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Spezismus, Speziismus, Spezifizismus etc.

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Spezismus, Speziismus, Spezifizismus etc.

Autor: Achim Stößer | Datum:




So, damit wäre das mit dem Spezifizidingsbums nun hoffentlich endlich geklärt ;-) .

Achim

Hiatvermeidung bei Rasseismus

Autor: Achim Stößer | Datum:
Weil "Rasse" im Gegensatz zu "Spezies" etc. auf einen Vokal endet. Durch Anhängen eines mit Vokal oder Diphtong beginnenden Worts oder Wortteils würde aber ein Hiatus entstehen, was aber gern vermieden wird, entweder durch Einfügen zusätzlicher Konsonanten (amerikaisch->amerikanisch, Tokioer->Tokioter) oder ganzer Lautgruppen (kongoisch->kongolesisch) oder eben durch Vokalwegfall:
Rasseismus->Rassismus
Anarchieismus->Anarchismus
Buddhaismus->Buddhismus
Kubeismus->Kubismus (von frz. cube, WĂĽrfel)
Tacheismus->Tachismus (von frz. tache, Fleck)
Gitarreist->Gitarrist
Flöteist->Flötist
Violineist->Violinist
Pianoist->Pianist (der Endungsvokal muĂź nicht unbedingt ein e sein)

Allerdings wird ein Hiat auch im Fall von -ismen nicht zwangsläufig vermieden: Theismus, Dadaismus, Maoismus, Hinduismus, Egoismus usw.

Alkohol, extrem, national, sozial, Islam, Bush, Sex, Ideal, vegan und eben Spezies enden aber nunmal nicht auf einen Vokal, folglich entsteht kein Hiat, der vermieden werden mĂĽĂźte; wenn jemand Alkoholismus, Extremismus, Nationalismus, Sozialismus, Islamismus, Bushismus, Sexismus, Idealismus, Veganismus oder Speziesismus sagt, ist das korrekt und problemlos auszusprechen (wenn man nicht grade unter Drogen steht).

Das ist natürlich nur eine vereinfache Darstellung, es gibt zahlreiche weitere Möglichkeit, Wörter/Wortteile zu verbinden.

Sprachästhetik eben (naja, vielleicht auch ein wenig Sprachökonomie).

Achim

PS:
Zitat: Hiatus

Hiatus [lateinisch »Kluft«] der, Sprache: Zusammentreffen zweier (getrennt gesprochener) Vokale, z. B. The-ater, ja aber.

weitere phonetische HintergrĂĽnde

Autor: martin | Datum:
Bei "Speziesismus" scheinen die Leute Probleme an zwei Stellen zu haben: einmal, daß beim Silbifizieren die morphologischen Grenzen verschoben werden (morphologisch: "Spezies+ismus", phonetisch aber: "(sch)pe-(ts)je-sis-mus"), also daß das letzte "s" von "Spezies" kommt zur folgenden Silbe. Hintergrund ist, daß deutsche Silben mit Anfangsrand (hier also Konsonant vor dem Vokal) bevorzugt werden gegenüber Silben ohne (daß das "s" bei "(ts)jes" fehlt, ist weniger schlecht, weil der Endrand nicht so wichtig ist). Dieser Prozeß ist völlig normal, wie man an deren Wörtern sieht: "Vegan+ismus" und "ve-ga-nis-mus" oder "Rass+ismus" und "ra-sis-mus".
Das zweite Problem haben sie bei der zweiten Silbe, die manche Menschen aufteilen wollen: "(sch)pe-(ts)i-jes". Der Grund, weshalb es nur zwei Silben sind (und das "i" zu "j" spirantisiert wird), ist, daß im Deutschen die Abfolge "betonte Silbe+unbetonte Silbe" bevorzugt wird (also zwei, nicht drei Silben), das sieht man an Tilgungen in Fällen wie "dunkel+er" ergibt nicht "dunkeler", sondern "dunkler" oder "sieben+te" ergibt nicht "siebente", sondern "siebte".
Warum diese regulären Prozesse, die (wie man sieht), ansonsten automatisch angewendet werden, hier zu Irritationen führen, liegt u. a. wohl an der Gebrauchshäufigkeit, aber die kann man ja steigern...

Re: Spezismus, Speziismus, Spezifizismus etc.

Autor: Achim Stößer | Datum:
Ich habe übrigens vor ziemlich genau zwei Jahren und vor ein paar Tagen einige der Termini gegoogelt, um die Häufigkeit festzustellen, wobei ich nicht weiß, was nun läßliche Tippfehler sind und was echte Falschschreibung:

speziezismus 848 (war: 395)
spezismus 809
spezifismus 342
speziismus 316 (war: 110)
spezizismus 278
spezifizismus 57

speziesismus 11200 (war: 31000)

Da ich nicht annehme, daß es so viel weniger Seiten zum Thema "Speziesismus" gibt. hat google wohl den Algorithmus geändert ...

Achim

Re: Spezismus, Speziismus, Spezifizismus etc.

Autor: Till Kraemer | Datum:
Ich spreche es so aus, aber ich bin manchmal etwas verunsichert, weil 9 von 10 Tierrechtlern, denen ich begegne, es "Spezieh-sismus" aussprechen, darunter Leute, die ich sehr schätze, wie Andre.

Zum Hintergrund von „Spez(i(e(s)))ismus“

Autor: Ivan | Datum:
Speziismus lässt sich dadurch erklären, dass das -es im Lateinischen eine Deklinationsendung ist (e-Deklination: speci-ēs, speci-ēī, speci-ēī, speci-em, speci-ē; speci-ēs, speci-ērum, speci-ēbus, speci-ēs, speci-ēbus).

