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Tierrechtsforum:
Pflanzenschutz

Anzahl Beiträge in diesem Thread: 21

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Pflanzenschutz

Autor: Itchy | Datum:
Ein Thema, das doch relativ viele Schmerzempfindende Lebewesen betrifft, aber doch meist nur kurz angesprochen wird, ist der Pflanzenschutz bez√ľglich tierischer "Sch√§dlinge".

Ist Sch√§dlingsbek√§mpfung √ľberhaupt zwingend speziesistisch, oder nur eine Handlung, die aufgrund der menschlichen Gesellschaft, deren internen Kommunikation und dem Speziesismus ausschlie√ülich nichtmenschliche Arten betreffen kann? Prinzipiell w√ľrde heute jeder Pflanzenbauer die Ermordung eines menschlichen Sch√§dlings ablehnen. Tatsache ist aber, dass Pflanzenschutz nicht zwingend speziesistisch ist. Die Frage, ob Sch√§dlingsbek√§mpfung legitim ist, ist eine Frage, bei der art√ľbergreifende N√§chstenliebe oder besser der Kantsche Imperativ eine wichtige Rolle spielt.

Um einer ethischen Debatte aus dem Weg zu gehen, k√∂nnte man versuchen, die Notwendigkeit der Sch√§dlingsbek√§mpfung komplett in Frage zu stellen. Jean Ziegler behauptet, die Weltlandwirtschaft w√§re dazu in der Lage die Ern√§hrung der doppelten Weltbev√∂lkerung zu sichern, wobei man dazu noch nichtmal auf gentechnische Manipulation zur√ľckgreifen m√ľsste. Man muss hoffentlich nicht anfangen zu rechnen, um behaupten zu k√∂nnen, dass man die Weltbev√∂lkerung auch ohne jene Sch√§dlingsbek√§mpfung ern√§hren k√∂nnte, wenn die Nahrung nur gerecht verteilt werden w√ľrde.

Da es aber unm√∂glich erscheint, die unmoralische Weltwirtschaft dahingehend zu ver√§ndern, sollte man sich zumindest die Frage stellen, wie man als Konsument diesbez√ľglich ethisch korrekt handeln kann.

Dazu ist es sinnvoll die Schädlingsbekämpfung in die Sparten Zierpflanzenbau und ernährenden Pflanzenbau zu unterteilen.

Jeder sollte sich die Frage stellen, ob die √Ąsthetik einer Zierpflanze wichtiger ist, als die schmerzliche Unversehrtheit diverser "Sch√§dlinge". Im ethischen Rahmen d√ľrften die meisten Antispeziesisten hier gleicher Meinung sein.

Interessanter ist da die Frage, inwiefern man die Sch√§dlingsbek√§mpfung im ern√§hrenden Pflanzenbau letitimieren kann und ob das √ľberhaupt m√∂glich ist. Das ist auch die Schl√ľsselfrage, die ich mit diesem Thema stellen m√∂chte.
Wir provozieren das Dilemma und nehmen an, dass ohne Sch√§dlingsbek√§mpfung die Ern√§hrung der Menschheit nicht gesichert w√§re. Die relevante Folge von Sch√§dlingsbek√§mpfung ist gro√ües Leid und der Tod der betroffenen Lebewesen. √úber Letzteres lohnt es sich nicht zu diskutieren. Ich pers√∂nlich bin bei diesem Thema zur abstrakten Frage gekommen, wieviel Leid ich Anderen zuf√ľgen will, sodass ich selbst kein Leid erfahre. Wer das Dilamma provoziert, der bekommt es also, denn ich finde darauf keine absolute Antwort sondern nur eine relative, die haupts√§chlich von meiner Tageslaune, emotionaler Beziehung und meiner Egozentrik abh√§ngig ist, aber nicht von ethischen Prinzipien, die am Ende noch abseits der Egozentrik funktionieren w√ľrden. Schlie√ülich ist mir mein Leben mehr Wert, als das von einigen Insekten oder einem anderen Menschen.
Vielleicht hat Jemand f√ľr sich eine absolute Antwort bez√ľglich der Sch√§dlingsbek√§mpfung gefunden und m√∂chte Sie mir mitteilen.

Re: Pflanzenschutz

Autor: Ava | Datum:
Argh, schlecht gewählter Titel;-), denn es geht in Deinem Beitrag nicht um den Schutz von (z. B. vom Aussterben bedrohten) Pflanzen, sondern um ethische Dilemma bei der Nahrungsmittelproduktion.

