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Backzutaten fĂŒr BĂ€ckerein

Anzahl BeitrÀge in diesem Thread: 8

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Backzutaten fĂŒr BĂ€ckerein

Autor: VolkerK | Datum:
Mal ein kleiner Zwischenstand von mir:

Vor rund vier Wochen hatte ich erstmals bei den beiden großen Backmittelherstellern Hefe van Haag und BÄKO per Mail nach tierlichen Inhaltsstoffen gefragt. Trotz mehrfacher Nachfrage keine Antwort. Dabei sollte es fĂŒr einen Betrieb, der auch noch das Wort "Hefe" im Namen fĂŒhrt, kein Problem sein, nachzuprĂŒfen, ob Hefe auf Gelatine (billig) oder Agar (hochwertig) kultiviert wird...

Hab nun auf meinem offiziellen Briefkopf eine Anfrage gemacht:
Zitat:
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich recherchiere gerade im Zusammenhang mit der Frage, ob Produkte tatsÀchlich vegetarisch sind oder nicht.
Viele Menschen – nach aktuellen Statistiken des Vegetarierbundes 8% in Deutschland – leben aus verschiedenen GrĂŒnden vegetarisch oder vegan. Wie einige von ihnen durch Recherche immer wieder feststellen, sind Rohstoffe tierischen Ursprungs in vielen Produkten enthalten oder an deren Herstellung beteiligt, ohne, dass dies dem „Normalverbraucher“ bewusst wĂ€re.
WĂ€hrend Vegetarier nur Stoffe ablehnen, die aus toten Tieren gewonnen werden, lehnen Veganer jegliche vom Tier stammenden Rohstoffe ab. Wegen der auch von VerbraucherschĂŒtzern immer wieder gerĂŒgten mangelhaften Deklarationspflicht konsumieren aber viele dieser Personen Rohstoffe, die sie eigentlich ablehnen.
Sie stellen Rohstoffe fĂŒr BĂ€ckereien her. Daher richte ich an Sie folgende Fragen:
Welche Stoffe tierischer Herkunft sind Grundstoffe Ihrer Produkte – außer den offensichtlichen Stoffen wie Milch in einem Milchbrötchen?
Welche Stoffe tierischer Herkunft werden im Laufe des Produktionsprozesses eingesetzt – wie zum Beispiel Gelatine als Basis fĂŒr die Hefezucht?
Ich wĂŒrde mich freuen, wenn Sie die Fragen möglichst offen beantworten. Schließlich ist Offenheit ein Grund fĂŒr Vertrauen der Verbraucher in die Produkte Ihrer Kunden.
Eine entsprechende Anfrage – ohne Hinweis auf meinen journalistischen Hintergrund – habe ich bereits vor einiger Zeit per Internet gestellt und bislang noch keine Antwort erhalten.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

Re: Backzutaten fĂŒr BĂ€ckerein

Autor: VolkerK | Datum:

Zwischenstand:

Hefe van Haag rief an, sie kaufen den Kram selber nur ein und produzieren nicht (mehr) selbst. Man versicherte mir, dass die Backmargarine von van Haag rein pflanzlich sei, man sei seit den Pressemeldungen ĂŒber Schweineborsten etc. in "Backmittel" sensibilisiert. Allerdings fand er die Frage nach Gelatine in der Hefezucht auch in Hinblick auf Moslems und Juden interessant, denn Fragen nach kosheren Produkten kĂ€men von den Kunden (=BĂ€ckern) schonmal und diese Frage ist ihm selber noch nicht in den Sinn gekommen.

Er sagte mir ausfĂŒhrliche Recherche und Antwort zu.

Gruß,
Volker.

Re: Backzutaten fĂŒr BĂ€ckerein

Autor: VolkerK | Datum:
Hallöle,

ich hab mal mangels Lebenszeichen der angeschriebenen Herstellerfirmen selber recherchiert, was problematisch sein kann, insbesondere bei der Hefeproduktion.

