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Vegan[... - Mod] bauen

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Vegan[... - Mod] bauen

Autor: VEGY | Datum:
[Beitrag verschoben aus Veganismusforum, bitte Forenbeschreibung beachten - Moderator]

Guten Tag

Gibt es Dinge die beim Bau eines Landhauses beachtet werden m├â┬╝ssen? Mein Mann plant f├â┬╝r Herbst den Bau unseres ersten Einfamilienhauses. Wir konnten uns dabei auf ein Minergiehaus einigen, allerdings m├â┬Âchte besonders ich noch einen Schritt weiter gehen und auf s├â┬Ąmtliche unnat├â┬╝rlichen Stoffe verzichten.

Ein Architekt hat uns schon gross Hoffnungen gemacht, allerdings hatte der sehr inkompetent gewirkt.

K├â┬Ânnt Ihr uns Tipps geben? Vielleicht eine Adresse eines Architekten?

Ich bin für jede Antwort dankbar.

Freundliche Grüsse
Eure Vegy

Re: Vegan[... - Mod] bauen

Autor: Achim St├Â├čer | Datum:
Vom H├Ąuserbauen verstehe ich nichts, aber von Sprache ein wenig, also bitte nicht "Veganisch bauen", sondern vegan ;-).

Achim

Nat├╝rlich unnat├╝rliche Stoffe?

Autor: Achim St├Â├čer | Datum:
Was meinst Du mit "und auf s├Ąmtliche unnat├╝rlichen Stoffe verzichten"? Lehm, Stroh und Kuhmist? Was hast Du gegen Kunst? Vor allem: grade angeblich "nat├╝rliche" (was immer daran nat├╝rlich sein soll) sind ja oft unvegan, in dem Fall etwa Farbe die auf Molke basiert (oder, wie hier, auf Ochsenblut).

Achim

Unvegane Zusatzstoffe: Eier, Milch, Blut, Schnecken etc. im M├Ârtel von Br├╝cken und Burgen

Autor: Achim St├Â├čer | Datum:
Zitat: "Der Keller mit seinem Kreuzgratgew├Âlbe aus dem 17. Jahrhundert steht noch an der historischen Stelle", versichern Martin Grabow, Klaus Wegner und Peter Stolley vom Geschichtskreis. Anhand der Steine und des M├Ârtels, die im Keller bei den j├╝ngsten Sanierungsarbeiten gefunden wurden, geh├Ârt der Keller zu den ├Ąltesten in ganz Brandenburg. "15 000 Eier waren damals Bestandteil des M├Ârtels", wissen die Forscher vom Geschichtskreis inzwischen.
http://www.moz.de/lokales/artikel-ansicht/dg/0/1/1383773/

Zum Wie oder Warum ist in dem Artikel leider nichts zu erfahren. Sucher ergab:

Zitat: Dem M├Ârtel, der f├╝r den Bau der Karlsbr├╝cke verwendet wurde, wurden tats├Ąchlich Eier und Milch beigemischt.

Das jedenfalls ist das Ergebnis einer M├Ârtelanalyse, die Wissenschaftler der Chemisch-Technologischen Hochschule (V┼áCHT) im Rahmen der Sanierungsarbeiten des mittelalterlichen Bauwerks durchgef├╝hrt haben.

Wie tschechische Medien gestern berichteten, konnten Wissenschaftler der V┼áCHT mit Hilfe der Massenspektrometrie in mittelalterlichen M├Ârtelproben proteinhaltige Bindemittel nachweisen. "Man kann relativ genau nachweisen, dass es sich dabei um Eiwei├če aus Eiern, aber auch aus Milch oder Quark handelt", so ┼átěp├ínka Kučkov├í von der V┼áCHT.

Durch die Beimengung von Eiern k├Ânnte demnach tats├Ąchlich nicht nur der M├Ârtel h├Ąrter gemacht, sondern durch die Beimengung der Proteine auch das Abbinden verz├Âgert worden sein, so dass die damaligen Maurer mehr Zeit gehabt h├Ątten, die Steinquader in die richtige Position zu bringen.