Itchy schrieb:
>
> Ein Thema, das doch relativ viele Schmerzempfindende
> Lebewesen betrifft, aber doch meist nur kurz angesprochen
> wird, ist der Pflanzenschutz bez√ľglich tierischer
> "Schädlinge".

Da "tierisch" meist in einem abwertenden Kontext benutzt wird, verwende ich tierlich, also pflanzlich, menschlich, tierlich. Ich weiß nicht genau wer da als erstes drauf gekommen ist, auf jeden Fall macht es Sinn. Schädlinge zu umschreiben wird da schon schwieriger, aber im Prinzip handelt es sich hier in erster Linie um Nahrungskonkurrenten.

> Ist Sch√§dlingsbek√§mpfung √ľberhaupt zwingend speziesistisch,
> oder nur eine Handlung, die aufgrund der menschlichen
> Gesellschaft, deren internen Kommunikation und dem
> Speziesismus ausschließlich nichtmenschliche Arten betreffen
> kann? Prinzipiell w√ľrde heute jeder Pflanzenbauer die
> Ermordung eines menschlichen Schädlings ablehnen. Tatsache
> ist aber, dass Pflanzenschutz nicht zwingend speziesistisch
> ist. Die Frage, ob Schädlingsbekämpfung legitim ist, ist eine
> Frage, bei der art√ľbergreifende N√§chstenliebe oder besser der
> Kantsche Imperativ eine wichtige Rolle spielt.

Die systematische T√∂tung von Nahrungskonkurrenten ist sehr wohl speziesistisch, da sie wohl in einer veganen Landwirtschaft vermeidbar w√§re, allerdings kann sie Veganern nicht angelastet werden da vegane Ethik keinen Einfluss auf die momentane Agrarwirtschaft hat. Der Konsum von Lebensmitteln bei denen es zum Tod von Nahrungskonkurrenten kam, ist also ein unvermeidbares, ethisches Dilemma. Inwieweit sich dieses reduzieren lassen w√ľrde, bleibt Spekulation. Allderdings sind vegan bewirtschaftete B√∂den ges√ľnder, die Pflanzen die darauf wachsen resistenter und somit weniger anf√§llig f√ľr Insekten. D.h. eine vegane Landwirtschaft w√ľrde die Zahl der Insekten indirekt reduzieren, und die T√∂tung durch nat√ľrliche Fre√üfeinde dieser Insekten (Spinnen, "Raub"larven usw.) ein √úbertrag der Situation au√üerhalb menschlicher Verantwortlichkeit.

> Um einer ethischen Debatte aus dem Weg zu gehen, könnte man
> versuchen, die Notwendigkeit der Schädlingsbekämpfung
> komplett in Frage zu stellen.

Es gibt da eigentlich keine ethische Debatte die ich erkennen kann, Insekten haben lange vor dem Menschen existiert und sich von Pflanzen ern√§hrt die nicht durch Nacktaffen angebaut wurden. Davon k√∂nnen sie sich doch weiterhin ern√§hren. Als Existenz habe ich jedoch nat√ľrlich auch ein Recht meine Nahrung gegen Nahrungskonkurrenten zu verteidigen, am besten jedoch mit indirekten Mitteln wie im veganen Landbau. Die Notwendigkeit der Sch√§dlingsbek√§mpfung kann man auf jeden Fall in Frage stellen, schlie√ülich haben sich Menschen Jahrtausende lang ohne sie ern√§hrt. Nur ist sie eben z. Zt. noch nicht vermeidbar, in der Agrarwirtschaft ist vegane Ethik noch √ľberhaupt nicht angekommen, da h√§lt man noch den Bioanbau f√ľr das Nonplusultra.


> Jean Ziegler behauptet, die
> Weltlandwirtschaft wäre dazu in der Lage die Ernährung der
> doppelten Weltbevölkerung zu sichern, wobei man dazu noch
> nichtmal auf gentechnische Manipulation zur√ľckgreifen m√ľsste.
> Man muss hoffentlich nicht anfangen zu rechnen, um behaupten
> zu können, dass man die Weltbevölkerung auch ohne jene
> Schädlingsbekämpfung ernähren könnte, wenn die Nahrung nur
> gerecht verteilt werden w√ľrde.

Ja klar, die direkte, chemische Nahrungsmittelsicherung ist auf jeden Fall vermeidbar.

> Da es aber unmöglich erscheint, die unmoralische
> Weltwirtschaft dahingehend zu verändern, sollte man sich
> zumindest die Frage stellen, wie man als Konsument
> diesbez√ľglich ethisch korrekt handeln kann.

