sich mit den wichtigsten GrundbedĂŒrfnissen befasst;-)

Gestern war Welt-Toilettentag, und ich dachte, dass dies ein Werbegag der MĂŒnchner Bahnhofs-Erleichterungsanstalt ist, als ich dort ein entsprechendes Plakat entdeckte.


Zitat: weil als Datum nicht der 24. November vorgeschlagen wurde, das Erscheinungsdatum von Darwins Opus magnum, sondern "Christi Himmelfahrt" umgewidmet werden sollte - warum soll sich ein solcher Tag ausgerechnet an religiösem Wahn orientieren


Ist vielleicht eine Àhnliche Diskriminier-Logik, wie sie beim Welt-MÀnnertag zu beobachten ist. Dieser Tag firmierte vor kurzem noch als "Allerhasen", bzw. Hubertustag. Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

Trolli

Re: erst mal Welt-Toilettentag

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
> Gestern war Welt-Toilettentag, und ich dachte, dass

Was keineswegs lustig ist. Viele Menschen sterben aufgrund fehlender sanitÀrer Einrichtungen. Dem soll durch den Welttoilettentag entgegengewirkt werden.

Achim

die Affen und Darwin

Autor: martin | Datum:
Interessanter Zeitungsartikel ĂŒber die Wissenschaftsgeschichte des Darwinismus und die Mensch-Affe-Frage.

Zitat: Darwin und die »Affenfrage«

Vor 150 Jahren erschien das epochemachende Buch »Die Entstehung der Arten« des bedeutendsten Naturforschers des 19. Jahrhunderts. Teil 1: Wer ist unser nÀchster (tierischer) Verwandter?

Von Volker Schurig

Mit dem Namen Charles Darwin sind in diesem Jahr gleich zwei JubilĂ€en verbunden: sein 200. Geburtstag am 12.Februar 2009 und der 150. Jahrestag der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Buches »On the origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoured races in the struggle for life«. »Die Entstehung der Arten«, wie der Band in der deutschen Übersetzung heißt, erschien am 24. November 1859 mit einer Auflage von zunĂ€chst nur 1500 Exemplaren. Die Lebendigkeit der bald einsetzenden Diskussionen um die biologische Evolutionstheorie zeigt sich an der Auflagenfolge: 1860 erscheint die 2., 1861 die 3., 1866 die 4., 1869 die 5. und 1872 die 6. Auflage.

Was man in all diesen Auflagen bis 1872 ĂŒberraschenderweise – jedenfalls aus heutiger Sicht – nicht findet, ist der Begriff »Evolution«. Dieses Fehlen lĂ€ĂŸt erahnen, daß die Evolutionstheorie sich seit 1859 in einem stĂ€ndigen Umbau befindet und revolutionĂ€re UmbrĂŒche erfahren hat: als Neodarwinismus durch den Zoologen August Weismann (1834–1914) und mittels einer synthetischen VerknĂŒpfung mit der Genetik durch den deutsch-amerikanischen Taxonomen Ernst Mayer (1904–2005).

Nach 1859 firmiert die heutige Evolutionstheorie zunĂ€chst unter den verschiedenen Bezeichnungen »Deszendenztheorie« (Abstammungslehre), »Mutations-/Selektionstheorie«, »Synthetische Evolutionstheorie« und fĂŒr eine kurze Zeit nach 1859 in der Öffentlichkeit als »Affentheorie«. Durch Darwins Evolutionstheorie wurde das bis 1859 herrschende Bild vom Affen radikal umgestoßen und die BegrĂŒndung der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft mit den fĂŒnf »großen« Menschenaffenarten Orang-Utan, zwei Gorilla- und zwei Schimpansenarten immer prĂ€ziser. (Die »kleinen« Menschenaffenarten sind die Gibbons.) Der Tier-Mensch-Unterschied ist seit Darwin einer der wichtigsten Themenbereiche der Evolutionstheorie, da man seither immer wieder und immer genauer wissen will: Wie verwandt sind wir wirklich mit den Affen?

Heftiger Widerstand

Affenbilder, im wahrsten Sinne des Wortes, waren als zeichnerische Darstellung von Beginn an ein Bestandteil der seit 1859 einsetzenden Darwin-Debatten – sein Mitstreiter Alfred Wallace (1823–1913) bezeichnete diese Diskussionen 1889 als »Darwinismus« und hat so den bis heute gebrĂ€uchlichen Begriff geprĂ€gt. BerĂŒhmt wurde eine 1861 in der Zeitschrift Punch erschienene Abbildung eines Gorillas, dem ein Bild mit der Inschrift »Am I a Man and a bro­ther?« (Bin ich ein Mensch und ein Bruder?) umgehĂ€ngt war. Der Gorilla war in seinem Gesichtsausdruck und der Körperhaltung dabei so gezeichnet, daß ihn niemand zum Verwandten haben wollte oder sollte.

Darwin hat auf diese Angriffe auf seine Naturentwicklungstheorie erst ĂŒber ein Jahrzehnt spĂ€ter, 1872, in seinem Buch »The expression of the emotions in man and animals« (Ausdruck der GemĂŒtsbewegung des Menschen und bei Tieren) in subtiler Weise reagiert, indem er einen lachenden Makaken abgebildet hatte. Diese Abbildung sollte zeigen, daß unsere stammesgeschichtlichen Verwandten freundliche Tiere sind.

Darwins Tierzeichnung hat damit Ergebnisse der spĂ€ter entstandenen vergleichenden Verhaltensforschung (Ethologie) vorweggenommen, die zeigen kann, wie menschliches Ausdrucksverhalten phylogenetisch entsteht: Das ZĂ€hnezeigen ist zunĂ€chst eine Aggressions- und Verteidigungsgeste, indem das Waffenarsenal, bei Pavia­nen und Menschenaffen die starken EckzĂ€hne, demonstriert wird. Beim Menschen haben sich die EckzĂ€hne zurĂŒckgebildet, und das ZĂ€hnezeigen ist zu einer Verhaltensweise geworden, die der AnnĂ€herung und Kommunikation dienen kann. Dennoch können wir verbal und mimisch noch jemandem »die ZĂ€hne zeigen«. Wenn eine Frau ihre Lippen rot schminkt, kann darunter ethologisch eine kulturelle Verhaltensweise verstanden werden, die ein Schimpansenerbe darstellt, da Schimpansenweibchen wĂ€hrend der Brunst einen rotgefĂ€rbten Genitalbereich ausbilden, der auf MĂ€nnchen attraktiv wirkt. Die Farbe rot besitzt deshalb nicht zufĂ€llig auch im menschlichen Sexualverhalten eine besondere Bedeutung.

WĂ€hrend 1859 die Diskussion ĂŒber die GĂŒltigkeit von Darwins Annahmen ĂŒber die Entstehung der Arten ein auf die Biologie begrenzter Problembereich war, wurden die von ihr ausgelösten Wertdebatten, darunter das sich aus der Evolutionstheorie ergebende Affenbild als unser nĂ€chster Verwandter, sofort ein Thema öffentlicher Diskussionen, an denen sich jeder beteiligen konnte. WĂ€hrend zu Darwins Zeit Hunde dem Menschen im Gesichtsausdruck zwar als unĂ€hnlich, aber im Verhalten durch ihre AnhĂ€nglichkeit und Intelligenz dem Menschen nahestehend galten, waren die Menschenaffen dem Menschen im Gesichtsausdruck zwar unĂŒbersehbar Ă€hnlich, im Verhalten galten sie aber als listig, falsch und heimtĂŒckisch. Ihnen wurden also vor allem schlechte Eigenschaften zugeordnet, und in der Öffentlichkeit stießen Affen in ihrer neuen Position als nĂ€chste Verwandte zunĂ€chst auf heftigen Widerstand.

Dazu kam der theologische Affront, daß eine ErklĂ€rung der Vielfalt biologischer Arten (aus heutiger Sicht schĂ€tzungsweise zwei bis dreißig Millionen) als Schöpfungsakt nicht mehr plausibel zu begrĂŒnden war.

Eine Konsequenz der Darwinschen Evolu­tionstheorie war außerdem, daß unter den Tieren die verachteten Affen mit ihren schlechten Eigenschaften unabweisbar unsere nĂ€chsten Verwandten sind. Obwohl 1859 nur wenige Menschen einen Menschenaffen gesehen hatten, gehörte der Begriff »Affe«, seit dem 9. Jahrhundert als Wortstamm »affo« nachweisbar, in den Redewendungen wie »Affenhitze« und den Bildern »Affentempo« oder »Affentanz«, mit denen wir uns selbst karikieren, zu den verbreitetsten Tiermetaphern.

Charakteristisch fĂŒr das Affenbild nach 1859 ist, daß es nicht auf Darwins AusfĂŒhrungen in »Die Entstehung der Arten« beruht, sondern eine Erfindung der Gegner Darwins und einer interessierten Öffentlichkeit war. Es gehört zu den auffĂ€lligsten »Leerstellen« in seinem epochemachenden Buch, daß keinerlei Angaben und AusfĂŒhrungen ĂŒber die phylogenetische Verwandtschaft tierischer Primaten, die Systematik der Menschenaffen und die Abstammung des Menschen enthalten sind. Das bedeutet nicht, daß Darwin dieses zentrale Problem der Abstammungslehre ĂŒbersehen hĂ€tte. Er war vielmehr ein öffentlichen Debatten abgeneigter seriöser Wissenschaftler, der AusfĂŒhrungen ĂŒber das VerhĂ€ltnis von Menschenaffen und Mensch aus nachvollziehbaren GrĂŒnden vermied. Einer davon war, daß Darwin, wie alle Biologen dieser Zeit, nur unzureichende Kenntnisse ĂŒber Verhalten, Lebensweise und Systematik der Menschenaffen hatte.

