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Was haltet ihr von der Tier Time e.V.?

Anzahl Beiträge in diesem Thread: 14

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Was haltet ihr von der Tier Time e.V.?

Autor: Liliales | Datum:
http://www.tiertime-goettingen.org/

Re: Was haltet ihr von der Tier Time e.V.?

Autor: Liliales | Datum:
Oh, ja, ich hatte die Unterseiten gar nicht gelesen. :(
Du meintest sicher auch "Haben Sie Sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, Vegetarier oder Veganer zu werden?" und den Text danach?
Nun habe ich auch das Bild vom Grunzmobil gesehen, der Audruck fordert auch dazu auf, Vegetarier zu werden.... :(

Re: Was haltet ihr von der Tier Time e.V.?

Autor: Hannes Benne | Datum:
Liliales schrieb:
>
> Oh, ja, ich hatte die Unterseiten gar nicht gelesen. :(
> Du meintest sicher auch "Haben Sie Sich schon einmal Gedanken
> darüber gemacht, Vegetarier oder Veganer zu werden?" und den
> Text danach?
> Nun habe ich auch das Bild vom Grunzmobil gesehen, der
> Audruck fordert auch dazu auf, Vegetarier zu werden.... :(

Ja, die beiden Stellen meinte ich. Was mir noch aufgefallen ist, dass die Bücher bei den Literturangaben veraltet und/oder unbrauchbar sind.
Mehr hab ich mir von der Seite bisher nicht angesehen.

Re: Was haltet ihr von der Tier Time e.V.?

Autor: Liliales | Datum:
Mhm. :(
Ich hatte in ner lokalen Veganergruppe (facebook) zugesichert, dass ich eventuell beim Grunzmobil mit flyer verteilen würde, aber das wird ja nun nichts. Das habe ich eben mit der entsprechenden Begründung geschrieben, wurde erst gar nicht verstanden und nun:
"verstand nich, wie du das meinst. ist nicht meine meinung, aber nun weiß ich, was du meinst... - denke sehr wohl, dass man durch sein vegi sein etwas für die tiere un ihre rechte, vor allem das natürliche recht auf leben, tut"
Und nun weiß ich mal wieder nicht, was ich da am besten drauf antworte... :(

Re: Was haltet ihr von der Tier Time e.V.?

Autor: Hannes Benne | Datum:
> Und nun weiß ich mal wieder nicht, was ich da am besten drauf > antworte... :(

Ich würde ihnen erklären, dass man als Vegetarier ebendso für die Gefangenhaltung und Tötung von Tieren (also für die Verletzung von Tierrechten) verantwortlich ist, wie als Leichenesser.
Und das man als Tierrechtler deswegen für Veganismus und nicht für Vegetarismus werben sollte.

Re: Was haltet ihr von der Tier Time e.V.?

Autor: Liliales | Datum:
Ziemlich genau das hatte ich geschrieben - darauf kam dann diese Reaktion.. :(
Dann hat auch noch wer anders sowas geschrieben von "besser weniger als gar keine Änderung". mh :(

Grunzmobil [der Albert Schweitzer Stiftung]

Autor: Achim Stößer | Datum:
Am besten druckst Du einen Stapel VsM aus, gehst da hin und klärst die Grunzmobilisten auf (und die Passanten).

Heute in Frankfurt, Hauptwache, Plastikschwein und Großbildschirm mit Filmen, Unterschriftslisten und der "Selbst wenn"-Broschüre.

Es dauerte eine Weile, ehe ich angesprochen wurde (obwohl ich mich auffällig für das ganze interessierte), fast hätte ich selbst die Initiative ergreifen müssen.