Schwierig, denn eine Veganisierung der Gesellschaft setzt in dieser Gesellschaft anwesende Veganer vorraus. Also in die Waldh√∂hle oder das Baumhaus ziehen und einen veganen Waldgarten anlegen f√§llt schon mal flach, leider. Also so viel es geht, Bionahrungsmittel kaufen. F√ľr den, der es sich leisten kann, feine Sache. (Mitlesende Speziesisten: wenn Veganer von Bionahrungsmittel reden, meinen sie nat√ľrlich keine Bioleichen oder Biodr√ľsenmilchbutter oder Biodr√ľsenmilch usw. sondern Pflanzen und pflanzenbasierte Produkte.)

> Dazu ist es sinnvoll die Schädlingsbekämpfung in die Sparten
> Zierpflanzenbau und ernährenden Pflanzenbau zu unterteilen.
>
> Jeder sollte sich die Frage stellen, ob die √Ąsthetik einer
> Zierpflanze wichtiger ist, als die schmerzliche
> Unversehrtheit diverser "Schädlinge". Im ethischen Rahmen
> d√ľrften die meisten Antispeziesisten hier gleicher Meinung
> sein.

Klar, nur was ist eine Zierpflanze. In "meinem" Hinterhof steht eine Kastanie

die wohl um die 80 auf dem Stamm haben d√ľrfte. Wegen der Miniermotten beginnt sie bereits Juli ihre Bl√§tter abzuwerfen. Man kann nun so gut es geht bis Fr√ľhling alle Bl√§tter einsammeln die so rumliegen damit sich der Befall verz√∂gert da die Larven oder einige Eier in der w√§rmenden Bl√§tterschicht den Winter √ľberleben. Nachdem meine Nachbarn und ich in der Umgebung mit etwa 60 - 120.000 Autos konfrontiert sind, also pro Tag, die im Umkreis von einem Quadratkilometer an uns vorbeifahren, ist der Wert der Kastanie wohl wesentlich mehr als der einer Zierpflanze wenn man den Sauerstoff und die "Filterfunktion" bedenkt. Nat√ľrlich ist es auch vermeidbar gegen die Motten anzugehen, allerdings wird die Kastanie dann fr√ľher oder sp√§ter eingehen da die dann anf√§lliger f√ľr Krankheiten sind. (Die B√§ume gehen nicht direkt von dem Mottenbefall ein)

> Interessanter ist da die Frage, inwiefern man die
> Schädlingsbekämpfung im ernährenden Pflanzenbau letitimieren
> kann und ob das √ľberhaupt m√∂glich ist.

Letitimieren? Ist das ein Vertipper?

> Das ist auch die
> Schl√ľsselfrage, die ich mit diesem Thema stellen m√∂chte.
> Wir provozieren das Dilemma und nehmen an, dass ohne
> Schädlingsbekämpfung die Ernährung der Menschheit nicht
> gesichert wäre.

Wer ist wir? Also ich nicht. Ich pl√§diere f√ľr veganen Landbau, also wie bio blo√ü mit Pflanzend√ľngung/Kompost/Fruchtwechsel statt Sklavenschei√üe.

> Die relevante Folge von Schädlingsbekämpfung
> ist großes Leid und der Tod der betroffenen Lebewesen. Über
> Letzteres lohnt es sich nicht zu diskutieren. Ich persönlich
> bin bei diesem Thema zur abstrakten Frage gekommen, wieviel
> Leid ich Anderen zuf√ľgen will, sodass ich selbst kein Leid
> erfahre.

Die Frage ist nicht abstrakt sondern absurd. Kein Veganer "will Anderen bestimmte Portionen Leid zuf√ľgen", sondern die Frage die sich stellt ist was ist vermeidbar und was ist nicht vermeidbar. Vermeidung des Vermeidbaren ist eines der tragenden Prinzipien veganer Ethik.

> der Egozentrik funktionieren w√ľrden. Schlie√ülich ist mir mein
> Leben mehr Wert, als das von einigen Insekten oder einem
> anderen Menschen.

Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden, das ist vollkommen legitim. Nat√ľrlich ist einem die eigene Existenz am wichtigsten, wir sind schlie√ülich Veganer und keine Masochisten.

> Vielleicht hat Jemand f√ľr sich eine absolute Antwort
> bez√ľglich der Sch√§dlingsbek√§mpfung gefunden und m√∂chte Sie
> mir mitteilen.