Medien bestimmen Diskussion

Die Entdeckung der Menschenaffen vor und nach Darwin ist vor allem eine Geschichte von IrrtĂŒmern, ZufĂ€llen und MißverstĂ€ndnissen. So wurde der erste 1641 nach Europa eingefĂŒhrte Menschenaffe von dem hollĂ€ndischen Anatomen Nicolaes Tulp als Orang-Utan beschrieben, war aber ein Schimpanse. Die von dem Londoner Arzt Edward Tyson 1699 vorgenommene Sezession brachte erstmals den Nachweis, daß der von Tyson als »PygmĂ€e« bezeichnete Schimpanse anatomisch in 48 Punkten dem Menschen Ă€hnlicher als tierischen Primaten ist, und der »PygmĂ€e« deshalb von ihm als Bindeglied zwischen den Affen und dem Menschen angesehen wurde.

Ein weiterer Grund Darwins, das »Affenproblem« zu meiden, war die wissenschaftliche Reputation Richard Owens (1804–1892) als fĂŒhrende KapazitĂ€t der Primatenanatomie. Owen hatte 1835 ein Schimpansenskelett mit dem eines Orang-Utans verglichen und wurde, was Darwin ahnte, nach 1859 einer der profiliertesten wissenschaftlichen Gegner Darwins mit nachvollziehbaren Argumenten. Owen bestritt zwar nicht die anatomischen Ähnlichkeiten im Skelett, die aber in einem auffĂ€lligen Kontrast zu den kulturellen und geistigen Unterschieden stehen wĂŒrden.

Das eigentliche Umwertungsproblem im Tier-Mensch-VerhĂ€ltnis und damit in der »Affenfrage« war aber die sich aus der Theorie der Artenentstehung durch natĂŒrliche Auslese ergebende Unmöglichkeit, die Genesis des Menschen als einmaligen Schöpfungsakt zu erklĂ€ren. Das war Darwin, der auch einige Semester Theologie studiert hatte, nur zu bewußt. Genau diese theologische und kulturelle Wertedebatte, die sich mit Sicherheit am Begriff des Affen festmachen wĂŒrde, wollte Darwin vermeiden, und doch wurde sie sofort zu dem Thema, in dem die christliche und politische Elite des viktorianischen Englands gegen Darwin Stellung bezog. Benjamin Disraeli (1804–1881), nach 1868 zweimal britischer Premierminister, formulierte 1864 seine Position jedenfalls deutlich: »Wir stehen vor der Frage â€șIst der Mensch Affe oder Engel?â€č Ich, Mylord, bin fĂŒr den Engel« und sprach damit vielen Darwin-Gegnern aus dem Herzen.

Die Vermeidung des »Affenproblems« in »Die Entstehung der Arten« hatte Darwin nicht geholfen, die sich aus der Evolutionstheorie ergebende enge Verwandtschaft von Menschenaffe und Mensch aus der Diskussion um die Evolutionstheorie herauszuhalten, die erwartungsgemĂ€ĂŸ weniger als rationaler Diskurs, sondern als emotionalisierte Wertedebatte gefĂŒhrt wurde. Einmal in Gang gekommen, schenkten sich beide Seiten nichts. Als der Zoologe Thomas Huxley (1825–1895), der als die »Bulldogge Darwins« in die Biologiegeschichte einging, 1860 auf einer wissenschaftlichen Tagung von Bischof Samuel Wilberforce gefragt wurde, ob er großmĂŒtterlicher- oder großvĂ€terlicherseits vom Affen abstammen wolle, antwortete Huxley, daß, wenn er die Wahl hĂ€tte zwischen einem von Natur reich bedachten einflußreichen Menschen, der wissenschaftliche Diskussionen ins LĂ€cherliche zieht, und einem Affen, er sich fĂŒr den Affen entscheiden wĂŒrde.

Seit 1859 nahmen sich Zeitschriften mit hoher Auflagenzahl und Karikaturisten in Satirezeitschriften der unerschöpflichen »Affenproblematik« an. Bekannt wurde das GemĂ€lde des Malers August AllebĂ© mit dem Titel »Zwei Orang-Utans beschauen ein Buch – Die Doktrin Darwins« –, ebenso Sketche, in denen ein Gorilla sich darĂŒber beschwert, daß er einen so hĂ€ĂŸlichen Verwandten wie den Menschen habe.

Im viktorianischen England herrschte unter den kĂŒnstlerischen, kirchlichen und politischen Eliten eine durchgĂ€ngige, aber nur teilweise witzige antidarwinistische Stimmung. In bösartigen Karikaturen wurde der Evolutionsforscher als Zirkusaffe dargestellt, der durch einen Dressurreifen springt, den ein zeitgenössischer Positivist als Vertreter der Wissenschaft hochhĂ€lt. Nichts zeigt die zentrale Stellung des »Affenproblems« in der öffentlichen Wahrnehmung und seine metaphorische Symbolik in der Darwinismus-Debatte des 19. Jahrhunderts deutlicher als das Herunterlassen eines in einen Talar gekleideten Äffchens wĂ€hrend eines Festaktes der UniversitĂ€t von Cambrigde zur Verleihung der EhrendoktorwĂŒrde an Darwin. Die weltanschauliche Debatte um Darwins Bild vom Affen, das gar nicht seines war, vollzog sich nicht als wissenschaftlicher Diskurs, sondern in Zeichnungen, Abbildungen und Symbolen.

Theologische Attacken

Die Wissenschaftsdebatte ĂŒber die Grundannahmen der Evolutionstheorie verlief dagegen mit dem Austausch rationaler und nachprĂŒfbarer Argumente sachlicher. Owen, seit 1836 Professor am Royal College of Surgeons, eröffnete 1860 mit einem unfreundlichen Artikel in der Edingburgh Review die Kontroverse mit Darwin. In den USA ĂŒbernahm der glĂ€ubige Zoologe Louis Agassiz (1807–1873), GrĂŒnder des Museums fĂŒr vergleichende Zoologie in Boston, diese Rolle. Huxley, gewissermaßen der Stellvertreter des schweigenden Darwins, publizierte 1860 das Buch »Evidence as to Man’s Place in Nature« (Zeugnisse fĂŒr die Stellung des Menschen in der Natur). Huxley vertrat neben der im allgemeinen richtigen Position, daß unter den Primaten die in der Familie Pongidae zusammengefaßten Menschenaffen die dem Menschen stammesgeschichtlich nahestehendste Tiergruppe sei, die im Detail aber falsche Position, daß unter den Menschenaffen der Gorilla dem Menschen am Ă€hnlichsten sei– eine spĂ€ter korrigierte Auffassung, die zunĂ€chst aber alle Darwinisten von Darwin bis Haeckel vertraten. Darwin begrĂŒĂŸte jedenfalls Huxleys Buch erleichtert mit dem Kommentar »Hurra! Das Affenbuch ist da – die Bilder sind großartig«. Zu den Zeitgenossen, die die Bedeutung der »Entstehung der Arten« sofort erkannten, gehörte auch Karl Marx (1818–1883), der Darwin ein Exemplar des »Kapital« schickte (siehe jW-Thema vom 12.2.2009).

Zum Zeitpunkt der Publikation von »Die Entstehung der Arten« herrschte im allgemeinen Bewußtsein ein durchgĂ€ngig niederes Bild vom Affen, das aus mehreren Quellen gespeist wurde und das rege Interesse an Darwins Buch und der Evolutionstheorie in der Öffentlichkeit erklĂ€rte. Der Tier-Mensch-Unterschied, und hier speziell das VerhĂ€ltnis von Menschenaffe und Mensch, war im Gegensatz zu der christlichen Schöpfungslehre eine empirisch ĂŒberprĂŒfbare neue Sichtweise.

In der Theologie galt der Affe als Untier. Er war durch seine schlechten Eigenschaften ein Tier des Teufels und Inkarnation des Niedrigen und Bösen. Die auffĂ€llige FĂ€higkeit, menschliche Verhaltensweisen nachzuahmen, wurde nicht als Intelligenz ausgelegt, sondern als UnfĂ€higkeit, von sich aus selbstĂ€ndig etwas zu tun, so daß der Affe zum Affen Gottes als dessen NachĂ€ffer und zu einem Symbol fĂŒr dessen Gegenspieler Satan wurde. Die Ă€ffische Eigenschaft, vieles nachzuahmen, wurde als vergeblicher Versuch erklĂ€rt, sich als Mensch zu vervollkommnen. Im abwertenden Begriff »nachĂ€ffen« hat sich diese niedrige theologisch geprĂ€gte Sichtweise, also etwas nur in unzureichender Weise nachzuahmen, was andere leisten, in der Umgangssprache erhalten. Als teuflische Kreatur wurde der Begriff »Affe« auch zu einer Allegorie von Unmoral. Der Mythos einer sexuellen ZĂŒgellosigkeit des Affen fĂŒhrte dazu, daß seit dem 15. Jahrhundert Affenweibchen zum Symbol leichtfertiger Wesen wurden und Affe und »affengeil« zum Symbol sexueller SĂŒndhaftigkeit.

