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Vom Vegetarier zum Veganer

Anzahl Beitr├Ąge in diesem Thread: 5

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Vom Vegetarier zum Veganer

Autor: Geli | Datum:
[Beitrag verschoben aus Veganismusforum, bitte Forenbeschreibung beachten - Moderator]

Hi, ich bin seit ca. 7 Jahren Vegetarierin. Damals war ich 10 und habe dann erst verstanden was ich da eigentlich esse. Doch ich wusste noch nicht das auch f├╝r Milch und Eier Tiere leiden m├╝ssen. Das will ich nat├╝rlich nicht. Aber das auch f├╝r Honig so viele Bienen sterben m├╝ssen h├Ątte ich nicht gedacht, denn unser Nachbar ist Imker und er geht sehr vorbilblich mit seinen Bienen um. Doch da ich jetzt so viel schlimmes gelesen habe, bin ich am ├╝berlegen ob ich nicht vegan leben sollte.Eigentlich esse ich auch nicht sehr viele Tierische Produkte, doch so manches w├╝rde mir schon fehlen, zB. Jokurt o. K├Ąse das mag ich n├Ąhmlich besonders gerne. Au├čerdem habe ich auch Angst wie mein Umfeld meine Entscheidung annehmen w├╝rde.

Ich w├╝rde mich freuen wenn ihr mir erz├Ąhlen k├Ânntet wie eure Erfahrungen mit Freunden und Familie waren und ob es auch Alternativen zu K├Ąse gibt und wo man diese kaufen kann.

Ich w├╝rde mich sehr ├╝ber Anworten freuen und sag jetzt schon mal DANKE!!! eure Geli

Re: Vom Vegetarier zum Veganer

Autor: Achim St├Â├čer | Datum:
> f├╝r Honig so viele Bienen sterben m├╝ssen h├Ątte ich nicht
> gedacht, denn unser Nachbar ist Imker und er geht sehr
> vorbilblich mit seinen Bienen um. Doch da ich jetzt so viel

Ach? Er l├Ą├čt sie in Ruhe und ihnen ihren Honig? Dann ist er kein Imker.

> schlimmes gelesen habe, bin ich am ├╝berlegen ob ich nicht
> vegan leben sollte.Eigentlich esse ich auch nicht sehr viele

Was gibt es da noch zu "├╝berlegen"? Schau Dir http://tierrechtsbilder.de an.

Zu Deinen fragen gibt es hier im Forum schon jede Menge Threads und auf den zugeh├Ârigen Websites Informationen, etwa zu Joghurt etc.

Allerdings ist nicht einzusehen, wieso Rinder umgebracht werden sollten, selbst wenn es keine vegane Joghurtalternative g├Ąbe.

Achim

Re: Vom Vegetarier zum Veganer

Autor: Reina | Datum:
Hi Geli,

wenn Du bereits so viel dar├╝ber gelesen hast, dann kennst Du ja die Gr├╝nde, weshalb jeder vegan leben sollte.

Zwar unterscheidet sich eine vegane Lebensweise in praktischer Hinsicht v.a. im Hinblick auf eine sorgf├Ąltigere Auswahl von Produkten und ├╝blicherweise auch mehr Handarbeit, dennoch solltest Du nicht ausschliesslich versuchen, Deine bisherige Lebensweise allein durch "originalgetreue" Alternativprodukte m├Âglichst unver├Ąndert beizubehalten. Es gibt auch zahllose vegane Produkte und Gerichte, die keine direkte Entsprechung in der ├╝blichen Ern├Ąhrung haben. Angesichts der nahezu unersch├Âpflichen, wenngleich teilweise auch vergleichsweise aufw├Ąndigen M├Âglichkeiten der veganen K├╝che musst Du dich auch nicht einmal einschr├Ąnken, sondern hast auch eine passende Gelegenheit, v├Âllig neue M├Âglichkeiten zu entdecken. Andererseits ist es nat├╝rlich auch nicht erforderlich, gleich zum Hobbykoch zu werden, um sich ausgewogen zu ern├Ąhren.

>Au├čerdem habe ich auch Angst wie mein Umfeld meine Entscheidung
>annehmen w├╝rde.

Nat├╝rlich kannst Du nicht erwarten, dass eine ethisch motivierte Lebensweise, die im krassen Kontrast zur ├╝blichen steht und damit schon implizit eine Kritik darstellt, von allen Menschen wohlwollend aufgenommen wird. Wenn Du Dir aber erst einmal selbst ├╝ber die ethischen Gr├╝nde und praktischen M├Âglichkeiten des Veganismus klar geworden bist, kannst Du einerseits damit umgehen und wirst Du Dir andererseits auch die Frage stellen, ob Du eigentlich mit allen Menschen auf Schmusekurs gehen m├Âchtest...