Unterst√ľtzen der (bio)veganen Landwirtschaft (sofern diese nicht von einer tierrechtssch√§digenden Sekte betrieben wird), kaufen von biologisch erzeugten Produkten, wer sich das nicht leisten kann soll versuchen so viel wie m√∂glich selbst anzubauen, und sei es nur Kr√§uter auf dem Balkon. Die L√∂sung kommt hier wahrscheinlich auch mit der Technik. Denkbar sind kleine, sich selbst replizierende Flugroboter die Nahrungskonkurrenten des Menschen sanft einsammeln und an andere Stelle wieder absetzen.

Re: Pflanzenschutz

Autor: Itchy | Datum:
Zitat: Da "tierisch" meist in einem abwertenden Kontext benutzt wird, verwende ich tierlich, also pflanzlich, menschlich, tierlich. Ich weiß nicht genau wer da als erstes drauf gekommen ist, auf jeden Fall macht es Sinn. Schädlinge zu umschreiben wird da schon schwieriger, aber im Prinzip handelt es sich hier in erster Linie um Nahrungskonkurrenten.

Die Tatsache, dass "tierisch" oft in negativem Kontext Verwendung findet, sagt nicht unbedingt, dass das Wort bestimmt konnotiert ist. Es ist ein neutrales Adjektiv, das ausschließlich sagt, dass etwas die Eigenschaft eines Lebewesens aus dem Tierreich hat. Dass auch der Mensch Teil dessen ist, muss man ja hier nicht erwähnen. Es ist also nicht die einzige Ausnahme im deutschen Wortschatz, die ich weiterhin verwenden werde.
"Schädling" ist dagegen wirklich ein dummes Wort, aber deine Alternative ist mir zu lang. ;)

Zitat: Die systematische T√∂tung von Nahrungskonkurrenten ist sehr wohl speziesistisch, da sie wohl in einer veganen Landwirtschaft vermeidbar w√§re, allerdings kann sie Veganern nicht angelastet werden da vegane Ethik keinen Einfluss auf die momentane Agrarwirtschaft hat. Der Konsum von Lebensmitteln bei denen es zum Tod von Nahrungskonkurrenten kam, ist also ein unvermeidbares, ethisches Dilemma. Inwieweit sich dieses reduzieren lassen w√ľrde, bleibt Spekulation.

Ich bin zwar weiterhin der Meinung, dass Sch√§dlingsbek√§mpfung theoretisch auch art√ľbergreifend stattfinden k√∂nnte, aber das Thema ist pragmatisch gesehen recht √ľberfl√ľssig.
Es gibt antispeziesistische Produkte auf dem freien Markt?
Wenn das der Fall ist, kann man kaum mehr von einem Dilemma sprechen. Man h√§tte dann die M√∂glichkeit Nahrung zu kaufen, f√ľr die kaum schmerzempfindende Lebewesen leiden mussten.
Das wäre sehr erfreulich.

Zitat: Allderdings sind vegan bewirtschaftete B√∂den ges√ľnder, die Pflanzen die darauf wachsen resistenter und somit weniger anf√§llig f√ľr Insekten.

Ich verlange jetzt nichmal eine Quelle, aber ich w√ľrde mich schon daf√ľr interessieren, weshalb ein Boden h√∂here Qualit√§t haben sollte, wenn er ohne Sch√§dlingsbek√§mpfung bestellt wurde.

Zitat: Klar, nur was ist eine Zierpflanze.

Zimmer-, Balkon- und Beetpflanzen. Also kleine Pflanzen, die aus √§sthetischen Gr√ľnden kultiviert werden. B√§ume und Str√§ucher w√ľrde ich nicht dazu z√§hlen, da sie, wie du erw√§hnt hast, in ihrer Gesamtheit lebensnotwendig sind.
Die Kastanie wird vermutlich eingehen, wenn man das abgefallene Laub nicht verbrennt. Ich will das keinesfalls empfehlen, aber ich möchte darauf hinweisen, dass hier ein ethisches Dilemma zu finden ist.

Zitat: Letitimieren? Ist das ein Vertipper?

ja.

Zitat: Wer ist wir? Also ich nicht. Ich pl√§diere f√ľr veganen Landbau, also wie bio blo√ü mit Pflanzend√ľngung/Kompost/Fruchtwechsel statt Sklavenschei√üe.

Mit dem wir meinte ich das königliche ich. ;)
Mineralische D√ľnger d√ľrften wohl die beste Abhilfe schaffen.

