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Veganismusforum:
Metaphysischer Rechtfertigungsversuch

Anzahl Beiträge in diesem Thread: 9

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Metaphysischer Rechtfertigungsversuch

Autor: Karl Rudin | Datum:
Hallo,

Die neuerliche Recherche für mein Buch, welches sich intensiv mit Veganismus auseinandersetzt, führte mich zu einem metaphysischen Rechtfertigungsversuch, dem ihr im FAQ noch nicht zugekommen seid:

Zitat: In diesem Zusammenhang ein paar Anmerkungen zur industriellen Fleischproduktion: Auch Tiere erleben Schmerzen. Deshalb muß man gegen Tierquälerei vorgehen. Aber die Massentierhaltung grundsätzlich abzulehnen, beruht meistens auf einer "Vermenschelung" der Tiere. Die Kritiker der Massentierhaltung gehen immer mit den Augen, genauer noch mit dem Gehirn des Menschen durch die Mastanlagen. Sie berücksichtigen nicht, daß Tiere eine ganz andere Art oder Höhe des Bewußtseins haben. Außerdem: Ohne Massenproduktion kein Massenwohlstand. Wenn die Fleischproduktion nicht industrialisiert wäre, dann würden nur die reicheren Bevölkerungsteile regelmäßig Fleisch essen. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. In meiner Kindheit in den 50er und 60er Jahren gab es nur Sonntags Fleisch. Schinken gab es nur an Weihnachten und Ostern. Heute kaufe ich soetwas beinahe täglich. Die Industrielle Fleischproduktion generell zu verteufeln ist faktisch asozial und paßt in die neoliberale Zeitströmung. Der vermeidlichen Besserstellung der Tiere soll ein weiteres Stück sozialer Gerechtigkeit geopfert werden.


Quelle: Peter Möller's philolex http://www.philolex.de/tiere.htm [Link deaktiviert - Mod]

Ich persönlich bin dem in meinem Buch auf besondere Weise nachgekommen, bin aber sowieso von einer metaphysischen Diskussion ausgegangen, die Gedanken von Aristoteles, Descartes, Kant und Schopenhauer vermengt und auswertet.

Ich finde allerdings, dass auch euer FAQ dem nachkommen sollte, weil ein unbewandter Leser sich davon schnell überzeugen lässt, denn deduktiv ist der Text nicht ganz ohne.

Ich hoffe, interessante Gedanken zu diesem Rechtfertigungsversuch zu hören.

Karl

Re: Metaphysischer Rechtfertigungsversuch

Autor: qwertzu | Datum:
nunja in etwa so argumentieren meine eltern auch....

es gibt halt immer noch leute die tiere nicht als lebewesen sehen sondern als ware...

Tiere als Ware

Autor: Karl Rudin | Datum:
Von Tieren als Waren ging eigentlich bloss Aristoteles aus.

In Kants Behandlung der Thematik, auf die man sich vielfach stützt, werden nicht-menschliche Tiere sehr wohl als Lebewesen anerkannt. Doch wird der Wert eines Wesens nicht durch rein empirische Interessen bemessen, sondern durch dessen Vernunftsfähigkeit.
Laut Kant hält der Mensch also einen Hoheitsanspruch inne über die Natur, weil nur er autonom und nach seinen Regeln lebt.

Dem habe ich bspw. Schopehauer entgegengestellt, der allerdings von eben jenem Peter Möller scharf kritisiert wurde.

Es ist jedenfalls längst nicht mehr die Frage, ob Tiere Lebewesen sind oder nicht. Heute vertreten kaum mehr Menschen den cartesischen Standpunkt. Ich finde, auch jenen sollte man fundierte Gegenargumente entgegenhalten können.

Descartes etc.

Autor: Achim Stößer | Datum:
> Von Tieren als Waren ging eigentlich bloss Aristoteles aus.

Ja? Hm, war das nicht der, der immerhin NMT eine "anima sensitiva" zugestand?

Naja, so ein, zwei andere gehen wohl auch noch von "Tieren als Ware" etc. (Descartes hast Du ja selbst angerissen) aus ... oder ein paar Milliarden?

> Dem habe ich bspw. Schopehauer entgegengestellt, der

Ich denke, daß bloßes Namedropping kaum argumentativ wirkt.

> Es ist jedenfalls längst nicht mehr die Frage, ob Tiere
> Lebewesen sind oder nicht. Heute vertreten kaum mehr Menschen

Diese Frage ist aber irrelevant - schließlich sind auch Amöben und Kartoffelpflanzen Lebewesen ...

> den cartesischen Standpunkt. Ich finde, auch jenen sollte man

Das ist das Problem mit Namedropping. Die meisten werden mit "kartesisch" wohl eher (idR unangenehm ;-)) das Koordinatensystem assoziieren. Selbst wenn klar ist, daß damit Descartes Philosophische Ergüsse gemient sind, solltest Du dennoch ausführen (oder setzt Du das voraus?), daß er Tiere eben lediglich als "Maschinen" sah.