In der Renaissance wurde das niedere theologische Affenbild etwas aufgehellt, erhielt heitere ZĂŒge, blieb aber insgesamt abwertend. Der Affe wurde nun zum Narren, bekam den Ruf eines fröhlichen Zechers oder galt, wie der nach ihm benannte »Lackaffe«, als eitel. Da betrunkene Menschen sich albern und unvernĂŒnftig wie ein Affe benehmen, hat sich die Redewendung »einen Affen haben« oder »sich zum Affen machen« eingebĂŒrgert. Der Affe wurde als Parodie menschlichen Tuns bei Clowns und Spaßmachern beliebt. Affen sprangen gelegentlich auf Zuschauer ĂŒber, um diese zu lausen, so daß der Ausdruck »mich laust der Affe« zu einer Metapher fĂŒr plötzliche Überraschungen wurde. Die Karriere des Affen als Spaßmacher geht auf den römischen Naturforscher Plinius zurĂŒck, der festgestellt hatte, daß Affen im Gegensatz zu Haustieren nutzlos seien und sich deshalb gefallen lassen mĂŒĂŸten, verspottet zu werden.

Darwin hatte erkannt, daß die Evolutionstheorie gegen diese geballte Ladung von Vorurteilen und Wertungen nicht angehen konnte, was nicht heißt, daß er sich mit dieser Frage nicht auseinandergesetzt hĂ€tte. 1868 entwickelte er einen Stammbaum der Primaten, publizierte ihn aber nicht; er wurde erst spĂ€ter im Nachlaß gefunden. 1871 nahm er auch zur Frage der Abstammung des Menschen öffentlich Stellung, vermied aber Details. Darwins Versuch, durch Ausklammerung der »Affenfrage« einer Diskussion ĂŒber die AbstammungsverhĂ€ltnisse innerhalb der Primatenordnung zu entgehen, erwies sich als vergeblich. Der Begriff »Affe« war prĂ€destiniert, die phylogenetische Verwandtschaft von Tier und Mensch und die phylogenetische Herkunft des Menschen in einem Fall zu debattieren, die jeder verstand und die jeden betraf.

VerÀnderung des Affenbildes

Darwins beredtes Schweigen, im Kontrast zur öffentlichen Debatte um die Reichweite der Evolutionstheorie in der »Affenfrage«, gehört zu den auffĂ€lligsten Eigenarten in der Darwinismus-Debatte – die im ĂŒbrigen keineswegs beendet ist, sondern seit der Entstehung der Ethologie (Verhaltensforschung) mit der Publikation ethologischer Bestseller ihre Fortsetzung findet. Eingeleitet wurde diese Fortsetzung mit dem Buch »The Naked Ape« (»Der nackte Affe« von Desmond Morris, 1967), in dem auf die Haarlosigkeit des Menschen als ein anatomischer Tier-Mensch-Unterschied verwiesen wird. Diesem folgt ein Buch mit dem Gegenbild »Unsere haarigen Vettern« (Frans B. M. de Waal 1983). Es geht nun aber nicht mehr um Erkenntnis oder Akzeptanz der phylogenetischen Verwandtschaft, die als selbstverstĂ€ndlich gilt, sondern um Unterhaltung, um Kommerzialisierung des Affenbildes. Titel wie »Der Affe in uns« (de Waal 2006) oder WortungetĂŒme wie »Menschentier« sollen jeden ansprechen und zum KĂ€ufer machen.

Die »Affenfrage« machte die Evolutionstheorie in der Öffentlichkeit sofort populĂ€r, konnte aber wissenschaftlich in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts noch nicht beantwortet werden. Sie wirft auch ein markantes Licht auf die Logik biologischer Erkenntnisgewinnung als eine Geschichte nicht nur des Erkenntnisfortschritts, sondern auch als eine Kette von IrrtĂŒmern und Fehlern.

Die Auffassung Darwins, daß der Gorilla der dem Menschen phylogenetisch am nĂ€chsten stehende Menschenaffe sei, war ein zeitgemĂ€ĂŸer Irrtum, der auf der Unkenntnis von Anatomie, Ökologie und Lebensweise der Flachland- und Berggorillas beruhte. 1847 erschien vom Missionar Thomas S. Savage (1804–1880) in einem Bostoner Magazin eine erste Charakterisierung eines Gorillas unter dem Titel »Beschreibung der Ă€ußeren Erscheinung und des Verhaltens des Troglodyten-Gorillas, einer neuen Spezies des Orang vom Gaboon River«. Wie gering die Kenntnisse ĂŒber Menschenaffen zu Darwins Zeiten waren, zeigt sich auch daran, daß der erste lebende Gorilla, der 1855 nach England kam und von Schaustellern vorgefĂŒhrt wurde, fĂŒr einen Schimpansen gehalten wurde. Auch in der Taxonomie wurde der Gorilla durch seine KörpergrĂ¶ĂŸe und sein bis zu 250 Kilogramm hohes Körpergewicht (in Gefangenschaft 350 Kilogramm) zunĂ€chst als »Riesenschimpanse« (Troglodytes gorilla) eingeordnet. 1861 hatte der US-amerikanische Forschungsreisende Paul du Chaillis (1835–1903) eine Beschreibung vermeintlich freilebender Gorillas verfaßt und wurde im selben Jahr von der Royal Geographical Society zu einem Vortrag nach London eingeladen. Du Chaillis bezeichnete sich als ersten Weißen, der einen Gorilla im Freiland beobachtet und auch erlegt haben will. Folgenreich wurden seine und Savages Beschreibung des Gorillaverhaltens als ein wildes, bösartiges Tier, das sehr gefĂ€hrlich sei. Er stoße bei einer Begegnung gellende Schreie aus, lege den behaarten NasenrĂŒcken in Falten und biete so ein Bild unbeschreiblicher Wildheit. Heute kann man einschĂ€tzen, daß Savage und du Chaillis wahrscheinlich nie Gorillas begegnet sind.

Das niedere theologische Bild vom Affen blieb auch nach der Entstehung der Evolutionstheorie zunÀchst erhalten und wurde durch den Gorilla als Bestie zwar sÀkularisert, blieb aber als Inbegriff einer dÀmonischen Wildheit nicht weniger wirksam.

In der kĂŒnstlerischen »King Kong«-Figur wurde das Gorillabild mit Sex und Machtphantasien aufgeladen. Auch Darwin blieb von der Gorilla-Debatte nicht unbeeinflußt und ordnete ihn 1868 in seinem unveröffentlichten Primatenstammbaum als unseren nĂ€chsten tierischen Verwandten ein, was jedoch weder fĂŒr die GĂŒltigkeit der Evolutionstheorie noch fĂŒr die Abstammungslehre entscheidend war.

Wissenschaftliche Freilanduntersuchungen an Gorillas, auch dies ein weiteres JubilĂ€um im Darwin-Jahr 2009, wurden erst seit 1959 von dem US-amerikanischen Primatologen George Schaller durchgefĂŒhrt.

In der Primatenforschung galt dann zunĂ€chst die Schimpansenart (Pan troglodytes) als nĂ€chster Verwandter. Mit den 1917 durchgefĂŒhrten berĂŒhmten Experimenten des Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler (1878–1967) auf der Primatenstation der Preußischen Akademie der Wissenschaften auf Teneriffa, in denen es Schimpansen gelang, durch Stockeinsatz Bananen zu angeln, entstand das Bild des »intelligenten Affen«, was die phylogenetische Verwandtschaft schon angenehmer machte. Allerdings erwies sich auch dieser Verwandte taxonomisch nur als ein weiterer Irrtum.

1929 hatte der deutsche Anatom Ernst Schwartz in einem BrĂŒsseler Museum das Skelett eines »Zwergschimpansen« oder Bonobo (Pan paniscus) beschrieben und damit eine neue Menschenaffenart entdeckt, die phylogenetisch gegenwĂ€rtig als unser nĂ€chster Verwandter gilt. Eine der menschenĂ€hnlichen Verhaltensweisen des Bonobo ist die Kopulation »face to face«, so daß Sex auch bei Menschenaffen bereits von IndividualitĂ€t und EmotionalitĂ€t begleitet wird. Die taxonomischen Verschiebungen des nĂ€chsten Verwandten vom Gorilla ĂŒber den Schimpansen zum Bonobo sind keine Widerlegungen, sondern zeigen den 150jĂ€hrigen Erkenntnisprozeß in der »Affenfrage« als eine immer stabilere BestĂ€tigung der von Darwin aufgestellten evolutionstheoretischen GrundsĂ€tze und eine Zunahme ihrer ErklĂ€rungstiefe.

Lob der Arbeit

Naturwissenschaft. Vor 150 Jahren erschien Darwins epochemachendes Buch »Die Entstehung der Arten«. Teil 2 (und Schluß): Die Stellung des Menschen in der Evolutionstheorie

Von Volker Schurig

Charles Darwin hatte sich in »Die Entstehung der Arten« nicht zum VerhĂ€ltnis von Affe und Mensch geĂ€ußert, die Faktenlage war zu gering. Doch die Eliten des viktorianischen Englands folgerten aus Darwins Überlegungen richtig, daß mit den neuen Erkenntnissen der Glaube an die göttliche Schaffung des Menschen bedroht war. Die damaligen Medien ĂŒberboten sich mit Boshaftigkeiten gegenĂŒber dem Evolutionstheoretiker.

Die weltanschauliche Bedeutung der evolutionstheoretischen BegrĂŒndung einer stammesgeschichtlichen Verwandtschaft zwischen Affe und Mensch kann daran abgelesen werden, daß sie zu den drei großen »KrĂ€nkungen des Menschen« gerechnet wird.