Zitat: Die Frage ist nicht abstrakt sondern absurd. Kein Veganer "will Anderen bestimmte Portionen Leid zuf√ľgen", sondern die Frage die sich stellt ist was ist vermeidbar und was ist nicht vermeidbar. Vermeidung des Vermeidbaren ist eines der tragenden Prinzipien veganer Ethik.

Dann ersetzen wir das wollen durch ein m√ľssen.

Nahrungsmittelschutz, Vertikalanbau

Autor: Ava | Datum:
Itchy schrieb:

Wenn Du unten auf "Zitat" klickst, brauchst Du keine Klammern einsetzen, die [quote]-Funktion ist eigentlich f√ľr Zitate Dritter gedacht. Oder ist das Ausdruck Deiner Individualit√§t?:-)

> Die Tatsache, dass "tierisch" oft in negativem Kontext
> Verwendung findet, sagt nicht unbedingt, dass das Wort
> bestimmt konnotiert ist.

Doch genau das sagt es. Es ist schwer, kulturell kodierte Abwertungen herauszufiltern, obwohl der Sender der Information das eventuell nicht so gemeint hat. Dem Empf√§nger bleibt also nichts anderes √ľbrig als die bestm√∂gliche Intention des Senders auf Treu und Glauben anzunehmen, nur, warum eigentlich wenn eine Alternative zur Verf√ľgung steht die Klarheit schafft. Die Frage die sich aus Deiner Argumentation ergibt, ist warum Du veganen Wortgebrauch ablehnst und _m√∂glich_ speziesistischen Wortgebrauch verteidigst?

> Es ist ein neutrales Adjektiv, das
> ausschließlich sagt, dass etwas die Eigenschaft eines
> Lebewesens aus dem Tierreich hat. Dass auch der Mensch Teil
> dessen ist, muss man ja hier nicht erwähnen. Es ist also
> nicht die einzige Ausnahme im deutschen Wortschatz, die ich
> weiterhin verwenden werde.

Das heißt, Du nimmst lieber in Kauf, weiterhin von (anderen) Veganern auf die möglich speziesistische Bedeutung von "tierisch" hingewiesen zu werden, anstatt einen Neologismus in Deinen Wortschatz mit aufzunehmen um die Geringschätzung nichtmenschlicher Tiere, die mit dem Wort "tierisch" transportiert wird zu vermeiden? Warum?

> "Schädling" ist dagegen wirklich ein dummes Wort, aber deine
> Alternative ist mir zu lang. ;)

Gut, wobei Schädling womöglich noch nichteinmal speziesistisch ist, da diese Tiere meine Nahrung beschädigen und somit aktiv in meine Existenz eingreifen.

> Ich bin zwar weiterhin der Meinung, dass Schädlingsbekämpfung
> theoretisch auch art√ľbergreifend stattfinden k√∂nnte,

Verstehe nicht was Du damit meinst.

> aber das
> Thema ist pragmatisch gesehen recht √ľberfl√ľssig.
> Es gibt antispeziesistische Produkte auf dem freien Markt?

Kommt drauf an. Wenn man die Schädlingsbekämpfung bei Nahrungsmitteln als rechtmäßige Verteidigung der eigenen Existenz auslegt, wäre sie wohl nicht speziesistisch. Somit wären selbst pestizidtriefende Spanische Tomaten nicht speziesistisch.

Bei Kleidung ist das ja was anderes, denn Hanf z.B. kann komplett ohne Einsatz irgendwelcher Substanzen angebaut werden.

> Wenn das der Fall ist, kann man kaum mehr von einem Dilemma
> sprechen.

Hm. Also selbst wenn der Anbau einer pestizidtriefenden Spanischen Tomate nicht speziesistisch w√§re, w√§re es f√ľr mich trotzdem ein ethisches Dilemma, denn mein emotionaler Bezug zu Insekten ist ja auch selbst dann noch vorhanden, wenn die T√∂tung derselben kein speziesistischer Akt darstellen w√ľrde.

> Man hätte dann die Möglichkeit Nahrung zu kaufen,
> f√ľr die kaum schmerzempfindende Lebewesen leiden mussten.
> Das wäre sehr erfreulich.

Ja klar. Deswegen ist es gut die vegane Landwirtschaft zu unterst√ľtzen.

>> Allderdings sind vegan bewirtschaftete B√∂den ges√ľnder,
>> die Pflanzen die darauf wachsen resistenter und somit weniger
>> anf√§llig f√ľr Insekten.

> Ich verlange jetzt nichmal eine Quelle, aber ich w√ľrde mich
> schon daf√ľr interessieren, weshalb ein Boden h√∂here Qualit√§t
> haben sollte, wenn er ohne Schädlingsbekämpfung bestellt
> wurde.