Bisher galt es eher als eine der unz├Ąhligen Prager Legenden, dass bei dem Bau der Karlsbr├╝cke Eier in den M├Ârtel gemischt worden waren, um die Festigkeit des Bauwerks zu erh├Âhen. Der Sage nach hatte Kaiser Karl IV. seine Untertanen daher in allen Landesteilen aufgerufen, f├╝r den Bau der Karlsbr├╝cke Eier nach Prag zu bringen.
http://www.tschechien-online.org/news/13648-uralte-legende-bestatigt-eier-mortel-prager-karlsbrucke-nachgewiesen/

Zitat: Kalkm├Ârtel gab es in unterschiedlichen H├Ąrtegraden. Neben steinhartem, mit Beton vergleichbarem, kam auch mehlig weicher Kalkm├Ârtel vor. Die H├Ąrte des M├Ârtels konnte mit Zus├Ątzen wie Kieselsteinen, Ziegelmehl, Gips, Kohle und Kalbshaar variiert werden. Wenn man den Chroniken glauben will, wurden auch Tannenzapfensud, Wein, Eier und Buttermilch beigegeben, um den M├Ârtel haltbarer und vor allem frostsicher zu machen.
http://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/glossar/alphabet/m/moertel.html

Zitat: Ein weiteres Ziel der Forscher: den idealen M├Ârtel finden. Denn dieser dient der Verbindung der Mauersteine und ist deshalb so interessant, weil mittelalterliche Burgen zu den stabilsten bekannten Geb├Ąuden z├Ąhlen. Viele von ihnen sind auch nach 1000 Jahren heute noch erhalten. [...] In Friesach wird bislang Kalkm├Ârtel, ein Gemisch aus gel├Âschtem Kalk und Sand im Verh├Ąltnis eins zu drei verwendet. "Die Zugabe von Wasser beim M├Ârtelmischen ist witterungsbedingt", sagt Caementarius (die historische Bezeichnung f├╝r Maurer) Charly Perje.

"Wenn wir zu viel Wasser hineinmischen, wird der M├Ârtel zu d├╝nnfl├╝ssig und hat somit zu wenig Bindungskraft." Aber wie genau der M├Ârtel zusammengesetzt war, der half, dass die mittelalterlichen Burgen teils heute noch bestehen, das ist noch unklar. Werde die richtige Formel f├╝r den "idealen M├Ârtel" entdeckt, k├Ânnte dieses Wissen auch f├╝r moderne Baumittelhersteller interessant sein, sagt Grabmayer.

Etwas skeptischer sieht das allerdings Carin Hollube, stellvertretende Sprecherin des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes. Sie widerspricht den Erwartungen des Historikers. "Die historische M├Ârtelforschung ist f├╝r den Neubau nicht relevant", sagt sie. Denn heutzutage seien die Anforderungen im modernen Mauerwerksbau an Baustoffe und Bauverfahren l├Ąngst andere als im Mittelalter.

Der Verband sieht daher die Erforschung des alten M├Ârtels als h├Âchst interessant f├╝r die Sanierung alter Geb├Ąude. Noch sind die Hypothesen ├╝ber den Burgbau ohnehin sehr unsicher: Es gebe aus dem sp├Ąten Mittelalter zwar B├╝cher mit Anleitungen zum Geb├Ąudebau ÔÇô w├╝rde man jene aber umsetzen, w├╝rde bald alles zusammenfallen, wei├č Grabmayer. [...] Andere Quellen geben an, dass in den M├Ârtel noch Urin, Blut, Salz und Eier hinzugef├╝gt werden m├╝ssten. Doch das seien nur Mythen dieser Zeit. "Durch unser Experiment erhoffen wir uns daher einen erheblichen Erkenntnisfortschritt dar├╝ber, wie es wirklich war", sagt Grabmayer. Die Forscher sprechen deshalb jeden Tag mit den Arbeitern, und einmal die Woche werden Baufortschritte oder Probleme aufgezeichnet.
http://www.welt.de/wissenschaft/article108254066/Urin-Blut-Eier-Forscher-bauen-Mittelalter-Burg.html