Die erste »KrĂ€nkung« betrifft das kopernikanische Weltbild, in dem nicht mehr die Erde mit dem Menschen den Mittelpunkt des Kosmos bildet, sondern die Sonne – und auch diese ist nur eine unter Millionen weiteren Sonnen. Die zweite »KrĂ€nkung« des menschlichen SelbstverstĂ€ndnisses ist der Nachweis der Existenz eines Unterbewußtseins durch die Psychoanalyse Sigmund Freuds, das dem scheinbar souverĂ€nen Ich als Regulativ zugeordnet ist und wir deshalb gelegentlich nicht Herr unserer Sinne sind. Und drittens ist es die Entstehung des Menschen aus Ă€ffischen Vorformen in einem von dem Anthropologen Gerhard Heberer – im Faschismus Rassenforscher und Mitglied der Forschungsgruppe SS-Ahnenerbe – 1958 als Tier-Mensch-Übergangsfeld (TMÜ) bezeichneten Zeitraum. Mit Darwins 1859 veröffentlichtem Buch »Die Entstehung der Arten« wurde die Menschwerdung (Hominisation) zum zentralen Thema der Evolutionsbiologie, PalĂ€oanthropologie und Primatologie und endet gegenwĂ€rtig mit dem ĂŒber DNA-Analysen nachgewiesenen Fazit: Der Schimpanse, Pan troglodytes, und der Mensch sind zu 98,4 Prozent genetisch identisch. In den Kapiteln 2 und 5 des Buches »Genesis« in der Bibel wurde dagegen Adam von Gott aus dem Lehmboden erschaffen und ihm dann Lebensatem eingehaucht sowie aus einer Rippe Eva geschaffen; beide wurden Stammeseltern aller Menschen. Die »Krone der Schöpfung« mußte seit Darwin entsprechend seiner phylogenetischen Herkunft in das Tierreich eingeordnet werden und findet sich infolgedessen in der zoologischen Hierarchisierung auf einer ĂŒberraschenden Position wieder.

Mensch im zoologischen System

Der (Jetzt-)Mensch, als biologische Art von dem schwedischen Systematiker Carl von LinnĂ© (1707–1783) als Homo sapiens (lateinisch: sapiens: weise) bezeichnet, wurde von ihm 1758 in dem »Systema naturae« mit den Menschenaffen in die Gattung »Anthropomorpha« (MenschenĂ€hnliche) und diese in die SĂ€ugetierordnung der Primaten (lateinisch: primatus, der erste Rang; ĂŒbertragen: Herrentiere) eingereiht. Die taxonomisch schmeichelhafte Bezeichnung »weise« in der Ordnung der »Herrentiere« Ă€ndert aber nichts daran, daß die biologische Art »Homo sapiens sapiens« und die Primatenordnung in der zoologischen Systematik eher »weit unten« stehen. Die »dritte KrĂ€nkung« des Menschen, in der christlichen Schöpfungslehre noch das Ebenbild Gottes, ergibt sich aus der Evolutionstheorie und Systematik nicht durch eine Ableitung seiner Vorfahren aus tierischen Primatenarten, sondern die Ordnung der »Herrentiere« wird zwischen FledermĂ€usen, Flughunden und Faultieren, also SĂ€ugetierordnungen, eingegliedert, die wohl kaum jemand zu unseren nĂ€heren Verwandten rechnen wĂŒrde.

Unser SelbstverstĂ€ndnis ist es trotz Darwin, uns weiter als höchstentwickelte biologische Art zu bezeichnen, die deshalb als »Mensch« allen Tieren gegenĂŒbergestellt wird oder wenigstens ihnen gegenĂŒber eine Sonderstellung beansprucht – die er naturwissenschaftlich aber nicht besitzt. Der Homo sapiens sapiens ist eine biologische Art wie alle anderen 200 Primatenarten auch, allerdings mit gegenwĂ€rtig 6,5 Milliarden – 2050 mit geschĂ€tzten neun Milliarden – Individuen die erfolgreichste, wĂ€hrend 70 Prozent der 200 Primatenarten aufgrund der Milliardenpopulation des Menschen vom Aussterben bedroht sind.

Eine Sonderstellung besitzt der Mensch nur auf der Verhaltensebene, die aber fĂŒr seine systematische Einordnung kein Kriterium ist. So gilt im Besitzverhalten fĂŒr die meisten Vogel- und SĂ€ugetierarten, daß Ressourcen (z. B. Nahrung) an den Ranghöheren fallen. Bei Menschenaffen wird Besitz bereits zurĂŒck- oder abgegeben sowie durch Betteln erworben. Das menschliche Besitzverhalten zeichnet sich dadurch aus, daß der Besitzanspruch in der Regel auch bei Abwesenheit des Besitzers respektiert wird. Ein anderer Tier-Mensch-Unterschied existiert im Sozialverhalten. Bei sozial organisierten Primatenarten erfolgt die Kontaktaufnahme zweier Individuen einer Art durch ritualisierte BegrĂŒĂŸungsgesten, aber nur der Mensch besitzt die FĂ€higkeit, sich auch zu verabschieden.

FĂŒr die Evolutionstheorie sind alle derartigen ethnologischen und psychologischen BegrĂŒndungen einer Sonderstellung des Menschen – die FĂ€higkeit zu Denken, Selbstbewußtsein, das Operieren mit Symbolen, Sprechen, Verschönerung des eigenen Körpers und von GegenstĂ€nden, sein Wertebewußtsein – aber bedeutungslos. Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Primaten, um ihre Sonderstellung samt Mensch zu verdeutlichen, entweder an den Anfang oder das Ende des Tierreiches gestellt. 200 Jahre nach LinnĂ© setzte sich die Einsicht durch, daß Primaten keineswegs Höhepunkt, Anfang oder Ende der progressiven SĂ€ugetierevolution darstellen, sondern Raubtiere und Huftiere, so daß, pointiert formuliert, KĂŒhe evolutionsbiologisch gesehen höher, da spezialisierter als der Mensch, entwickelt sind. Grundlage der zoologischen Systematik ist nicht die psychologisch begrĂŒndete, allgegenwĂ€rtige Vorstellung einer Höherentwicklung vom Affen zum Menschen, sondern der Spezialisierungsgrad verschiedener Körpermerkmale. So besitzen FledermĂ€use, Flughunde und der Mensch gleichermaßen ursprĂŒngliche (primitive), fĂŒnfstrahlige ExtremitĂ€ten, die spezialisierteren Rinder eine zweigliedrige und Einhufer (Pferde) eine einstrahlige ExtremitĂ€t. In der Primatenevolution reprĂ€sentiert das TMÜ einen revolutionĂ€ren Funktionswechsel: die Entwicklung des aufrechten Gangs im Zeitraum von zirka zwei bis zehn Millionen Jahren aus kletternden Vorfahren als anatomische Grundlage weiterer Körperanpassungen, die ihrerseits die Grundlage der Entstehung von Bewußtseinsfunktionen in der Hominisation werden. Die empirische Basis der wissenschaftlichen Hypothesenbildung sind Funde fossiler (lateinisch: fossilis, ausgegraben, ĂŒbertragen: ausgestorben) Menschenarten.

Mensch als »dritter Schimpanse«?

Darwin hatte sich 1859 als vorsichtiger Mensch zur Frage einer Abstammung des Menschen von tierischen Primaten nicht geĂ€ußert. Erst 1871 erschien, sofort zweibĂ€ndig, »The descent of man, and selection in relation to sex« (Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl) mit der prophetischen Aussage: Licht wird auf die Entstehung des Menschen fallen. Die Kenntnis der Anatomie der Primaten und deren Systematik sowie die Kenntnis fossiler Funde von FrĂŒhmenschen war in der zweiten HĂ€lfte des 19.Jahrhunderts noch Ă€ußerst spĂ€rlich. Der Teufel liegt – auch im Erkenntnisprozeß der Menschwerdung – im Detail, da mit der Entdeckung von Fossilien unsere Vorstellungen seit 1859 nicht nur genauer wurden, sondern auch neue und schwierigere Probleme entstanden, so daß der ErklĂ€rungsbedarf stetig stieg.

Dazu kommt die Korrektur von IrrtĂŒmern. So ist der nĂ€chste Verwandte des Schimpansen nicht, wie der Begriff »Menschenaffe« und die bisherige Gattung Pongidae suggeriert, der Gorilla. Von dem Gorilla unterscheidet sich der Schimpanse zu 2,6 Prozent, die Differenz gegenĂŒber dem Menschen betrĂ€gt aber nur 1,6 Prozent, so daß Schimpanse und Mensch sich phylogenetisch und genetisch nĂ€herstehen. In der zoologischen Systematik wird deshalb gegenwĂ€rtig die Familie »Menschenaffen« (Pongidae) aufgegeben und der Mensch nicht mehr den Menschenaffen gegenĂŒbergestellt, sondern bildet mit dem Schimpansen und dem Bonobo zusammen eine phylogenetische Verwandtschaftsgruppe. Ob der Mensch dadurch zu einem »dritten Schimpansen« wird, so 2006 der US-amerikanische Anthropologe Jared Diamond, oder die Arten »Schimpanse« und »Bonobo« den Gattungsnamen »Homo« bekommen, zeigt, daß die Fortschritte der Evolutionstheorie auch nach 150 Jahren immer noch unser SelbstverstĂ€ndnis berĂŒhren.