Obwohl dieses Thema weitreichend im Netz behandelt wird, braucht man keine Quelle um zu verstehen weswegen Fische im gesunden Rhein besser leben, ges√ľnder und widerstandsf√§higer gegen Parasitenbefall usw., als in einem biologisch toten Rhein...
Genauso wie Fische in Industriekloaken schwach sind und anf√§lliger f√ľr Krankheiten, sind Pflanzen wesentlich empfindlicher in biologisch toten B√∂den. Die "moderne" Agrarwirtschaft t√∂tet B√∂den durch Pesti-, Herbi- u. Fungizide ab, in denen sich normalerweise bis zu zwei Milliarden Kleinstlebewesen und Bakterien pro Kubikzentimeter befinden.

> Mineralische D√ľnger d√ľrften wohl die beste Abhilfe schaffen.

Ganz im Gegenteil. Erstens ist mineralischer D√ľnger nicht notwendig da Pflanzen in gesunden B√∂den z.B. √ľber einer Vorfrucht wie Klee mit N√§hrstoffen versorgt werden k√∂nnen. Mineralischer D√ľnger ist Irrsinn, da unter erheblichem Energieverbrauch Kohlendioxid aus der Luft getrennt wird, obwohl es gen√ľgend Pflanzen gibt die dies in Symbiose mit Bakterien im Boden anreichern. Mineralischer D√ľnger ist ein Placeboprodukt der haupts√§chlich dazu dient, die Chemieindustrie zum wachsen zu bringen dem allerdings sowieso das Ende bevorsteht, denn mit dem Ende des Erd√∂ls kommt auch das Ende aller energieintensiven Produkte die darauf basieren.

Einer der perfektesten (mit sehr guten N√§hrstoffen angereicherten) D√ľnger ist Urin, welcher z.Zt. noch als Abfall mit Trinkwasser vermischt wird um dann unter gro√üem Energieaufwand wieder zentralisiert wieder entfernt wird. Im Bioanbau wird ja bereits der Urin von Sklaven verwendet, zusammen mit ihrem Kot was nat√ľrlich ethisch nicht akzeptabel ist. Kot ist √ľbrigens f√ľr die N√§hrwertversorgung von Pflanzen irrelevant, 90% der f√ľr Pflanzen wichtigen N√§hrstoffe befinden sich im Urin. Die Kotaufbringing auf Feldern ist reine Abfallentsorgung, zudem toxikologisch bedenklich da die G√ľlle meist nicht vollst√§ndig kompostiert und so aktive Viren und andere Pathogene enth√§lt. (Wohin mit all der Schei√üe der Sklaven...) Urin ist steril, und nach kurzer Fermentation sind auch Medikamentenreste abgebaut wie √Ėstrogene usw. Da es gegen den Einsatz von meschlichem Urin als D√ľnger keine ethischen Bedenken gibt, haben wir bereits eine perfekte Alternative zu mineralischem D√ľnger. Dein Urin reicht aus um alle Nahrungsmittel die Du ben√∂tigst mit N√§hrstoffen zu versorgen. Auch (menschlicher) Kot ist ein Wertstoff, der auf Feldern jedoch nichts verloren hat. Bei der Fermentation entsteht Methan, und es spricht nichts dagegen eine kleine Anlage im Keller zu installieren, bei der der Kot mit Wasser in einen Kessel transportiert wird (f√ľr Otto Normal ver√§ndert sich also nichts) und dort zur Energiegewinnung beitr√§gt. Heizen z.B. Gut fermentierter/kompostierter Kot kann bedenkenlos in weitere Kreisl√§ufe eingebracht werden, es ist jedoch Irrsinn diese Dinge mit Trinkwasser zu vermischen, sie kilometerweit unter den Stra√üen zu transportieren (alleine die horrende Kosten der Infrastruktur f√ľr solchen primitiven, zentralistischen Systeme sollte man lieber in die Bildung von Menschen stecken, z.B.) um dann wieder auf die schnelle versuchen, alles voneinander zu trennen.