>eure Erfahrungen mit Freunden und Familie waren

Du wirst damit leben m├╝ssen, dass nur wenige Deiner Mitmenschen ethische Argumente auch selbst umsetzen. Einige Menschen werden sie respektieren, Dich ob Deiner Konsequenz vielleicht sogar bewundern und sich m├Âglicherweise selbst graduell ├Ąndern, viele werden sie ignorieren, manche mit selbstgef├Ąlligen Hohn und Spott abkanzeln. Doch trotz einer zwangsl├Ąufigen gewissen Distanzierung und gelegentlichem Streit d├╝rften Zerw├╝rfnisse ganzer Familien wohl die Ausnahme sein.

Als Pizzabelag kanst Du Hefeschmelz. verwenden, ansonsten sind manche Tofuprodukte ├Ąhnlich und im veganen Versandhandel und z.T. in Biol├Ąden findest Du auch veganen K├Ąse, von denen zumindest einige Sorten auch sehr gut sein sollen. Ich pers├Ânlich kaufe die nicht (mehr).

mfg, Reina.

Re: Vom Vegetarier zum Veganer

Autor: Ava Odoemena | Datum:
Geli schrieb:

> zB. Jokurt o. K├Ąse das mag ich n├Ąhmlich besonders gerne.

Nun, es geht bei der Entwicklung Deiner Pers├Ânlichkeit doch nicht nur was Du besonders gerne magst, sondern welche Konsequenzen Deine Handlungen f├╝r andere haben. Die Konsequenzen f├╝r Tiermilch(produkte) sind sehr drastisch: Gefangenhaltung und Ermordung von Tieren, um mal zwei zu nennen. Mir hat das den Appetit auf Tiermilch gr├╝ndlich verdorben, zumal das Angebot an veganen Alternativen immer gr├Â├čer wird. Veganen Yoghurt kann man z.B. einfach selbst herstellen, Rezept unten.

> Au├čerdem habe ich auch Angst wie mein Umfeld meine
> Entscheidung annehmen w├╝rde.

Wenn Anerkennung nur dar├╝ber funktionieren kann, indem Du Dich selbst ├╝ber das definierst was andere von Dir erwarten, Du Dich also selbst auf eine soziale Marionette reduzierst, wird es h├Âchste Zeit die Qualit├Ąt und der Sinn dieser Beziehungen einmal grunds├Ątzlich zu ├╝berdenken. Vegan werden hei├čt auch erwachsen werden, und sein wirkliches Selbst in die Sozialgemeinschaft mit einzubringen, anstatt Gef├Ąlligkeitsmasken mit sich herum zu tragen. In dem Sinne ist vegan werden auch ein Emanzipierungsprozess bei dem Du das Selbstbewu├čtsein lernst, Deine Pers├Ânlichkeit und Interessen zu vertreten, anstatt st├Ąndig darauf bedacht zu sein nicht zu weit vom "Gruppengeruch" auszuscheren. Somit ist vegan sein auch ein Qualit├Ątsfilter, mit dem Beziehungen ausgesiebt werden k├Ânnen, die diese Bezeichnung gar nicht verdient haben da Deine Per├Ânlichkeit als solche noch nie wahrgenommen wurde. Wie auch, wenn Du immer darauf bedacht warst, Deine Interessen und ├ťberzeugungen nach den Massst├Ąben der Anderen auszurichten.

> Ich w├╝rde mich freuen wenn ihr mir erz├Ąhlen k├Ânntet wie eure
> Erfahrungen mit Freunden und Familie waren und ob es auch

Ich hatte schon bevor ich vegan wurde sehr wenig Interesse eine Beziehung/Kontakt zu meinen Verwandten aufrecht zu erhalten, die auch sehr versprengt leben. Meine Gro├čeltern bei denen ich aufgewachsen bin sind tot, sie h├Ątten es wohl f├╝r eine meiner Eskapaten gehalten und mich gew├Ąhren lassen. Die Verwandten meines Mannes (wir wurden gleichzeitig vegan) reagierten nach anf├Ąnglicher Skepsis (Veganismus weckt bei vielen Leuten reflexartige Assoziationen zu Sekten) durchaus positiv und bewundern diesen Schritt als einen Schritt zur St├Ąrke weil wir das auch so kommunizieren und erleben. Meine Freunde wurden nach und nach vegan (also nach dem Austauschprinzip) und somit w├╝rde sich die Frage f├╝r mich anders stellen, die w├Ąren tief entsetzt wenn ich nicht mehr vegan w├Ąre.

Dar├╝ber hinaus m├Âchte ich noch sagen da├č Du Dich auf keinen Fall auf die Bef├╝rchtungen und Angst reduzieren solltest (was ├╝brigens ein Suchtverhalten darstellt), denn vegan sein ist sehr sch├Ân. Ethisch autark zu leben ist etwas besonderes, ich war noch nie so beseelt von einer Art "Grundgl├╝ck" wie seitdem ich vegan lebe, obwohl ich die vermeidbare Miseren des Planeten nicht ignoriere, sondern eben meinen Beitrag leiste, sie zu reduzieren. Vegan zu sein ist f├╝r mich keine Arbeit und auch keine (soziale) Bedrohung, im Gegenteil, ich bedaure *sehr* da├č ich nicht schon viel fr├╝her vegan wurde. F├╝r mich sind das in vielerlei Hinsicht verlorene Jahre.

> Alternativen zu K├Ąse gibt und wo man diese kaufen kann.