Seit 1859 hat sich der Blick auf unsere nĂ€chsten Verwandten außerdem grundsĂ€tzlich gewandelt. Darwin konzentrierte sich auf das Finden anatomischer und phylogenetischer Hinweise fĂŒr die nahe Verwandtschaft und die Ähnlichkeit von Schimpanse und Mensch. Der modernere Blick gilt dagegen den Unterschieden zwischen Schimpanse/Bonobo und Mensch. Eine der wichtigsten Neuanpassungen fossiler Hominiden des TMÜ ist z.B. der Abstieg des Kehlkopfes in eine tiefere Position am Hals sowie Mutationen im Kehlkopfbereich, wodurch differenzierte Sprachlaute möglich wurden. Schimpansen können zwar averbale Sprachen (z.B. GebĂ€rdensprachen) lernen, mit Symbolen kombinieren und averbale Werthaltungen ausbilden, aber das Abstraktionsergebnis nur motorisch zeigen. Psychologisch gesehen können Schimpansen denken und besitzen, wie Spiegelversuche zeigen, ein Ich-Bewußtsein, aber sie können nicht sprechen.

Der erbarmungslos objektive Blick der Evolutionstheorie auf die Gruppe der Menschenaffen kommt, allen derartigen experimentell und im Freiland nachgewiesenen psychischen Leistungen zum Trotz, außerdem zu einem Ergebnis, das der populĂ€ren Vorstellung einer linearen »Höherentwicklung« vom Affen zum Menschen widerspricht: Evolutionsbiologisch sind die Menschenaffen keine besonders erfolgreiche Tiergruppe, sondern im Gegenteil, ihre Artenzahl ist seit dem MiozĂ€n vor zirka 20 Millionen Jahren mit der fossilen Gattung »Proconsul« phylogenetisch zurĂŒckgegangen, die Artenzahl der vermeintlich niederen Tieraffen dagegen gestiegen. Der Neocortex des Gorillas ist auch nicht grĂ¶ĂŸer als der eines Pavians, und im VerhĂ€ltnis zu ihrem Körpergewicht haben unter den Primaten nicht die Menschenaffen, sondern die sĂŒdamerikanischen Kapuzineraffen das grĂ¶ĂŸte Gehirngewicht.

Der »SĂŒdaffe« Australopithecus

Die Debatten um das seit 1859 gesuchte fossile »missing link« zwischen Menschenaffe und Mensch begann bereits zu Darwins Zeiten mit einem Fehlstart. 1856 hatte der Gymnasiallehrer Johann Carl Fuhlrott (1803–1877) im Neandertal bei DĂŒsseldorf ein SchĂ€deldach und ExtremitĂ€ten der heute berĂŒhmtesten fossilen Menschengruppe, des Neandertalers (Homo nenderthalensis), gefunden. Der Anatom Rudolf Virchow (1821–1902), anatomische KapazitĂ€t und fĂŒhrender Pathologe seiner Zeit, interpretierte die Fossilien aber als durch Gicht und Rachitis verformte Knochen.

Das gesuchte Übergangsglied zwischen Affe und Mensch, das vor 800000 Jahren gelebt hatte und eine GehirnkapazitĂ€t von 800 Kubikzentimetern aufweisen konnte, wurde 1891 in Trinil auf der Insel Java ausgegraben. Heute ist dieser fossile FrĂŒhmensch Homo erectus erectus (lateinisch: erectus; aufgerichtet, geradestehend) eine Artgruppe, deren Vertreter vor etwa zwei Millionen bis vor zirka 150000 Jahren lebten. Zu ihnen gehören der Pekingmensch (Homo erectus pekinensis), dem erstmals eindeutig Feuergebrauch nachgewiesen werden konnte.

In Mitteleuropa vertritt die Homo-erectus-Gruppe der Heidelbergmensch (Homo erectus heidelbergensis), der vor 500000 bis 300000 Jahren lebte. Als Ă€lteste Hominidengattung gelten aber die 1924 vom australischen PalĂ€oanthropologen Raymond Dart in Taung in SĂŒdafrika entdeckten Australopithecinen (lateinisch: australis, sĂŒdlich; lateinisch: pithecus, Affe – zusammengefaßt: SĂŒdaffe), die in dem Zeitraum von vor 4,4 Millionen bis eine Million Jahre in Afrika lebten und als Praehominae eine eigene Unterfamilie bilden. Sie sind die typischen ReprĂ€sentanten des TMÜ. GegenwĂ€rtig werden sieben bis zehn Australopithecinenarten unterschieden.

Ihre Zuordnung zur Familie der Menschenartigen (Hominidae) beruht auf mehreren anatomischen Merkmalen der Skelettfunde und des Gebisses. Ein anatomischer Tier-Mensch-Unterschied im Gebiß ist die »AffenlĂŒcke«. Bei Kieferschluß können bei Menschenaffen die dolchartig vergrĂ¶ĂŸerten EckzĂ€hne in eine weite ZahnlĂŒcke des gegenĂŒberliegenden Kieferbogens aufgenommen werden. Die »AffenlĂŒcke« ist bei Australopithecinen reduziert und beim Menschen nur als Atavismus in der Milchzahnreihe erhalten.

Innerhalb der Australopithecinen-Gruppe kam es ökologisch und anatomisch zur Aufspaltung in zwei Entwicklungslinien: einen im Körperbau robusten Typ, der als Pflanzenfresser mit zunehmender Trockenheit ausstarb, wĂ€hrend die grazileren Australopithecus-Formen Kommunikationsformen flexibler nutzten und neue Verhaltensweisen entwickelten, um andere Nahrungsquellen zu erschließen. Obwohl bisher kein zeitliches und rĂ€umliches Vorkommen von grazilen Australopithecinen und fossilen Homininae der Gattung Homo nachgewiesen werden konnte, bilden sie wahrscheinlich die phylogenetische Vorformen des Menschen.

Der Erwerb der Zweibeinigkeit

Das wichtigste anatomische Merkmal der Australopithecinen, das sie anatomisch als Vertreter der Hominidae ausweist, ist der aufrechte Gang. Die Zweibeinigkeit kann aus der Lage des Hinterhauptslochs (wo RĂŒckenmark und Gehirn zusammenkommen), dem Bau des Beckens und der Oberschenkelknochen erschlossen werden. Ebenso fand man 3,8 Millionen Jahre alte Fußspuren.

Der Erwerb der zweibeinigen Fortbewegung, unter den Primaten einzigartig, ist in der SĂ€ugetierevolution kein Spezifikum des Menschen, sondern auf evolutiv unterschiedlichem Organisationsniveau mehrmals entstanden. Bei KĂ€nguruhs, als Beuteltiere Vertreter einer primitiven SĂ€ugetiergruppe, ist die Bipedie eine hochspezialisierte Fortbewegungsweise, mit der durch SprĂŒnge hohe Hindernisse ĂŒberwunden und große Geschwindigkeiten erreicht werden. Auch der Mensch ist mit seiner bipeden Fortbewegung physiologisch und funktionell zahlreichen SĂ€ugetierarten ĂŒberlegen. Er kann ausdauernd laufen, klettern, springen und schwimmen. Entscheidend fĂŒr seinen Evolutionserfolg ist aber nicht diese universelle LokomotionsfĂ€higkeit, sondern eine Folgeanpassung, da mit der Aufrichtung der Körperachse die VorderextremitĂ€ten fĂŒr die Fortbewegung funktionslos wurden und damit frei fĂŒr eine revolutionĂ€re Neuerung: der instrumentellen Manipulation von GegenstĂ€nden.

Unter den Menschenaffenarten existieren mehrere Fortbewegungsweisen als Anpassungen an ihren spezifischen Lebensraum. WĂ€hrend Gibbon und Orang-Utan Schwinghangler sind, die sich im Baumbereich ĂŒber die VorderextremitĂ€ten zwischen den Ästen schwingend fortbewegen, sind Gorillas durch ihr Körpergewicht Stemmgreifkletterer mit Knöchelgang. ZunĂ€chst dominierte in der Forschung die Vorstellung, die Zweibeinigkeit des Menschen sei vor zirka 15 Millionen Jahren aus dem Schwinghangel-Klettern abzuleiten, heutzutage wird der Erwerb des aufrechten Gangs der FrĂŒhmenschen als ĂŒberlebenswichtige Anpassung der Fortbewegung an die terrestrische Lebensweise in baumbestandenen Savannen angesehen.

Ursache dieses folgenreichen ökologischen Wechsels des Lebensraums, der zur Aufgabe der ursprĂŒnglich baumbewohnenden Lebensweise zwang, sind KlimaĂ€nderungen, die zu einer radikalen Anpassung fĂŒhrten, um ein Aussterben zu verhindern.

Durch die im TMÜ entstandene Zweibeinigkeit kam zu einer folgenreichen Umpolung der funktionslos gewordenen VorderextremitĂ€t zu einem Greiforgan: Werkzeuggebrauch und schließlich die Arbeit wurden funktionell wichtige Tier-Mensch-Unterschiede. Schimpansen können GegenstĂ€nde instrumentell benutzen, aber sie arbeiten nicht. Im TMÜ entstand die Hand als basales Organ erster elementarer Arbeitsprozesse. FĂŒr das Ergreifen war die Opponierbarkeit des Daumens wichtig, wĂ€hrend gleichzeitig die fĂŒr Menschenaffen typische Opponierbarkeit des Großzehs verlorenging. Die Kausalkette »Zweibeinigkeit – Aufrichtung des Körpers – Gebrauch der HĂ€nde als Arbeitsorgan – GehirnvergrĂ¶ĂŸerung« ist, anatomisch betrachtet, die plausibelste Linie der Menschwerdung im TMÜ. Andere in dieser Phase entstandene Neuanpassungen (Verlust des Haarkleides, ZurĂŒckweichen des Oberkiefers, Herausbildung von Nase und Kinn als typisch menschliches Gesicht) sind weniger bedeutsam.