Hefe wird in Melasse gegÀrt, wobei es mehrere Verfahren gibt. Ein Verfahren (das allerdings nicht ernsthaft wirtschaftlich genutzt wird) setzt Geliermittel voraus, um die Melasse "schnittfest" zu machen. Dies Geliermittel kann auch Gelatine sein, da es aber faktisch nur in Labors zur Zucht neuer HefestÀmme sowie zur QualitÀtskontrolle benutzt wird, gehe ich davon aus, dass in Deutschland grundsÀtzlich Agar als Geliermittel Verwendung findet.

Melasse selber ist der Muttersirup der Zuckerproduktion und in meinen Augen daher genauso zu problematisieren, wie Zucker an sich. Wenn Weisszucker an sich potentiell unvegan ist, dann ist auch Melasse als Nebenprodukt der Zuckerindustrie potentiell unvegan. Wer also Weisszucker meidet, weil dieser mit Tierkohle gebleicht wurde, muss sich im Klaren darĂŒber sein, dass auch die Einnahmen aus dem Melassehandel in derselben Kostenrechnung landen.

Viel kritischer sehe ich allerdings den genauen GĂ€rungscocktail.

Der besteht nicht nur aus Melasse. Diese wird nÀmlich abgekocht, was einige Vitamine (B-Komplex) zerstört. B-Vitamine (Panthenol) sind nunmal potentiell unvegan:
Zitat:
Panthenol. Dexpanthenol. Vitamin B-Komplex-Faktor. Provitamin B5 - Kann aus Tieren isoliert sein, z.B. aus der Leber. Als entzĂŒndungs- und reizlindernder Wirkstoff in Kosmetika. In Shampoos, Nahrungsmitteln, Zusatzstoffen, etc. Alternativen: aus Pflanzen, z.B. Reiskleie; synthetisch.


Vorbereitung der NÀhrlösung (Quelle: http://www.biohefe.de/node11.html):
Zitat:
Bevor die Melasse in den Fermenter gelangt, mußsie vorbereitet werden :

* AnsÀuern mit SchwefelsÀure auf pH 5
* Sterilisieren bei [$100^\circ$] C, um Mikroorganismen, die das Hefewachstum behindern könnten, abzutöten
* Abtrennen des entstandenen Schlamms durch Filtration oder Separation
* Zugabe von NĂ€hrsalzen (hauptsĂ€chlich Ammoniumsalze und Phosphate), sowie von Vitaminen der B-Gruppe, da diese fĂŒr das Hefewachstum benötigt werden und in der Melasse nicht in ausreichenden Mengen vorhanden sind.


Gruß,
Volker.

Plumpe Diskreditierungsversuche

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
> ich hab mal mangels Lebenszeichen der angeschriebenen
> Herstellerfirmen selber recherchiert, was problematisch sein
> kann, insbesondere bei der Hefeproduktion.

Er meint: er hat wieder mal versucht, irgendetwas zu finden, mit dem er uns an die Karre fahren kann.

> Hefe wird in Melasse gegÀrt, wobei es mehrere Verfahren gibt.
> Ein Verfahren (das allerdings nicht ernsthaft wirtschaftlich
> genutzt wird) setzt Geliermittel voraus, um die Melasse
> "schnittfest" zu machen. Dies Geliermittel kann auch Gelatine
> sein, da es aber faktisch nur in Labors zur Zucht neuer
> HefestÀmme sowie zur QualitÀtskontrolle benutzt wird, gehe
> ich davon aus, dass in Deutschland grundsÀtzlich Agar als
> Geliermittel Verwendung findet.

Blablabla. Wie ich hier bereits sagte: "Ich bezweifle doch stark, daß irgendjemand Hefe auf Gelatine kultiviert (sondern, wie auch ĂŒberall nachzulesen, auf Melasse), nur weil Volker König in der Schule irgendwann mal Mikroorganismen auf Agar Agar gezogen hat. Die Anfragen, die ich vor Jahren gemacht habe (bezogen auf mögliche andere ZusĂ€tze), wurden jedenfalls anstandslos beantwortet."

> Melasse selber ist der Muttersirup der Zuckerproduktion und
> in meinen Augen daher genauso zu problematisieren, wie Zucker
> an sich. Wenn Weisszucker an sich potentiell unvegan ist,

Wie lĂ€cherlich kann sich eigentlich noch jemand machen? Das erinnert doch fatal an Radix, die, nachdem wir sie als Betrugsfirma demaskiert hatten, in der TBa fabulierten: Wer "Tofuprodukte ißt, unterstĂŒtz immer die Fleischindustrie" (weil Soja auch zur ErnĂ€hrung ausgebeuteter Tiere verwendet wird).