Wenn man sich einmal vorstellt wieviel Biomasse man in einer Stadt wie Berlin anbauen k√∂nnte, mit vertikalem Fassaden- u. Dachanbau, das sind sicher tausende von Hektar Fl√§chen. Selbst auf Nordseitenfassaden lie√üen sich immense Mengen von Speisepilzen in Fassadenblumenk√§sten anbauen, die an Stahlseilen o. √§. aufgeh√§ngt bequem geerntet werden k√∂nnten. Jede Stadt w√§re so ihr Selbstversorger mit Lebensmitteln und Energie, riesige Agrarfl√§chen w√ľrden frei werden, die man dann entweder zum Anbau von Energiepflanzen wie Hanf oder Raps gebrauchen k√∂nnte oder ganz einfach der R√ľckwaldung √ľberlassen, Transportkosten w√ľrden eingespart und man h√§tte einen enorme, traumhafte Auswahl an Lebensmitteln die man tauschen k√∂nnte bzw. die einen Nebenverdienst darstellen k√∂nnten. F√ľr all diese Pflanzen w√§re kein D√ľngerzukauf notwendig, denn mit dem Urin haben Menschen einen kostenlosen, hocheffizienten D√ľnger zur Verf√ľgung.

Hach ja, es wäre alles so einfach.

tierlich vs. tierisch; biologischer Anbau

Autor: Itchy | Datum:
Ava schrieb:
>
> Wenn Du unten auf "Zitat" klickst, brauchst Du keine Klammern
> einsetzen, die [quote]-Funktion ist eigentlich f√ľr Zitate
> Dritter gedacht. Oder ist das Ausdruck Deiner
> Individualität?:-)

*g* Nein, ich bin den code nur von anderen Foren gewöhnt.

> Doch genau das sagt es. Es ist schwer, kulturell kodierte
> Abwertungen herauszufiltern, obwohl der Sender der
> Information das eventuell nicht so gemeint hat. Dem Empfänger
> bleibt also nichts anderes √ľbrig als die bestm√∂gliche
> Intention des Senders auf Treu und Glauben anzunehmen, nur,
> warum eigentlich wenn eine Alternative zur Verf√ľgung steht
> die Klarheit schafft. Die Frage die sich aus Deiner
> Argumentation ergibt, ist warum Du veganen Wortgebrauch
> ablehnst und _möglich_ speziesistischen Wortgebrauch
> verteidigst?

Ich lasse mir mein Vokabular grundsätzlich nicht nehmen, nur weil es auch in anderem Kontext verwendet wird.
Siehe es als eine art Protest an.
Dass das Wort "tierisch" negativ konnotiert sei, nur weil es eine andere Endung als √§hnliche Adjektive hat, entspringt eher der Phantasie. Demnach m√ľsste man den ganzen Wortschatz neu erfinden, weil s√§mtliche W√∂rter in unethischem Kontext verwendet werden k√∂nnen. Selbst wenn es die Wortendung ist, die die Tiere abwertet, dann hat das immer noch nichts mit Speziesismus zu tun. Nennen wir die Dinge beim Namen.

> Das heißt, Du nimmst lieber in Kauf, weiterhin von (anderen)
> Veganern auf die möglich speziesistische Bedeutung von
> "tierisch" hingewiesen zu werden, anstatt einen Neologismus
> in Deinen Wortschatz mit aufzunehmen um die Geringschätzung
> nichtmenschlicher Tiere, die mit dem Wort "tierisch"
> transportiert wird zu vermeiden? Warum?

Ich lebe nicht vegan, weil ich mit anderen Veganern soziale Kontakte pflegen will. Ich nehme es nicht ernst, wenn jemand behaupten will, das Adjektiv "tierisch" sei speziesistisch und das frei erfundene Adjektiv "tierlich" sei es nicht.
Es gibt sinnvolle Neologismen wie "Veganismus" und es gibt an den Haaren herbeigezogene wie diesen hier.

> > Ich bin zwar weiterhin der Meinung, dass Schädlingsbekämpfung
> > theoretisch auch art√ľbergreifend stattfinden k√∂nnte,
>
> Verstehe nicht was Du damit meinst.

Es w√§re antispeziesistisch, wenn ein Landwirt seine Pflanzen gegen alle Tiere(ink. Menschen) verteidigen w√ľrde.

> Kommt drauf an. Wenn man die Schädlingsbekämpfung bei
> Nahrungsmitteln als rechtmäßige Verteidigung der eigenen
> Existenz auslegt, wäre sie wohl nicht speziesistisch. Somit
> wären selbst pestizidtriefende Spanische Tomaten nicht
> speziesistisch.
>
> Bei Kleidung ist das ja was anderes, denn Hanf z.B. kann
> komplett ohne Einsatz irgendwelcher Substanzen angebaut werden.