Gehirn, Werkzeug und Bewußtsein

Der qualitativ wichtigste Tier-Mensch-Unterschied ist die Existenz von Bewußtsein und damit der FĂ€higkeit, sich selbst als Subjekt von seiner Umwelt zu unterscheiden. Weder Zahnbildung, der Körperbau, bipede Fortbewegung noch die evolutive GehirnvergrĂ¶ĂŸerung auf durchschnittlich 1250 Kubikzentimeter liefern sichere Beweise, sondern machen die Entstehung des Bewußtseins nur plausibel. Hominidae besitzen GehirngrĂ¶ĂŸen von etwa 400 Kubikzentimetern, bei den Australopithecinen bleibt die GehirnkapazitĂ€t unter 500, und die ersten fossilen Hominiden besaßen eine GehirnkapazitĂ€t von ungefĂ€hr 650 Kubikzentimeter. Wann aber erreichten die in der biologischen Terminologie als hominid bezeichneten Menschen einen als human bezeichneten gesellschaftlich-kulturellen Status? Der sicherste Nachweis phylogenetisch erster Bewußtseinsfunktionen ist die Werkzeugherstellung – Beginn und Ursprung einer kulturellen Evolution.

Werkzeuggebrauch ist in der Evolution unabhĂ€ngig voneinander mehrmals in zahlreichen Tiergruppen entstanden. Unter den Vögel ist der Werkzeuggebrauch der sogenannten Darwin-Finken (taxonomisch sind es Ammern), die mit abgebrochenen Stacheln in Löchern stochern, um Insektenlarven aus ihren Bohrlöchern zu holen, das berĂŒhmteste Beispiel. Unter den Menschenaffen entwickelten vor allem Schimpansen verschiedene Formen des Werkzeuggebrauchs. Sie verwenden Stöckchen als Zahnstocher, zerkaute BlĂ€tter als Schwamm zum Aufsaugen von Wasser aus Löchern, Grashalme, um Termiten aus ihrem Bau zu angeln, und Steine als Hammer und Amboß zum Aufschlagen von PalmnĂŒssen. In Freilandversuchen ergreifen Schimpansen Stöcke aus ihrer Umgebung, um damit auf eine Leopardenattrappe einzuschlagen, und lernen in Laborversuchen Werkzeuggebrauch durch Nachahmung und Einsicht.

Trotzdem ist der Begriff »Werkzeug« irrefĂŒhrend, da Menschenaffen GegenstĂ€nde ihrer Umgebung lediglich instrumentell benutzen. Der Gebrauch von Objekten nur als Instrument und die Herstellung von ersten Steinwerkzeugen bei frĂŒhen Hominiden, die Bearbeitungsspuren aufweisen, bleibt ein enormer Entwicklungssprung. 1964 beschrieben die Anthropologen Louis Leakey, John Napier und Phillip Tobias einen 1,9 bis 1,6 Millionen Jahre alten fossilen Hominiden, dem erstmals Werkzeuggebrauch nachgewiesen werden konnte und der deshalb als »Homo habilis« (lateinisch: habilis, geschickt) bezeichnet wird. Die Funde aus der Oldoway-Schlucht in Kenia sind behauene Steine, Hackmeser, Schaber und SteinhĂ€mmer. Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, wie sie bereits Friedrich Engels (1820–1895) beschrieb, ist damit das wichtigste Kriterium im TMÜ, mit dem die Existenz erster Bewußtseinsformen durch deren VergegenstĂ€ndlichung nachgewiesen werden kann. Die Ă€ltesten Steinwerkzeuge – GeröllgerĂ€te, AbschlaggerĂ€te – wurden in der Omo-Schlucht in Äthiopien gefunden und sind zwischen 2,3 und 2,6 Millionen Jahre alt.

Die Entstehung erster Werkzeugkulturen wirft aber auch Fragen auf. Wenn die Herstellung von Werkzeugen und damit erste elementare Formen von Arbeit phylogenetisch der entscheidende Durchbruch zu einem humanen Entwicklungsstatus waren, warum blieben Faustkeile dann ĂŒber zweieinhalb Millionen Jahre, also praktisch wĂ€hrend des gesamten Prozesses der Menschwerdung, nahezu unverĂ€ndert das Universalwerkzeug, obwohl gleichzeitig sich das Gehirn um 600 Kubikzentimeter auf 1250 Kubikzentimeter vergrĂ¶ĂŸerte? Erst vor zirka 10000 Jahren, mit der einsetzenden Domestikation mehrerer Wildtierarten und einer seßhaften Lebensweise, kam es zu einer Beschleunigung der kulturellen Evolution. Das Ende der Steinzeit war durch diese »neolithische Revolution« besiegelt.

Werden und Vergehen

Wenn jemand 1859 die Frage gestellt hĂ€tte, wie viele Menschenarten es gibt, wĂ€re, erstaunt ĂŒber diese scheinbar absurde Frage, die Antwort gekommen: eine Art, der Jetztmensch. 150 Jahre nach dem Erscheinen von »Die Entstehung der Arten« wird diese Frage von der PalĂ€oanthropologie differenzierter beantwortet: Es existieren acht bis zwölf verschiedene fossile (und damit ausgestorbene) Menschenarten. Darunter befindet sich der bis vor 35000 Jahren in West- und Mitteleuropa lebende Neandertaler sowie der Homo sapiens, die einzige diesen Selektionsprozeß ĂŒberlebende Menschenart. Das Aussterben des Neandertalers trotz einer GehirnkapazitĂ€t zwischen 1145 und 1795 Kubikzentimetern zeigt, daß große GehirnkapazitĂ€ten, kulturelle Traditionen und Werkzeuggebrauch allein kein absoluter Schutz im Selektionsprozeß sind. Die Evolu­tionstheorie ist deshalb auch keine neue Heilslehre, die erneut die Sonderstellung des Menschen als »Krone der Evolution« naturwissenschaftlich begrĂŒndet. Die Evolutionstheorie schreibt immer zwei Kapitel: eines ĂŒber die Entstehung neuer Arten und ein zweites ĂŒber ihr Aussterben. Diese Naturgesetzlichkeit gilt auch fĂŒr den Prozeß der Menschwerdung einschließlich der rezenten Art »Homo sapiens«, die hoffentlich weise genug ist, dies zu verstehen.

Volker Schurig lehrt im Zentrum fĂŒr Hochschul- und Weiterbildung (ZHW) an der UniversitĂ€t Hamburg Wissenschaftstheorie der Biologie.

http://www.jungewelt.de/2009/11-21/048.php
http://www.jungewelt.de/2009/11-23/013.php
Unsinnig finde ich jedoch: "Der qualitativ wichtigste Tier-Mensch-Unterschied ist die Existenz von Bewußtsein und damit der FĂ€higkeit, sich selbst als Subjekt von seiner Umwelt zu unterscheiden." - Mir wĂ€re neu, daß andere Tiere (bei Affen ohnehin nicht) kein Bewußtsein aufwiesen oder keine SelbsterkenntnisfĂ€higkeit besĂ€ĂŸen, was mir die Grundlage fĂŒr Subjektbewußtsein zu sein scheint.

Merry Evolution Day and a Happy New Meme

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
In seinem in der Pressemitteilung zum heutigen Evolutionstag zitierten Essay The Lowest Animal bezieht Mark Twain sich ĂŒbrigens eingangs direkt auf Darwin, indem er seine (Twains) Definitionen zu "höheren" und "nieren" Tieren respektive den "Abstieg des Menschen von den höheren Tieren" (leider ist dies, wie einiges an dem Text, nicht wirklich adĂ€quat zu ĂŒbersetzten):
Zitat: I have been studying the traits and dispositions of the lower animals (so-called), and contrasting them with the traits and dispositions of man. I find the result humiliating to me. For it obliges me to renounce my allegiance to the Darwinian theory of the Ascent of Man from the Lower Animals; since it now seems plain to me that the theory ought to be vacated in favor of a new and truer one, this new and truer one to be named the Descent of Man from the Higher Animals.


Danach schildert er einige von ihm angeblich durchgefĂŒhrte Tierversuche mit Schlangen, Katzen, Menschen und anderen Tieren und deren Ergebnisse.

Weiter heißt es:
Zitat: Man is The Animal that Laughs. But so does the monkey, as Mr. Darwin pointed out; and so does the Australian bird that is called the laughing jackass. No!  Man is the Animal that Blushes. He is the only one that does it or has occasion to.


Zitat: Of all the animals, man is the only one that is cruel. He is the only one that inflicts pain for the pleasure of doing it. It is a trait that is not known to the higher animals. The cat plays with the frightened mouse; but she has this excuse, that she does not know that the mouse is suffering. [...] Man is the Cruel Animal. He is alone in that distinction.


Zitat: Man is the Reasoning Animal. Such is the claim. I think it is open to dispute. Indeed, my experiments have proven to me that he is the Unreasoning Animal. Note his history, as sketched above. It seems plain to me that whatever he is he is not a reasoning animal. His record is the fantastic record of a maniac. I consider that the strongest count against his intelligence is the fact that with that record back of him he blandly sets himself up as the head animal of the lot: whereas by his own standards he is the bottom one.