> fundierte Gegenargumente entgegenhalten können.

Welche "denen" meinst Du hier?

Achim

Philosophen und ihre Tierrechtsethik

Autor: Karl Rudin | Datum:
Zuerst mal ein interessanter Link, falls du ihn noch nicht kennst:
Talkshow der grossen Denker über Tierrechte

Zitat: Ja? Hm, war das nicht der, der immerhin NMT eine "anima sensitiva" zugestand?


Na ja, nichtdestotrotz ging er von der Natur als "herrschaftlich gestufte Treppe" aus, auf dessen Spitze der Mensch nun mal als "Herr über die Tiere" [sic!] stehe.

Zitat: Naja, so ein, zwei andere gehen wohl auch noch von "Tieren als Ware" etc. (Descartes hast Du ja selbst angerissen) aus ... oder ein paar Milliarden?


Philosophiegeschichtlich finden allerdings wohl die meisten dieser "Argumentationen" ihren Anfang bei Aristoteles.

Zitat: Ich denke, daß bloßes Namedropping kaum argumentativ wirkt.


Verzeihe mir. Ich meinte Schopenhauer im Sinne von "grenzenlosem Mitleid mit allen Wesen" und dem "Willen zum Leben" als universellen Wesenskern.

Zitat: Selbst wenn klar ist, daß damit Descartes Philosophische Ergüsse gemient sind, solltest Du dennoch ausführen (oder setzt Du das voraus?), daß er Tiere eben lediglich als "Maschinen" sah.


Ein klein wenig philosophische Vorkenntnisse habe ich vorausgesetzt, weil ich denke, dass sich jeder früher oder später mit tierrechtlicher Philosophie und auch mit antipythagoräischer / antitierrechtlicher Philosophie auseindergesetzt hat, der vegan lebt.
Wie dom gesagt hat: niemand muss über all dieses Wissen verfügen, um ein nüchternes ethisches Urteil zu fällen und (natürlich) vegan zu werden, aber eine philosophische Darlegung auf empirisch belegter Basis mag selbst den noch so überzeugten Fleischfresser stumm werden lassen und u.U. (wenn er über genügend Selbstkritik und -reflexion verfügt) zum ethisch korrekten Handeln führen.

Re: Metaphysischer Rechtfertigungsversuch

Autor: Achim Stößer | Datum:
> nunja in etwa so argumentieren meine eltern auch....

Hm, wo siehst Du da denn etwas wie ein "Argument"? Nicht jede wahllose Aneinanderreihung von Wörten sollte als "argumentieren" geadelt werden ...

Achim

Re: Metaphysischer Rechtfertigungsversuch

Autor: dom | Datum:
Ich brauch doch nicht die Metaphysik um zu begreifen, dass das Toeten von Tieren nicht richtig ist! Ich glaube auch nicht, dass die Leute toeten, weil irgendein Philosoph gesagt hat, dass das schon in Ordnung geht.

Nicht jedes Dreckhäufchen ist ein Gebirge

Autor: Achim Stößer | Datum:
> Die neuerliche Recherche für mein Buch, welches sich intensiv
> mit Veganismus auseinandersetzt, führte mich zu einem
> metaphysischen Rechtfertigungsversuch, dem ihr im FAQ noch

Hm, was ist daran denn "metaphysisch"?

> nicht zugekommen seid:

Doch: http://veganismus.de/vegan/faq-rechtfertigungsversuche.html#absurdefragen

>
Zitat: In diesem Zusammenhang ein paar Anmerkungen zur
> industriellen Fleischproduktion: Auch Tiere erleben
> Schmerzen. Deshalb muß man gegen Tierquälerei vorgehen. Aber
> die Massentierhaltung grundsätzlich abzulehnen, beruht
> meistens auf einer "Vermenschelung" der Tiere. Die Kritiker

Worauf das "meistens" beruht (tatsächlich beruht es "meistens" doch wohl eher auf Spendensammelehrgeiz?) ist irrelevant für die Frage, ob "Masssentierhaltung grundsätzlich abzulehnen" ist.

Mal davon abgesehen, daß ja auch "Wenigtierhaltung" ebenso wie "Einzeltierhaltung" abzulehenen ist ...

> der Massentierhaltung gehen immer mit den Augen, genauer noch
> mit dem Gehirn des Menschen durch die Mastanlagen. Sie
> berücksichtigen nicht, daß Tiere eine ganz andere Art oder
> Höhe des Bewußtseins haben. Außerdem: Ohne Massenproduktion

Ex falso quodlibet. Wenn dieser Speinner irgendwelche absurden Behauptungen aufstellt (ohne sie zu belegen - natürlich, da sie unzutreffend sind, kann er sie nicht belegen) und daraus etwas "baleitet", ist das irrelevant.