Melasse wĂ€re nach VK also "problematisch", weil bei der Melasseherstellung auch Zucker hergestellt wird, und dieser Zucker dann irgendwann möglicherweise mit nichtveganen Stoffen weiterverarbeitet. FĂŒr denkende Menschen ist damit klar, daß dann dieser weiterverarbeitete Zucker nichtvegan ist, was aber keinen Einfluß auf die Melasse hat. Ebensowenig ist, wenn ich eine halbe Melone kaufe, diese dadurch "problematisch", daß jemand anders die andere HĂ€lfte kauft und mit "Schinken" anrichtet.

> Viel kritischer sehe ich allerdings den genauen
> GĂ€rungscocktail.

Einzig kritisch ist Königs verzweifelter Versuch, Leuten, die konsequent vegan leben, irgendwo einen Fehler nachzuweisen, weil er meint, damit sein eigenens, verantwortungsloses Verhalten rechtfertigen zu mĂŒssen.

Da gabe es vor Jahren auch den Fall, daß Tierausbeutungspropagandisten das GerĂŒcht in die Welt setzten, Ahornsirup wĂŒrde bei der Herstellung zur Verhinderung der Schaumbildung "Schweineschmalz" zugefĂŒgt. Eine LĂŒge, wie sich herausstellte.

Analog dazu der von Tierausbeutungspropagadisten immer wieder gern gepostete Cartoon, der "Vegetarier" beim Besuch auf einem "Bauernhof" zeigt, die dann ganz entsetzt vor einem Pferch stehen, wÀhrend der Bauer auf die Tiere darin zeigt mit den Worten: "und das sind unsere Tofus".

Es ist so offensichtlich, was König mit seinen plumpen Versuchen erreichen will: konsequenten Veganismus zu unterhöhlen, diejenigen zu diskreditieren, die - im Gegensatz zu ihm - konsequent vegan leben wollen.

Aber das funktioniert nicht: Allwissenheit ist nicht gefordert beim Veganismus. Lediglich das Vermeiden des Vermeidbaren. Und das bedeutet auch, sich ausreichend zu informieren. Wenn es beispielsweise um Essig geht, weiß ich, daß dieser mit Gelatine etc. gefiltert sein kann. Bei ungefiltertem Essig besteht dieses Problem offensichtlich nicht. Eine sinnvolle Anfrage bezĂŒglich Essig bezieht sich also auf die Filterung - nicht darauf, ob nun beispielsweise jemand zur Schaumbildungsverhinderung "Schweineschmalz" zufĂŒgt.

Wie gesagt: Allwissenheit ist nicht gefordert. Wenn also ein Tierausbeutungspropagandist wie König irgendwann mal etwas finden sollte, von dem Veganer nichts wußten (was, trotz seiner enormen Anstrengungen, eher unwahrscheinlich ist), etwa, daß als Rieselhilfe fĂŒr Kochsalz doch irgendwann mal Blutlaugensalz aus Schweineblut benutzt wird oder daß Mineralwasser mit Gorillaknochenmehl angereichter wird oder was auch immer, so mag er zwar triumphieren, an der RealitĂ€t Ă€ndert das aber nichts: Wir setzen uns fĂŒr Veganismus und Tierrechte ein, er setzt sich gegen uns - und damit gegen Veganismus und Tierrechte - ein.

Ein treffendes Beispiel, das das Verhalten von Leuten wie ihm zeigt, siehe auch http://veganismus.ch/foren/read.php?f=1&i=1191&t=1191.

Achim

Re: Plumpe Diskreditierungsversuche

Autor: Ivan | Datum:
Achim StĂ¶ĂŸer schrieb:
> Da gabe es vor Jahren auch den Fall, daß
> Tierausbeutungspropagandisten das GerĂŒcht in die Welt
> setzten, Ahornsirup wĂŒrde bei der Herstellung zur
> Verhinderung der Schaumbildung "Schweineschmalz" zugefĂŒgt.
> Eine LĂŒge, wie sich herausstellte.