Und er schließt:
Zitat: And so I find that we have descended and degenerated, from some far ancestor (some microscopic atom wandering at its pleasure between the mighty horizons of a drop of water perchance) insect by insect, animal by animal, reptile by reptile, down the long highway of smirch less innocence, till we have reached the bottom stage of development (namable as the Human Being). Below us, nothing.
 


Achim

Evolutionstag 2012

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
Am 24. November jeden Jahres, dem Tag der Erstveröffentlichung von Charles Darwins The Origin of Species (dt. "Die Entstehung der Arten") im Jahr 1859, ist Evolutionstag. Dieser Tag ist ein geeigneter Anlass, um auf die Gefahren des Kreationismus hinzuweisen.

[weiter]

Achim

[Defekten Link korrigiert - Moderator]

Evolutionstag 2013 - Religiöser Supremazismus

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
Religiöser Supremazismus

Am 24. November jeden Jahres, dem Tag der Erstveröffentlichung von Charles Darwins The Origin of Species (dt. "Die Entstehung der Arten"), ist Evolutionstag.

NatĂŒrliche Kreuzungen zwischen Menschen und anderen Hominiden, also den anderen der derzeit lebenden 7 Menschenaffenarten (gemeine Schimpansen, Bonobos, westliche und östliche Gorillas, Borneo- und Sumatra-Orang Utans und eben Menschen) sind nicht möglich. Doch im Lauf der Evolution kam es sehr wohl zur Vermischung verschiedener Menschenarten.

Alle Menschen haben einen afrikanischen Migrationshintergrund (d.h. die ersten Menschen entstanden in Afrika, alle anderen stammen von ihnen ab). Dabei gab es mindestens [...]

weiter

Achim

Evolutionstag 2014: Wir sind Tiere

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
Zitat: Am 24. November jeden Jahres, dem Tag der Erstveröffentlichung von Charles Darwins The Origin of Species (dt. "Die Entstehung der Arten"), ist Evolutionstag. Seit Darwin wurde klar: Menschen sind eine der derzeit lebenden 7 Menschenaffenarten, alle Menschen sind Nachfahren der ersten, afrikanischen Menschen - und wir stammen von Fischen ab, die vor langer Zeit vom Meer oder einem TĂŒmpel aus das Land betraten. Selbst die von Kreationisten als "Darwins Dilemma" bezeichnete kambrische Explosion, also die innerhalb kurzer Zeit (weniger Jahrmillionen) rasant ansteigende Artenvielfalt im Kambrium, scheint inzwischen geklĂ€rt. Tatsachen, die von Theisten und Rassisten gern geleugnet, zumindest aber verdrĂ€ngt werden.

NatĂŒrlich unterscheiden sich Tiere verschiedener Arten voneinander (sonst gĂ€be es nur eine Art). Doch so wie sich etwa Eichhörnchen und EichelhĂ€her z.B. signifikant in ihrer FlugfĂ€higkeit unterscheiden, carnivore Eis- und herbivore PandabĂ€ren u.a. in der ErnĂ€hrung, Menschen und Rinder beispielsweise in der Zahl ihrer MĂ€gen, so gleichen sie sich in wesentlicheren Punkten, etwa in ihrem Interesse, zu leben und nicht zu leiden. Ein Interesse, das entsprechend berĂŒcksichtigt werden muss - und von ethisch verantwortlich denkenden und handelnden Menschen auch berĂŒcksichtigt wird: wer den Theismus und damit die Hauptursache fĂŒr Speziesismus, ja religiösen Supremazismus allgemein ĂŒberwunden hat und auch nur ĂŒber einen Funken Anstand verfĂŒgt, lebt folglich vegan.

Speziesisten [...]


weiter: http://antitheismus.de/archives/207-Evolutionstag-2014.html

Achim

Evolutionstag 2015: Evolution der Religion

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
Am 24. November jeden Jahres, dem Tag der Erstveröffentlichung von Charles Darwins The Origin of Species (dt. "Die Entstehung der Arten"), ist Evolutionstag. SpĂ€testens seit Darwin kann jedem klar sein, dass es keine Götter braucht fĂŒr die Entstehung all der Tierarten (einschließlich der Menschen). Die Evolutionstheorie, betonen Kreationisten, ist eine Theorie. Das ist richtig, doch die Evolution ist eine Tatsache (deren Ursachen durch die entsprechende Theorie beschrieben werden, die ohne Götter auskommt), so wie die Gravitation eine Tatsache ist (und die Gravitationstheorie ohne unsichtbare kleine Elfen auskommt, die uns zu Boden drĂŒcken und ohne dass die Sterne am Himmelszelt festgenagelt sein mĂŒssten).

Bemerkenswert ist dabei, dass Meme, seit wohl hundertzwanzigtausend Jahren auch defekte Meme wie die Religion, analog zu Genen evolvieren:

weiter: http://antitheismus.de/archives/219-Evolutionstag-2015.html

Achim

Re: Evolutionstag 2015: Evolution der Religion

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
Passend dazu heute bei Google:


Achim

Evolutionstag 2016: Nichtglaubenskampagnen statt regressiver Wahnideen

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
Zitat:
Nichtglaubenskampagnen statt regressiver Wahnideen

Am 24. November jeden Jahres, dem Datum der Erstveröffentlichung von The Origin of Species (dt. "Die Entstehung der Arten"), ist Evolutionstag. Charles Darwins revolutionĂ€res Werk erschien vor ĂŒber eineinhalb Jahrhunderten, dessen ungeachtet ist Kreationismus auf dem Vormarsch. In Greatagainica (wo etwa der Kreationist Mike Pence, der "Intelligent Design" in SchullehrplĂ€nen verankern und HIV mit Gebeten begegnen will, VizeprĂ€sident und der Jung-Erde-Kreationist Ben Carson, der von einer Erschaffung der Welt vor wenigen Jahrtausenden ausgeht, wohl Trumps Gesundheits- und Bildungsminister werden soll), und inzwischen auch in Europa. Nicht nur die islamische Terrororganisation Boko Haram (Hausa fĂŒr "[sekulĂ€re] Bildung ist verboten/verflucht/tabu" - haram ist das Antonym zu halal, das sich nicht auf Speisevorschriften beschrĂ€nkt, und entspricht vage dem christlichen Terminus "SĂŒnde") verteufelt - bereits im Namen - Bildung. Die Korrelation zwischen ReligiositĂ€t und mangelnder Bildung bzw. Intelligenz ist evident.

Analog dazu gibt es eine rĂŒckschrittliche Entwicklung, mit der (angebliche) Linke paradoxerweise faschistoide Ideologien, nĂ€mlich Religionen, denen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Speziesismus, Homophobie, Misogynie, Haß und Gewalt, Intoleranz usw. immanent sind, und hier aus aktuellem Anlass insbesondere den Islam, unter dem Vorwand der Toleranz und des Multikulturalismus (als ob gemeingefĂ€hrliche Wahnvorstellungen etwas mit Kultur, also der Gesamtheit der geistigen, kĂŒnstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung, wĂ€ren), hofieren, sich somit als regressive Linke, auf frĂŒhere, primitive Stufen der geistigen Entwicklung zurĂŒckfallend, zeigen, und [...]
[weiter: http://antitheismus.de/archives/224-Evolutionstag-2016.html]

Achim

Evolutionstag 2017: Darwin sieht nicht nur aus wie ein Affe, er ist ein Affe

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
... GlĂ€ubige versuchen, die Welt – nicht nur ethisch – ins Mittelalter zurĂŒckzuversetzen. In der TĂŒrkei zum Beispiel ist die Evolutionslehre, die "gottlose Irrlehre", ab dem 1. Oktober 2018 aus den Schulen verbannt – die SchĂŒler sollen mit nichts konfrontiert werden, das den Wahn, mit dem sie indoktriniert wurden, den Glauben an Schöpfung durch Götter (oder vielmehr eine spezifische Gottheit) ins Wanken bringen könnte. In den USA darf in einigen Bundesstaaten an Schulen grotesker kreationistischer Unfug gelehrt werden. Und in unserer unmittelbaren Nachbarschaft verbreiten Kreationisten in aktuellen Kommentaren zu Zeitungsartikeln ĂŒber Evolution Gemmen wie diese: ...

http://antitheismus.de/archives/229-Evolutionstag-2017.html

Achim

Re: Evolutionstag 2017: Darwin sieht nicht nur aus wie ein Affe, er ist ein Affe

Autor: gast | Datum:
>Offenbar gibt es auch wenn die Evolutionstheorie im Biologieunterricht gelehrt wird [
]

Hast du dir mal unlÀngst einen Biologieunterricht angehört? Da ist die Evolution ein Wesen mit Bewusstsein und Ziel (Erschaffung des Menschen), seit ca 10 000 Jahren abgeschlossen.
Insekten sind unsere Vorfahren und haben sich seit ca 400 000 000 Jahren nicht verÀndert (und zu dem Zeitpunkt sind sie ganz plötzlich aufgetreten, alle Arten gleichzeitig).
Ziel eines jeden Tieres ist, die eigene Art zu erhalten, nur Menschen haben “höhere” Ziele und “Sprache” (Kommunikation). Obwohl Tiere bewusst versuchen, ihre Art zu erhalten, haben sie kein Bewusstsein (“bewiesenermaßen”)
Und zuletzt ist Evolution “nur eine Theorie” und “kann nicht beobachtet werden”; “erklĂ€rt nicht, wie Leben entstanden ist” und „erfordert eine gewagte Menge Zufall um zB Augen zu erklĂ€ren“(also das Beispiel, was iirc schon in The Origin of Species recht genau beschrieben wird)

Und das setzt voraus, dass ĂŒberhaupt unterrichtet wird, statt “Kompetenzen” zu vermitteln.