Endlich fragte ein Grunzmobilist (der, wie gleich zu sehen sein wird, symptomatisch für diese Szene ist), ob ich nicht die U-Liste unterschreiben wolle.
- Wofür?
- Für die Einhaltung zumindest der grundlegenden Bestimmungen, so dass man die Betriebe verklagen kann, wenn sie sich nicht dran halten. [?]
- Und das bewirkt diese Unterschriftsliste?
- Die kommt in den Bundestag!
- Was soll das bringen?
- Ab 50000 muss sich der Bundestag damit befassen [dann merkte er selbst immerhin] wie der dann abstimmt ist eine andere Frage.
- Und die Einhaltung der Bestimmungen reicht?
- Wir wollen natürlich auch, dass die Leute weniger oder gar kein Fleisch essen!
- Was soll das bringen?
- Dann gibt es keine Massentierhaltung mehr!
- Wenn die Leute "weniger Fleisch" essen, gibt es keine Massentierhaltung mehr?
- Naja, das ist natürlich eine Frage der Menge.
- Wieso wird dann dazu aufgefordert, "weniger Fleisch" zu essen, statt damit aufzuhören, Tiere umzubringen und vegan zu werden?
- Ja, also genau, wir hier sind ja alle vegetarisch oder vegan [soweit ersichtliich trugen fast alle Tierhautschuhe], aber man kann ja nicht zu den Leuten hingehen und sagen, sie sollen morgen vegan sein.
- Warum?
- Ja, weil das nicht geht.
- Warum?
- Weil das die Leute überfordert.
- Warum?
- Ja, so fragt meine kleine Tochter auch.
- Kluges Kind. [Jetzt mischte sich eine Transpihalterin ein: "man muss kleine Schritte gehen"]
- Ja, genau.
- Kleine Schritte über Leichen?
- Ja, dann sind Sie also vegan und tun nichts, toll.
- Wieso tue ich nichts?
- Ja, Sie tun ja nichts! [anscheinend hat er die Bedeutung von "ja" nicht so recht verstanden]
- Was soll das heißen, ich tue nichts?
- [Offenbar dämmerte ihm, dass das eine Fangfrage sein könnte.] Ja jetzt tun Sie nichts, Sie halten uns von der Aufklärung ab!
- Dann tue ich doch was, ich verhinderte, dass den Leuten weisgemacht wird, dass es okay sei, "Fleisch" zu essen oder "vegetarisch" zu werden, statt ihnen klar zu machen, dass das falsch ist.

Hier unterbrach dann der Leiter, ich möge beiseite gehen, er müsse ein Foto machen (den anderen sagte er, das Foto sei dazu da, um das ganze für die Anmeldung zu dokumentieren, da habe es unterschiedliche Ansichten gegeben, wo und wie sie zu stehen haben).

Der Grunzmobilist wollte die Unterhaltung offenbar nicht fortsetzen und bemühte sich, mich zu ignorieren. Als ich nachhakte, verwies er mich an "Carsten" (den Leiter). Der war allerdings grade mit Zettelsortieren o.ä. beschäftigt.

Danach unterhielt ich mich noch mit einer Plakathalterin, die mich allerdings erkannt hatte. Auch sie vertrat die "kleine Schritte"-These und behauptete, es würde ja sonst niemand stehenbleiben/zuhören. Ich fragte, warum das dann bei unseren Aktionen anders sei. Sie schien etwas offener für die Fakten und sagte, wenn das so sei, wolle sie sich unseren nächsten Infostand mal ansehen ... (für ihren Bruder, der Vegetarier sei und nicht vegan würde, obwohl er nicht blöd sei [und obwohl[sic!] sie ihm vermutlich dümmliche ASS-Broschüren gegeben hat und die "kleine Schritte"-Methode angewendet], gab ich ihr VsM mit - ich hatte leider nicht vorher daran gedacht und daher nur eins mit -, sie wollte es versuchen). Na, schauen wir mal.

Achim

Re: Grunzmobil

Autor: Liliales | Datum:
Na, das kligt ja sehr vielversprechend. :-/

Hast du dir das Gespräch wortwörtlich gemerkt? (sorry wegen OT)

Schade, dass ich nicht dein Selbstbewusstsein habe.. und hier wird/würde (weiß ja noch nicht, ob ich dann wirklich hingehe) es so sein, dass ich die Einstellung der meisten Anwesenden so grob kenne, "kleine Schritte" usw., und teilweise entsprechende Diskussion schon statt gefunden hat.

Leider habe ich zur Zeit keine Drucker, mal sehen, ob ich morgen mal n fremden benutzen kann.
Aber wäre dann VsM wirklich das richtige? Denke mal, die "Grunzmobilisten" werden da so ziemlich alle vegan sein, es geht darum, was sie wie vermitteln...