Zitat: Karl IV., der es nicht lustig fand, das Gewand sch├╝rzen und durch die Moldau waten zu m├╝ssen, holte sich den damals noch blutjungen Dombaumeister Peter Parler f├╝r einen Br├╝ckenneubau. Der setzte die bis heute erhaltene Br├╝cke in den Fluss. Ihre Haltbarkeit f├╝hrt der Volksmund auf die rohen Eier zur├╝ck, die damals angeblich dem M├Ârtel beigemischt worden seien.Als in ganz Prag kein Ei mehr aufzutreiben gewesen sei, habe man im Umland gesammelt. Besonders gut h├Ątten es die Bewohner des Dorfes Velvary gemeint: Im Interesse einer gr├Â├čtm├Âglichen Festigkeit der Br├╝cke h├Ątten sie keine rohen, sondern hart gekochte Eier in die Hauptstadt geschickt. [...] Besonders gespannt sind neben den Touristen nat├╝rlich die Denkmalsch├╝tzer. Sie wissen n├Ąmlich nicht so recht, was da auf sie zukommt, wenn man sich bis ins Herz der Br├╝cke vorbuddeln wird. Es existieren keine Dokumente dar├╝ber, wie dieses Herz aussieht. Und wer wei├č, vielleicht finden sich ja wirklich Belege f├╝r die angebliche M├Ârtel-Eier-Mischung. Eierschalen aus dem 15. Jahrhundert w├╝rden die ber├╝hmte Karlsbr├╝cke mit Sicherheit noch ber├╝hmter machen.
http://www.welt.de/print-welt/article432401/Eier-fuer-die-Karlsbruecke.html

Zitat: Zur Verbesserung der M├Ârteleigenschaften wurden noch allerlei andere ÔÇô z.T. eher symbolische ÔÇô Zutaten beigemengt, etwa Eier, Milch, Quark, Molkewasser, Ochsenblut, Bier, Wein, Essig, Salz oder Urin (sollten den M├Ârtel haltbarer und frostsicher machen; s. Zement), beigemengte Strohh├Ącksel oder Tierhaare sollten der Bildung von Schwindrissen vorbeugen.
http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/M%C3%B6rtel

Zitat: [Antike] Der eigentliche M├Ârtel auf Basis des Branntkalks stammt von den Griechen. F├╝r diese Zeit nachgewiesen sind Zusatzmittel in Form von Schneckengeh├Ąusen. Ob die Meeresschnecken direkt f├╝r die Herstellung von Branntkalk dienten oder als Magerungsmittel neben Sand und Kies verwendet wurden, ist unklar. Von Plinius werden f├╝r die griechische Zeit ferner Wein, Schweineschmalz, Feigen sowie Milch, Safran und Speichel[/u] als Zusatzstoffe angef├╝hrt.
Die R├Âmer waren mit Kalk- und Gipsm├Ârteln bestens vertraut. Zur Herstellung von Hydraulizit├Ąt dienten neben den Puzzolanen auch organische Stoffe: ├╝berliefert ist die [u]Baukalkherstellung aus Eier- und Muschelschalen mit Inhalt
, die Zumischung von Blut und Eiern sowie die Verwendung von Wachsen und ├ľlen. Der r├Âmische Architekt Vitruv legte mit seinen "Zehn B├╝chern ├╝ber die Architektur" aus dem Jahr 13 v. Chr. die erste Publikation vor, in der die Verwendung organischer Zus├Ątze beschrieben wird.

[Mittelalter] Bei Fachwerkbauten wurden Stroh- und Ro├čhaare in Verbindung mit M├Ârtel als armierte Innenw├Ąnde eingezogen.
Erst in der Gotik wurden wieder ausgefeilte Bau- und M├Ârteltechniken entwickelt. Von Eiern und Buttermilch als Zusatzstoffen wird berichtet. F├╝r Deutschland ist zu Beginn des 13. Jh. die Verwendung von Stuckgipsm├Ârtel belegt. Schon im 11. Jh. wurde mit Estrichgips gearbeitet. Palladio zufolge enthielten Estrichgipse auch gebrannte Schnecken und Muscheln.
https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Zur-Geschichte-der-Verwendung-von-organischen-M%C3%B6rtelzus%C3%A4tzen/1998127108207

Meine Hervorhebungen.

Achim