Beim Heroindealer, denn die Verdauung von K├Ąse setzt opium├Ąhnliche Substanzen frei. K├Ąseentzug/s-Panik l├Ą├čt sich sehr gut mit (veganer) Schokolade behandeln. Geschmacklich gibt es Hefeprodukte zu kaufen oder selber machen, (z.B. Lopino mit gepasteten Cashewn├╝ssen und Hefeflocken als veganer Streichk├Ąse) bei Veganversendern gibt es auch verschiedene Alternativen obwohl man mit der Zeit immer weniger Appetit darauf bekommt. So hatte ich f├╝r meine Nudelgerichte am Anfang eine Parmesanalternative, allerdings finde ich Hefeflocken vom N├Ąhrwert her wesentlich vorteilhafter.

Vegetarische K├Ąsepanik basiert auch oft auf dem unter Vegetariern verbreiteten Irrglauben, "irgendwie" auf tierliches Eiwei├č angewiesen zu sein. Nun ist es so, da├č das Gehirn beim Umstieg auf vegane Ern├Ąhrung Alarmmeldungen psychologischer Natur aussendet (also unbegr├╝ndete, wie bei Sojamilch deren Geschmack vom Gehirn zuerst als "schlechte Milch" markiert wird - was aber schnell verfliegt und einem das stichige Nachschleimen von Tiermilch dann als unangenehm in die Erinnerung tritt). Wer sich zuvor mit ├╝berm├Ą├čig viel Eiwei├č ern├Ąhrt hat, egal ob aus Leichen, Tiermilch oder Eiern, sollte diese Eiwei├čkonzentration auch einige Zeit in der veganen Ern├Ąhrung fortsetzen, also mit viel Tofu, Lopino, Bohnen, N├╝ssen und Seitan und dies nach einiger Zeit aber auf normale Verh├Ąltnisse reduzieren, da auch zu viel veganes Eiwei├č nicht gesund ist. In der ├ťbergangsphase sollte man ruhig viel essen, auch wenn man etwas zunimmt bis das Darmhirn und der K├Ârper sich auf die ver├Ąnderte Kost eingespielt hat.

So, hier noch ein veganes Joghurtrezept:

Erst einmal muss man Sojamilch herstellen, das geht so: Trockene Sojabohnen im Bioladen, beim Asia Supermarkt oder beim T├╝rken kaufen, waschen und ├╝ber Nacht einweichen. Dann die gequollenen Bohnen in kochendes Wasser werfen und sofort lange mit dem P├╝rrierstab p├╝rrieren, also gute 3-4 Minuten. Wer zwei St├Ąbe hat, kann das auch Stereo;-) Die Menge findet man durch experimentieren raus. Ich nehme immer 300 Gramm Bohnen f├╝r 2 Liter Wasser, kippe aber etwas Wasser nach wenn es zu dickfl├╝ssig wird.

Dann etwa 20-30 Minuten kochen lassen, der Schaum ist normal. Man mu├č dabeibleiben und Hitze wegnehmen, denn das kocht sehr leicht ├╝ber. Wenn der Schaum zusammenf├Ąllt ist es fertig.

Dann die Sojamilch durch ein K├Ąsetuch sch├╝tten und selbiges gut auswringen. Am besten gleich in eine sterilisierte Sch├╝ssel hinein. Gleich danach ein Tuch ├╝ber die Sch├╝ssel tun und festbinden mit Schnur oder Gummiband. Nun muss die Sojamilch in ein kaltes Wasserbad um schnell abzuk├╝hlen.

Danach machen die Hefen in der Luft ihre Arbeit, also einfach 2-3 Tage an Dunklem Ort stehen lassen, je nach Wetterlage verwandelt sich dann die Sojamilch in pflanzlichen Yoghurt/Dickmilch. Am dritten Tag kann man ja mal das Tuch vorsichtig anheben und ganz leicht ruckeln um zu sehen ob es schon dick ist.

Ob es geklappt hat merkt man sofort. Bei gutem Ausgang hat die Dickmilch ein frisches, Sauerteig ├Ąhnliches Aroma, man will es sofort essen. Auch ist die Farbe einheitlich wei├č. Wenn es schief gegangen ist, riecht es muffig und unappetitlich.

Tja, und mit der Rohbuttermilch kann man dann allerhand anstellen. Fr├╝chte rein, Marmelade, zum M├╝sli dazugeben, zum verfeinern von Saucen und Brotaufstrichen oder ges├╝├čt mit Ahornsirup, Agavesirup oder Urmelasse aus dem Reformhaus. Suuper lecker. Wenn es einmal nicht klappt, nicht aufgeben, erfahrungsgem├Ą├č gehen etwa 2 von 10 Versuchen schief. Wichtig ist da├č bei der Herstellung keine schlechten Bakterien dazukommen, und bei Nachgucken nicht draufatmen. Viel Spa├č!

Re: Vom Vegetarier zum Veganer

Autor: Achim St├Â├čer | Datum:
> Danach machen die Hefen in der Luft ihre Arbeit, also einfach

Eher die Bakterien.

Achim