Re: Grunzmobil

Autor: Achim Stößer | Datum:
> Hast du dir das Gespräch wortwörtlich gemerkt? (sorry wegen OT)

Ist ein Gedächtnisprotokoll, aber ich habe kein eidetisches Gedächtnis, so dass nicht alles wortwörtlich ist, und es fehlen auch ein paar herummäandernde Gesprächsteile, aber im wesentlichen dürfte es schon recht exakt wiedergegeben sein. Hatte ich vergessen, dazu zuschreiben. Zukünftig sollte ich sowas wohl mit versteckter Kamera dokumentieren;-).

> Leider habe ich zur Zeit keine Drucker, mal sehen, ob ich
> morgen mal n fremden benutzen kann.

Normalerweise kann man in Copyshops auch PDFs ausdruckenlassen (was dann auch eine bessere Qualitätist als eine Fotokopie, zumal wenn von einem Tintenstrahldrucker, außerdem glaube ich teilweise günstiger bei hinreichend vielen Kopien).

> Aber wäre dann VsM wirklich das richtige? Denke mal, die
> "Grunzmobilisten" werden da so ziemlich alle vegan sein, es
> geht darum, was sie wie vermitteln...

Hm, in Frankfurt wie gesagt waren wohl die wenigsten vegan. Aber selbst wenn, geht es dabei ja grade darum,aufzuzeigen, wie absurd ihre Forderung, "heute mal vegetarisch" zu essen ist, weil eben Vergetarier Mörder sind.

Alternativ ginge natürlich auch ein spezielles Flugblatt (wäre sicher auch sinnvoll bei den weiteren Terminen, hier lesen ja sicher Leute aus dem einen oder anderen Stadt mit,die sie noch heimsuchen wollen), hier mal ein Entwurf (für Dich ist es zeitlich jetzt etwas zu knapp,schätze ich):

Zitat: ASS: "Kleine Schritte" über Leichen gehen

Die Albert-Schweizer-Stiftung fordert mit ihrer "Grunzmobil"-Kampagne bzw. ihrer "Selbst wenn"-Broschüre dazu auf
* Tiere zu ermorden und ihre Leichen zu verzehren 1)
* Küken und Hennen für die Eierproduktion zu ermorden 2)
* Kälber und Kühe für die Milchproduktion zu ermorden 3)
* Züchtung und Gefangenhaltung zwecks Ermordung fortzusetzen 4)
Sie suggeriert, dass
* Einzelhaft der "Massentierhaltung" bzw. mehr Ausbeutungsbetriebe (mit entsprechend weniger Gefangenen pro Betrieb) wenigen vorzuziehen sind
* Verstümmelung von Tieren in Ordnung wäre, wenn sie dabei betäubt wären etc.
* Unveganismus akzeptabel sei, wenn dieser in geringerem Maße durchgeführt würde
und konterkariert damit tierschutzypisch 5) die Forderungen von Tierrechtlern, Tierausbeutung und Mord abzuschaffen.

Der Grund für die Forderungen nach "kleinen Schritten", die über Leichen und keineswegs zur Abschaffung von Tierausbeutung führen, sondern diese zementieren 6), liegt auf der Hand: auf der ASS-Kampagnenseite ist das "Spendenziel" der "Grunzmobil"-Kampagne (24000 Euro) prominent hervorgehoben. Wer aber von all den "Ich esse nur ganz wenig Fleisch"-Tierfreunden (und -mördern) etc. Spenden einnehmen will, darf diese nicht allzu deutlich auf das Verbrecherische ihres Tuns hinweisen.

Wie schon bei anderen Befreiungsbewegungen ist die Forderung nach "Verbesserungen" (und damit Fortsetzung) statt Beendigung der Ausbeutung fatal 7). Auch wenn sich inzwischen sogar einige Spendensammelorganisationen das Wort vegan auf die Fahnen schreiben 8): Wer nicht diesen blutigen Weg gehen will, wird vegan und vertritt, um einen Bewusstseinswandel zu erreichen statt Ablasshandel zu betreiben 9), selbstverständlich auch die ethische Minimalforderung: Veganismus.

Mehr dazu unter www.veganismus.de, www.vegetarier-sind-moerder.de, www.govegan.de, www.abolitionismus.de.