Ist das wirklich eine LĂŒge? Die VRG behauptet nĂ€mlich:

Zitat: Maple syrup is another sweetener which may sometimes be a concern to vegans. The process of making maple syrup requires an agent to reduce the foam on the syrup by adding a small amount of fat to the liquid.

The traditional process of reducing the foam in maple syrup has included the use of lard. Previously, local producers would hang pork fat over a tub of maple syrup and let drops of fat drip into the syrup. Others used milk, cream or butter. If animal products are used in the form of lard or milk, the amount is minute. For example, eight to ten gallons of syrup will involve a quarter of a teaspoon of cream or a pea-sized drop of butter.

Vegetable oil is a common defoaming agent. It can be applied to the end of a wooden stick and dipped into the foaming part of the maple syrup. Most manufacturers of maple syrup now use vegetable oil or synthetic defoamers instead of lard.

One commercial defoamer (called Atmos300K) is composed of monoglycerides and diglycerides. According to WITCO, the producer of this defoamer, these glycerides are derived from "edible meat and/or vegetable sources." Another leading brand of defoamer, Reynolds Magic Syrup Defoamer, also contains acetylated monoglycerides as an ingredient (7).

Well known brands of pancake maple syrups, such as Mrs. Butterworths or Log Cabin, usually contain only 2-5% maple syrup. Corn syrup is the main ingredient of most pancake syrups. Pure maple syrup will have a grade label and state "100% Pure Maple Syrup." (8)

It may be difficult to determine whether a particular brand of syrup has an animal or vegetable based defoamer. Most syrups do not use lard, with the exception of certain small-scale products. Brands which are kosher certified, such as Spring Tree or Maple Groves, are unlikely to contain animal products in their defoamers. Holsum Foods, which produces pancake syrup, also uses vegetable oil as a defoaming agent, and their product is labeled by food chains such as Dominick's, Supervalue and Superfine.


https://www.vrg.org/journal/vj97mar/973sugar.htm

Re: Plumpe Diskreditierungsversuche

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
> > Da gabe es vor Jahren auch den Fall, daß
> > Tierausbeutungspropagandisten das GerĂŒcht in die Welt
> > setzten, Ahornsirup wĂŒrde bei der Herstellung zur
> > Verhinderung der Schaumbildung "Schweineschmalz" zugefĂŒgt.
> > Eine LĂŒge, wie sich herausstellte.
>
> Ist das wirklich eine LĂŒge? Die VRG behauptet nĂ€mlich:

> https://www.vrg.org/journal/vj97mar/973sugar.htm

Behauptete das nÀmlich '97, ja, das ist etwa die Zeit, als das kursierte (und dann widerlegt wurde, soweit ich das beurteilen kann).

Achim

Re: Plumpe Diskreditierungsversuche

Autor: Ivan | Datum:
Behauptet ĂŒbrigens immer noch, dass Ahornsirup mit unveganen Stoffen behandelt werden kann. Eine andere Quelle ist Jo Stepaniak.

Wodurch siehst du das (oder speziell den Einsatz von Schweineschmalz) denn als widerlegt?

Re: Plumpe Diskreditierungsversuche

Autor: Achim StĂ¶ĂŸer | Datum:
Ivan schrieb:
>
> Behauptet ĂŒbrigens
> immer
> noch, dass Ahornsirup mit unveganen Stoffen behandelt werden kann. Eine andere Quelle ist Jo Stepaniak.
>
> Wodurch siehst du das (oder speziell den Einsatz von
> Schweineschmalz) denn als widerlegt?

Das ist nun 17 Jahre her (von wann die jetzt von Dir verlinkten Texte sind, ist unklar). Ich habe mich, als das damals hochkochte, informiert und bin zu der Überzeugung gelangt, dass das Unfug ist. An die damals verwendeten Quellen erinnere ich mich nun wirklich nicht mehr.

Es bleibt Dir natĂŒrlich unbenommen, bei Ahornsirupherstellern eine PA zu machen. Die Ergebnisse schreibst Du dann bitte ins PA-Forum, ja?

Achim