Ebenso liegt Theismus θεός zugrunde, wobei -ος eine Deklinationsendung ist (also nicht Theosismus), ε aber zum Stamm gehört (nicht Thismus). In Anarchismus steckt nicht etwa Anarchie, sondern das kommt vom Stamm von ἄναρχ-ος, wie auch das Wort Anarch-ie selbst und das Adjektiv anarch-isch. Hierunter kann auch Buddhismus eingereiht werden, denn der Name Buddha folgt im Lateinischen der a-Deklination (Nominativ Buddh-a, Genitiv und Dativ Buddh-ae, Akkusativ Buddh-am, Ablativ Buddh-ā), auch Wörter wie Sozialismus (sociāl-is) passen in das Schema.

Das Englische scheint mir offener dafĂĽr zu sein, einheimische Wörter mit diesem Suffix (im Englischen halt -ism, nicht -ismus) zu verbinden. Im Deutschen wĂĽrde kaum jd. Wörter bilden wie Abwesendenismus oder Freiwilligismus – Wörter wie Vandalschmierismus werden zwar gelegentlich gebildet, aber sie „wirken noch auffällig“ –, auf Englisch gibt es dagegen absenteeism (mit -ee! – deutsch Absentismus) und voluntaryism (mit -y! – deutsch Voluntarismus, lateinisch voluntārius „freiwillig“), auĂźerdem blackguardism, dwarfism, highbrowism und leftism.

Hierzu passt nun das 1970 von Richard Ryder gebildete Wort speciesism (kann analysiert werden als einfach das englische Wort species plus -ism), das sich als Speziesismus im Deutschen eingebürgert hat. Wir haben auch Anglizismen wie Ableismus, Ageismus und Lookismus. Bereits 1958 könnte Harlow das Wort specism verwendet haben:

„Animals seem to differ more, for example, in extinction of learning than in learning, which Harlow (1958) has elaborated on […] The gulf between the learning capacity of animals may not be as large as some writers believe. For example, “Man is not simply a very clever ape, but a possessor of mental abilities which occur in other animals only in most rudimentary form, if at all.” (Dobzhansky 1955, p. 338.) Harlow characterized such views as “specism.”“ (Comparative Psychology: Phyletic Differences in Behavior (1973))

Hier eine frühe Belegstelle für specieism (das zweite e taucht zwar in allen Flexionsformen auf, in speciem ist es jedoch kurz): „It is either man brutalizing nature. Or man brutalizing another man—racism. Or man brutalizing woman—sexism. Or man brutalizing animals—whales, dolphins, seals, buffalo—specieism. Or one individual man brutalizing himself, his own senses and feelings.“ (AAUW Journal vom November 1971)

Hier speciism: „Modern atheism, denying the legitimacy of these "permits", consequently must resort to auxiliary constructions - and "speciism" and "animal rights" are some of them. (Why not plant rights?)“ (Recombinant DNA Research vom Mai 1986)

Bei Wörtern wie Anglismus (lateinisch Angli-a) und Militarismus (mīlitāri-us) taucht das i am Ende des Stamms gar nicht auf. Es gibt Schiismus, aber das i in Schia ist betont und davor gibt es gar keinen Vokal. Insofern scheint mir Spezismus (vgl. Star Wars) am passendsten, wenn es schon nach dem Lateinischen gehen soll. Ich bleibe aber gerne bei dem Terminus, der sich etabliert hat.

Re: Zum Hintergrund von „Spez(i(e(s)))ismus“

Autor: Achim Stößer | Datum:
Naja, die ganzen Beispiele zeigen doch vor allem, dass es auch Englischsprachler - solche Beispiele haben wir ja zuhauf auch im Deutschen - und Star-Wars-Übersetzer (sie machen ja z.B. regelmäßig "Sodium" aus Natrium, nur bei den Simpsons war's mal korrekt in all den Filmen, die ich gesehen habe und in denen im Original von "sodium" die Rede war) nicht gebacken kriegen (was Star Wars angeht, so lautet der Terminus im Original offenbar speciesism:
Zitat: Speciesism, also known as xenocentrism was a belief that one species was inherently superior to another or all other species. Similarly, it manifested itself in xenophobia, an overwhelming fear of other species, regardless of circumstance.
http://starwars.wikia.com/wiki/Speciesism

Achim

Re: Zum Hintergrund von „Spez(i(e(s)))ismus“

Autor: gast | Datum:
>Hierunter kann auch Buddhismus eingereiht werden, denn der Name Buddha folgt im Lateinischen der a-Deklination

Buddha ist latein?

Re: Spezismus, Speziismus, Spezifizismus etc.

Autor: Ivan | Datum:
Aber wenn es nach dem Lateinischen gehen soll, müsste es Spezismus heißen (die lateinische Wikipedia hat sogar einen Artikel über specismus, vgl. außerdem französisch spécisme; Spezies heißt auf Französisch indes espèce), wir sagen ja auch nicht Atheosismus oder Militariusismus, wogegen im Englischen schon eher einheimische Wörter mit -ism verbunden werden. Star-Wars-Übersetzer Andreas Kasprzak (oder wer auch immer es vorgemacht hat) hat das anscheinend kapiert.

Doch wie gesagt: Ich bleibe gerne bei Speziesismus. Speziezismus finde ich furchtbar, sehe im zweiten [i]z[/z] keinen Sinn.

Re: Spezismus, Speziismus, Spezifizismus etc.

Autor: Ivan | Datum:
> Speziezismus finde ich furchtbar, sehe im zweiten
> z[/z] keinen Sinn.

Was fĂĽr eine Ironie. Musste natĂĽrlich heiĂźen:

> [i]Speziezismus
finde ich furchtbar, sehe im zweiten
> z keinen Sinn.