[1] "Essen Sie weniger [...] Fleisch" vgl. http://tierrechtsforen.de/14/2371/2378
[2], [3] "Heute vegetarisch essen", "das vegetarische Angebot [...] verbessern" uvm., vgl. "Vegetarier sind toll - ein Lob des Vegetarismus" http://antispe.de/txt/vegetarier-sind-toll.html
[4] diese lediglich zu reformieren ("Tierschutzstandards zu erhöhen", Unterschriftsliste usw.)
[5] siehe "Tierrechte vs. Tierschutz, Abolitionismus vs. Reformismus" http://tierrechtspartei.de/tstr
[5], [6] siehe dazu "Neuer Tierschutz - Anspruch und Wirklichkeit" http://antispe.de/txt/neuer-tierschutz.html
[7] siehe "Rassismus- und Sklaverei-Parallelen" http://tierrechtsforen.de/rassismus-speziesismus
[8] vgl. http://maqi.de/presse/weltvegantag2011.html
[9] siehe http://maqi.de/txt/agenda.html

V.i.S.d.P. Maqi - für Tierrechte, gegen Speziesismus, c/o Achim Stößer, Berliner Str. 34, D-63619 Bad Orb, mail@maqi.de, http://maqi.de


Also auf in Dein Gackergefährt oder Muhmobil ...

Achim

Re: Grunzmobil

Autor: Achim Stößer | Datum:
Hm, kann es sein, dass das "Grunzmobil" in Göttingen ausgefallen ist?

Achim

Re: Grunzmobil

Autor: Liliales | Datum:

Zitat: Hm, kann es sein, dass das "Grunzmobil" in Göttingen ausgefallen ist?


Allerdings - gab Stress mit den Behörden.
Mich stört's nicht. ;)
Aber es wird wohl wann anders dann doch noch nach Gö kommen, die Idee mit dem speziellen Flyer finde ich gut, mal sehen. :)

Albert Schweitzer Stiftung wirkt auf Züchtung, Haltung und Tötung der Tiere hin

Autor: Achim Stößer | Datum:
Hier ein paar Beispiele, wie kontraproduktiv dieser Spendensammeltierschutzverein arbeitet.

Zitat: Studiogast Mahi Klosterhalfen ist geschäftsführender Vorsitzender der "Albert Schweizer Stiftung für unsere Mitwelt". Seit seinem Studium setzt sich der Veganer aktiv gegen die Massentierhaltung und r eine weniger qualvolle Züchtung und Tötung von Nutztieren ein. Für die Stiftung führt Mahi Klosterhalfen unter anderem Gespräche mit dem Lebensmitteleinzelhandel. http://www.stern.de/tv/sterntv/stern-tv-testet-verbraucher-wie-viel-wuerden-sie-fuer-dieses-fleisch-bezahlen-2113507.html
"Geschäftsführer" zeigt ja schon, worum es geht: Geschäft mit Ablasshandel.

Zitat: Noch gäbe es keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht, bemängelte Experte Mahi Klosterhalfen von der "Albert Schweizer Stiftung für unsere Mitwelt" im Gespräch mit Steffen Hallaschka. "Die Einführung einer solchen Kennzeichnungspflicht bei Eiern hat am Markt viel bewirkt und wäre auch bei Fleisch und Fleischprodukten angebracht", so der Experte. a.a.O.


Zitat: Ihre umfassende Verbreitung ist ein langwieriger Prozess, der Zwischenschritte erfordern kann, die wir begrüßen. Dazu zählen auch die Reduktion des Fleischkonsums und die vegetarische Ernährung. Da ein Ende der Nutzung von Tieren als Nahrungsquelle derzeit nicht absehbar ist, wirken wir zudem auf eine weniger qualvolle Züchtung, Haltung und Tötung der Tiere hin. http://albert-schweitzer-stiftung.de/ueber-uns/leitbild


Zitat: Da eine einzelne Stiftung dies unmöglich allein umsetzen kann, kooperieren wir mit Organisationen, die kompatible Ziele verfolgen. a.a.O.