Re: Evolutionstag 2017: Darwin sieht nicht nur aus wie ein Affe, er ist ein Affe

Autor: Googler | Datum:
gast schrieb:
>
> Hast du dir mal unlÀngst einen Biologieunterricht angehört?
> Da ist die Evolution ein Wesen mit Bewusstsein und Ziel
> (Erschaffung des Menschen), seit ca 10 000 Jahren
> abgeschlossen.

Evolution hat kein Ziel und kann damit auch nicht abgeschlossen sein.


> Ziel eines jeden Tieres ist, die eigene Art zu erhalten

Nein, es geht um die Weitergabe der eigenen Gene auf Kosten aller anderen, auch Artgenossen. Deswegen konkurrieren Tiere ja auch um Revier, Fortpflanzungspartner etc. Wenn es um die Erhaltung der Art gÀbe, gÀbe es keine innerartliche Konkurrenz.


> Und zuletzt ist Evolution “nur eine Theorie” und “kann nicht
> beobachtet werden”; “erklĂ€rt nicht, wie Leben entstanden ist”
> und „erfordert eine gewagte Menge Zufall um zB Augen zu
> erklĂ€ren“(also das Beispiel, was iirc schon in The Origin of
> Species recht genau beschrieben wird)

Zum Thema Entstehung von Augen empfehle ich den entsprechenden Abschnitt im Buch "Und es entsprang ein Fluß in Eden" von Richard Dawkins.

Re: Evolutionstag 2017: Darwin sieht nicht nur aus wie ein Affe, er ist ein Affe

Autor: Claude | Datum:
> Hast du dir mal unlÀngst einen Biologieunterricht angehört?
> Da ist die Evolution ein Wesen mit Bewusstsein und Ziel
> (Erschaffung des Menschen), seit ca 10 000 Jahren
> abgeschlossen.

Das kann kaum sein. Wer versteht was Evolution ist wĂŒrde nicht solchen Unsinn behaupten. Und wer religiös ist wĂŒrde Evolution eher ablehnen als sowas daraus machen.
Das könnte also höchstens ein Strohmann sein, der von religiös verblendeten verwendet wird.

> Insekten sind unsere Vorfahren

Nein, sind sie nicht. Insekten sind GliederfĂŒsser und wir sind
Chordatiere. Das sind zwei verschiedene StÀmme.

> Und zuletzt ist Evolution “nur eine Theorie”

Somit keine Hypothese mehr und genauso eine Theorie wie Gravitation. Ist es das Ziel der Gravitation, dass Dinge herunterfallen?

> und “kann nicht beobachtet werden”;

Das kann sie sehr wohl. Ich hab selbst mal einen Algorithmus geschrieben.

> “erklĂ€rt nicht, wie Leben entstanden ist”

So wie die Gravitationstheorie nicht erklÀren kann wieso man trotz DiÀt nicht abnimmt. Gemein!

> und „erfordert eine gewagte Menge Zufall um zB Augen zu
> erklĂ€ren“

Nein, denn sie erklÀrt, dass dies eben kein "Zufall" war sondern Auslese.

> (also das Beispiel, was iirc schon in The Origin of
> Species recht genau beschrieben wird)

Darwin selbst konnte noch nicht wirklich wissen wie das Auge entstand. Bis heute deutet aber alles darauf hin, dass es Evolution ist und nichts anderes. Eine bessere ErklÀrung gibt es nicht und alle neuen Erkenntnisse bestÀtigen seine Idee.

> Und das setzt voraus, dass ĂŒberhaupt unterrichtet wird, statt
> “Kompetenzen” zu vermitteln.

Mir scheint eher, dass genau das bei dir fehlt. Du schreibst nur wirres Zeug, statt dass du dich ernsthaft damit beschÀftigst. HÀttest du die Kompetenz wissenschaftliche Konzepte zu verstehen könntest du dies noch nachholen.

Claude

Re: Evolutionstag 2017: Darwin sieht nicht nur aus wie ein Affe, er ist ein Affe

Autor: gast | Datum:
>> “erklĂ€rt nicht, wie Leben entstanden ist”

>So wie die Gravitationstheorie nicht erklÀren kann wieso man trotz DiÀt nicht abnimmt. Gemein!

Der Punkt ist, Evolution erklÀrt durchaus, wie Leben entstanden ist.

Re: Evolutionstag 2017: Darwin sieht nicht nur aus wie ein Affe, er ist ein Affe

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
gast schrieb:
>
> >> “erklĂ€rt nicht, wie Leben entstanden ist”
>
> >So wie die Gravitationstheorie nicht erklÀren kann wieso man
> trotz DiÀt nicht abnimmt. Gemein!
>
> Der Punkt ist, Evolution erklÀrt durchaus, wie Leben
> entstanden ist.

Die Evolution erklÀrt gar nichts, die findet einfach nur statt. Wenn, dann erklÀrt die Evolutionstheorie etwas. NÀmlich, wie die Arten entstanden sind bzw. auch weiterhin entstehen. Wie das Leben entstanden ist m.W. nicht unbedingt.

Achim

Re: Evolutionstag 2017: Darwin sieht nicht nur aus wie ein Affe, er ist ein Affe

Autor: gast | Datum:
>Wenn, dann erklÀrt die Evolutionstheorie etwas. NÀmlich, wie die Arten entstanden sind bzw. auch weiterhin entstehen. Wie das Leben entstanden ist m.W. nicht unbedingt.

iirc heißt der Begriff “Chemische Evolution” und (die Theorie dazu) erklĂ€rt tatsĂ€chlich wie Leben entstanden ist bzw sein könnte. Ist vielleicht nicht direkt die Evolutionstheorie aber der Mechanismus ist der gleiche.
Ist wesentlich neuer als die Evolutionstheorie, aber jĂŒngere Lehrer sollten auf der Uni davon gehört haben, wenn auch vielleicht nicht jedes Detail gelernt.

Biologieunterricht und Evolution des Auges

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
So wie ich "gast" verstanden habe, gibt er nur wieder, was (angeblich) im heutigen Biologieunterricht gelehrt wĂŒrde (ohne es sich zu eigen zu machen).

Allerdings bezweifle ich stark, dass das allgemein so ist (auch wenn es denkbar ist, dass es entsprechend inkompetente Biologielehrer gibt, siehe die Umfragen unter entsprechenden Lehramtsstudenten zur Frage der Evolution).

Allerdings erinnere ich mich dunkel an meinen Biologieunterricht (vor etwa vierzig Jahren), in dem sehr klar exakt die Evolution des Auges dargestellt wurde:
Zitat: So erbrechen Kreationisten regelmĂ€ssig Behauptungen wie die, ein kompliziertes Organ wie das Auge habe nicht "zufĂ€llig" entstehen können. Evolution ist eben etwas völlig anderes als Zufall, bei dem ein paar Legosteinchen in einer Schachtel geschĂŒttelt zu einem Raumschiff werden, sondern wie ausgeschĂŒttete Murmeln, die sich, wenn sie dicht genug liegen, weitgehend zu Sechseckformationen anordnen, weil sie den Naturgesetzen gehorchen (wĂ€hrend der Zufall nur einer der evolutionĂ€ren Wirkmechanismen ist, so wie Poker, Kniffel oder Bowling anders als Dreidel, Bingo oder Lotto keine reinen GlĂŒcksspiele sind, auch wenn sie ein Zufallselement beinhalten), was eigentlich bereits Quintaner im Schulunterricht gelernt haben sollten. Davon abgesehen ist aber vor allem gerade das Auge ein Musterbeispiel fĂŒr Evolution, das unmittelbar einleuchten sollte, ausgehend von lichtempfindlichen Zellen (die schon Darwin postulierte und die spĂ€ter in PlattwĂŒrmern gefunden wurden) ĂŒber Becher- und Grubenauge, Lochkameraauge usw. bis zum Linsenauge der Wirbeltiere in ein paar hundert Jahrmillionen. Das ist so elementar, dass vieles dafĂŒr spricht, dass sich Augen zigmal unabhĂ€ngig voneinander im Lauf der Evolution entwickelt haben. http://antitheismus.de/archives/221-Darwintag,-12.-Februar-2016.html

Achim

Re: Biologieunterricht und Evolution des Auges

Autor: gast | Datum:
>Allerdings bezweifle ich stark, dass das allgemein so ist (auch wenn es denkbar ist, dass es entsprechend inkompetente Biologielehrer gibt

Gibt sie nicht nur, sind sogar recht hĂ€ufig; Die meisten glauben (hoffentlich) nicht alles von dem, was ich aufgezĂ€hlt habe, aber nichts davon dĂŒrfte allzu selten sein (außer vielleicht das Auge, weil’s doch das Standardbeispiel ist; aber ich hatte zumindest zwei Lehrer, die auch das nicht verstanden haben)

Vielleicht konzentriert sich diese extreme Inkompetenz auch nur in der Umgebung von Wien, ich wĂŒsste allerdings nicht wieso, weil die Uni dort unterrichtet es richtig.