Für das folgende, ganz andere Gefasel, gilt entsprechendes:

> kein Massenwohlstand. Wenn die Fleischproduktion nicht
> industrialisiert wäre, dann würden nur die reicheren
> Bevölkerungsteile regelmäßig Fleisch essen. Ich komme aus

Äh - und? Was wäre dann?

> einer Arbeiterfamilie. In meiner Kindheit in den 50er und
> 60er Jahren gab es nur Sonntags Fleisch. Schinken gab es nur
> an Weihnachten und Ostern. Heute kaufe ich soetwas beinahe
> täglich. Die Industrielle Fleischproduktion generell zu
> verteufeln ist faktisch asozial und paßt in die neoliberale

Tolles argument füpr Billigprodukte aus Sweatshops, Kinderarbeit etc. ... hallo? Wer so "argumentiert" ist in höchstem Maße "asozial".

> Zeitströmung. Der vermeidlichen Besserstellung der Tiere soll

Ob er vielleicht "vermeintlichen" meint? "Vermeidbar" wohl nicht, was?


> Quelle: Peter Möller's philolex

Gleich im ersten Satz (den Du nicht zitiert hast) [quote]
Tiere sind als evolutionäre Vorstufen des Menschen [...]

wird klar, daß das ein ignoranter Schwätzer ist (ebenso könnte er "Obst als evolutionäre Vorstufe der Äpfel" bezeichnen oder gleich von Rand der Erde faseln), der sich für jede ernstzunehmende Diskussion disqualifizuert hat.

Man muß sich nun wirklich nicjt, wie im FAQ-Link oben angedeutet, mit jedem Dreckhäufchen, das jemand irgendwo absetzt, befassen.

> Ich persönlich bin dem in meinem Buch auf besondere Weise
> nachgekommen, bin aber sowieso von einer metaphysischen
> Diskussion ausgegangen, die Gedanken von Aristoteles,
> Descartes, Kant und Schopenhauer vermengt und auswertet.

Klingt ehrlich gesagt nicht nach einem Buch das ich lesen möchte (aber ich halte auch nichts von "Philosophie", erst recht "Metaphysik" ... da kann ich ja gleich Schnittmusterbögen für des Kaisers neue Kleider betrachten) ... hattest Du nicht gesagt, es solle ein Roamn werden?

> Ich finde allerdings, dass auch euer FAQ dem nachkommen
> sollte, weil ein unbewandter Leser sich davon schnell
> überzeugen lässt, denn deduktiv ist der Text nicht ganz ohne.

Äh? Der "Text" ist ohne jeden Sinn und Verstand hingerotzt.

Achim

Dreckhäufchen

Autor: Karl Rudin | Datum:
Zitat: Hm, was ist daran denn "metaphysisch"?


Metaphysik beinhaltet Ethik.
Für einen Rechtfertigungsversuch dieser Art oder eben die Grundlage veganer Ethik en commun braucht es Metaphysik, weil man das Dasein an sich kritisch hinterfragen muss.

Zitat: Man muß sich nun wirklich nicjt, wie im FAQ-Link oben angedeutet, mit jedem Dreckhäufchen, das jemand irgendwo absetzt, befassen.


Muss muss niemand, soviel ist klar. Jeder kann tun was er will. Nur wollen kann er nicht, was er will. ;-)

Zitat: Klingt ehrlich gesagt nicht nach einem Buch das ich lesen möchte (aber ich halte auch nichts von "Philosophie", erst recht "Metaphysik" ... da kann ich ja gleich Schnittmusterbögen für des Kaisers neue Kleider betrachten) ... hattest Du nicht gesagt, es solle ein Roamn werden?


Natürlich soll es ein Roman werden, aber ich kann dabei nicht umhin, den aufklärerischen Hintergrund im Auge zu behalten, sprich "süsse Pille mit bitterem Kern"; den Leser unterhalten und ihn währenddessen belehren.
Der Auszug, in welchem dies thematisiert wird, ist übrigens ein kleines Intermezzo, welches aus dem Dialog zweier Dozenten gegriffen wurde, die heftig über den veganen Studenten und dessen Beweggründe debattieren. Ich mache mich eher lustig über die holprige Metaphysik der Dozenten, als dass ich mich hierin vollkommen ernst nehmen würde. Wenn was daraus wird, würde ich mich über dich als Leser also trotzdem freuen. ;-p

Zitat: Äh? Der "Text" ist ohne jeden Sinn und Verstand hingerotzt.


Der Autor fühlt sich dabei aber offenbar geradezu erleuchtet und klopft sich wohl jeden Abend auf die Schulter, dass er an diesem Tag so sozial war und etwas für die Wohlfahrt getan hat.

Karl

P.S.: Nach dem Eröffnen dieses Threads habe ich eine Mail von einem Leser bekommen, der mir die universelle Antwort angeboten hat, sie allerdings nicht in diesem "atheistischen, platten" Forum posten wollte.
Schade, konnte ich sein "Dreckhäufchen" nicht auch noch referenzieren.