Als da sind:
Zitat: Bund gegen Missbrauch der Tiere
Bundesverband Tierschutz
Deutsches Tierschutzbüro
Erna Giraffe
Tierversuchsgegner Badn-Württemberg
Noah
Pakt
Pro Iure Animalis
ProVieh
Tier und Mensch
Vebu
Vegeterra
Vier Pfoten http://albert-schweitzer-stiftung.de/kampagnen/kaefigfrei

Also alles ebensolche Tierschutzspendenabzockvereine, die explizit oder implizit Tierausbeutung propagieren. z.B.:
Zitat: Das will PROVIEH:

Artgemäße Tierhaltung: Die wirtschaftliche Haltung von Nutztieren muss sich an den Lebensbedürfnissen der Tiere ausrichten - nicht umgekehrt!

Ökologisch verträgliche Tierhaltung: Nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung von Tieren [...]

Die Züchtung von Nutztierrassen [...]

Auch Tötung und Schlachtung gehören zur landwirtschaftlichen Nutzung von Tieren hinzu. PROVIEH setzt sich dafür ein, dass Transport und Tod von Nutztieren so schonend wie möglich geschehen.
http://www.provieh.de/s307.html

Siehe auch http://tierrechtsforen.de/tierschutz-eiernudeln.

Weiter mit der ASS:
Zitat: Sehr erfreulich ist die Entwicklung in der Eiernudelbranche. Alle uns bekannten Hersteller von Eiernudeln (außer evtl. einiger Eigenmarken im Lebensmitteleinzelhandel) haben auf Eier aus alternativen Haltungsformen umgestellt. http://albert-schweitzer-stiftung.de/kampagnen/kaefigfrei/eiernudeln


Es folgt Werbung für etwa zwei Dutzend Eiernudelhersteller.

Und zum Abschluss nocheinmal der Geschäftführer:
Zitat: Ich war früher auch ein nervtötender Vegan-Verkünder. [...] Inzwischen warne ich aber alle vegetarisch und vegan lebenden Menschen davor, dieselben Fehler zu machen wie ich, denn wie Sie schon sagen: der ganze Eifer ist trotz der besten Absichten meistens kontraproduktiv.

Meine Empfehlung ist, andere Menschen unaufdringlich mit Informationen zu versorgen und als positives Beispiel zu leben. http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/ende-massentierhaltung-miterleben/2

Siehe auch Erbse für Albert Schweitzer Stiftung.

Achim

Selbst, wenn Sie Kannibale sind...

Autor: Jonas | Datum:
Selbst wenn Sie Fleisch mögen, können Sie Teil des Wandels werden, der sich menschenfreundlich ernährt oder was passieren würde, wenn ein Kannibale wie Hannibal Lecter die Leitfigur einer reformistischen Menschenrechtsorganisation werden würde:



Zitat: Ab und an wird in Menschenrechtskreisen diskutiert, ob Organisationen wie die Hannibal Lecter Stiftung für unsere Mitmenschen an bestimmten Veranstaltungen, Demos etc. teilnehmen dürfen oder nicht. Der Grund für die Debatte: Unsere Stiftung sei »reformistisch«.

Im Leitbild unserer Stiftung steht: »In Ländern wie Deutschland ist es für eine gesunde Ernährung nicht notwendig, Menschen für die Herstellung von Lebensmitteln leiden und sterben zu lassen. Deshalb fördern wir die vegane, also menschenfreie Ernährungsweise als die derzeit ethisch beste Lösung. Ihre umfassende Verbreitung ist ein langwieriger Prozess, der Zwischenschritte erfordern kann, die wir begrüßen. Dazu zählen auch die Reduktion des Fleischkonsums und die vegetarische, also zum Teil menschenfreie Ernährung. Da ein Ende der Nutzung von Menschen und anderen Tieren als Nahrungsquelle derzeit nicht absehbar ist, wirken wir zudem auf eine weniger qualvolle Züchtung, Haltung und Tötung der nichtmenschlichen und menschlichen Tiere hin.«

Die zuletzt genannten Reformen preisen wir wohlgemerkt nicht mit Slogans wie »Eizellen von glücklichen Müttern« an, sondern schreiben zu unserer Käfigfrei-Kampagne, mit der wir jährlich eine zweistellige Zahl an Unternehmen überzeugen, auf Menstruationsprodukte zu verzichten: »Von Käfig- auf Boden-, Freiland- oder Biohaltung zu wechseln, ist nur ein erster Schritt. Leider sind die Bedingungen in diesen alternativen Haltungsformen meistens deutlich schlechter als VerbraucherInnen das erwarten. Wir nutzen deshalb die Gespräche mit der Lebensmittelwirtschaft auch, um pflanzliche Eizell-Alternativen vorzustellen und diese als beste Lösung zu bewerben.«

Diese Vorgehensweise wird manchmal als Verrat an den Menschen angesehen, da Reformen das System der Menschenausbeutung unterstützen würden. Man solle stattdessen die totale Abschaffung der Menschenhaltung fordern.

Manchmal stelle ich mir solche Debatten in der Tierrechtsbewegung vor: Auf der einen Seite stehen Tierrechtsaktivisten, die dafür sorgen wollen, dass die Haltungsbedingungen vor der Durchführung der Schlachtung weniger grausam werden. Sie fordern außerdem ein Qualverbot und setzen sich dafür ein, dass die Schlachtung seltener angewendet wird. Würde es nicht bizarr wirken, wenn auf der anderen Seite TierrechtlerInnen stehen würden, die die Aktivisten ausgrenzen, weil sie nicht ausschließlich die komplette Abschaffung der Schlachtungen fordern? Unter einigen MenschrechtlerInnen ist es aber Alltag, Aktive auszugrenzen, die sich für weniger schlimme Haltungsbedingungen einsetzen, die Abschaffung von betäubungslos durchgeführten Amputationen fordern und auf einen niedrigeren Menschenproduktkonsum hinarbeiten.

Angenommen, es gäbe Beweise dafür, dass es erfolgsversprechender wäre, die Komplettabschaffung der Menschennutzung zu fordern als eine Politik der kleinen Schritte zu verfolgen: Dann könnte ich es verstehen, wenn man alle Reformansätze über einen Kamm scheren und kritisch sehen würde. Bislang konnte ich hinter dieser Sichtweise allerdings nur eine bestimmte Weltanschauung ohne überzeugende Belege erkennen. Die wissenschaftlichen Belege sprechen – sehr vorsichtig ausgedrückt – dafür, dass kleine Schritte äußerst effektiv sein können: Menschenfresser, die erst mal einen Schritt in die richtige Richtung (Fleischreduktion) gegangen sind, tendieren stark dazu, weitere Schritte zu gehen; mehr und bessere menschenfreie Optionen (die vor allem wegen der vielen Flexitarier und nicht unbedingt wegen der noch relativ wenigen Nichtmenschenfresser eingeführt werden) führen dazu, dass mehr Menschen menschenfrei essen; richtig umgesetzte Menschenschutz-Reformen führen zu weniger Menschenleid und höheren Preisen für Menschenleidprodukte; höhere Preise führen zu einem niedrigeren Menschenprodukt-Konsum usw.

»Aber man kann doch nicht etwas weniger Sklavenhaltung und ein paar schwache Frauenrechte fordern« – so und ähnlich lauten beliebte Gegenargumente. Hier wird allerdings der Fehler gemacht, zwei hierzulande weitgehend gelöste Probleme durch die Heute-Brille zu betrachten. Heute ist es geradezu selbstverständlich und richtig, für ein komplettes Ende der Sklavenhaltung und für volle Gleichberechtigung unter den Geschlechtern einzutreten. Aber war das schon immer die richtige und einzige Taktik?

[...]

Für die Menschenrechtsbewegung lässt sich zusammenfassend sagen, dass der These von »Kompromisse sind Verrat an den Menschen« sowohl viele Beispiele aus der Geschichte als auch wissenschaftliche Erkenntnisse entgegenstehen. Daher hoffe ich, dass Menschen und Organisationen, die – aus guten Gründen – eine Strategie der kleinen Schritte verfolgen, in Zukunft nicht mehr als Aktive zweiter Klasse gesehen werden. Auch würden wir den Menschen einen großen Gefallen tun, wenn wir uns sachlich, konstruktiv und möglichst frei von Ideologien auf die Suche nach den besten Strategien und Taktiken begeben würden.[aus http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/reformen-verrat geänderte Textstellen sind von mir unterstrichen gekenzeichnet. - jf ]