Ich habe mich nicht richtig ausgedr√ľckt.
Eigentlich wollte ich wissen, ob man Gem√ľse kaufen kann, das nicht mit Sch√§dlingsbek√§mpfungsmitteln behandelt wurde.
Bekomme ich soetwas beispielsweise in M√ľnchen auf dem Viktualienmarkt oder kaufst du das in einem Laden?

> Obwohl dieses Thema weitreichend im Netz behandelt wird,
> braucht man keine Quelle um zu verstehen weswegen Fische im
> gesunden Rhein besser leben, ges√ľnder und widerstandsf√§higer
> gegen Parasitenbefall usw., als in einem biologisch toten
> Rhein...
> Genauso wie Fische in Industriekloaken schwach sind und
> anf√§lliger f√ľr Krankheiten, sind Pflanzen wesentlich
> empfindlicher in biologisch toten Böden. Die "moderne"
> Agrarwirtschaft tötet Böden durch Pesti-, Herbi- u. Fungizide
> ab, in denen sich normalerweise bis zu zwei Milliarden
> Kleinstlebewesen und Bakterien pro Kubikzentimeter befinden.

Ich bin nicht davon √ľberzeugt, dass Sch√§dlingsbek√§mpfungsmittel derartigen Einfluss auf Bodenorganismen haben, dass man gleich von einem Einfluss auf das Imunsystem der Pflanze sprechen k√∂nnte.

> > Mineralische D√ľnger d√ľrften wohl die beste Abhilfe schaffen.
>
> Ganz im Gegenteil. Erstens ist mineralischer D√ľnger nicht
> notwendig da Pflanzen in gesunden B√∂den z.B. √ľber einer
> Vorfrucht wie Klee mit Nährstoffen versorgt werden können.
> Mineralischer D√ľnger ist Irrsinn, da unter erheblichem
> Energieverbrauch Kohlendioxid aus der Luft getrennt wird,
> obwohl es gen√ľgend Pflanzen gibt die dies in Symbiose mit
> Bakterien im Boden anreichern. Mineralischer D√ľnger ist ein
> Placeboprodukt der hauptsächlich dazu dient, die
> Chemieindustrie zum wachsen zu bringen dem allerdings sowieso
> das Ende bevorsteht, denn mit dem Ende des Erdöls kommt auch
> das Ende aller energieintensiven Produkte die darauf basieren.

Minerald√ľnger besteht aus Substanzen, die Kationen freisetzen, mit denen die Pflanze ohne Umsetzung durch Bodenorganismen direkt Stickstoff, Phosphor und Kalium (in erster Linie) aufnehmen kann.
Es ist das Selbe wie organischer D√ľnger mit dem Unterschied, dass man eine gute Ionenaustauschkapazit√§t im Boden ben√∂tigt um √úberd√ľnung zu puffern.
Was dabei einen Placeboeffekt haben soll, verstehe ich nicht.

> Hach ja, es wäre alles so einfach.
Das h√∂rt sich auch vielversprechend an. Ich frage mich nur, wieso kein einziger studierter Gartenbauingenieur oder Agrar√∂konom mit Urin d√ľngt, wenn es die perfekte L√∂sung w√§re.
Vermutlich weil diese D√ľngungsmethode so wirtschaftlich ist, wie die mit anderen organischen D√ľngern.

Re: tierlich vs. tierisch; biologischer Anbau

Autor: Ava | Datum:
Itchy schrieb:

> > Doch genau das sagt es. Es ist schwer, kulturell kodierte
> > Abwertungen herauszufiltern, obwohl der Sender der
> > Information das eventuell nicht so gemeint hat. Dem
> > Empfänger
> > bleibt also nichts anderes √ľbrig als die bestm√∂gliche
> > Intention des Senders auf Treu und Glauben anzunehmen, nur,
> > warum eigentlich wenn eine Alternative zur Verf√ľgung steht
> > die Klarheit schafft. Die Frage die sich aus Deiner
> > Argumentation ergibt, ist warum Du veganen Wortgebrauch
> > ablehnst und _möglich_ speziesistischen Wortgebrauch
> > verteidigst?

> Ich lasse mir mein Vokabular grundsätzlich nicht nehmen, nur
> weil es auch in anderem Kontext verwendet wird.
> Siehe es als eine art Protest an.

Es wird Dir ja nichts genommen sondern es kommt etwas dazu. Bei mir kommt das nicht wie ein Protest an, sondern wie infantil-narzisstisches F√ľ√üchenstampfen. Das ist jetzt nicht als Beleidigung gemeint, sondern so kommt das eben bei mir an.

> Dass das Wort "tierisch" negativ konnotiert sei, nur weil es
> eine andere Endung als ähnliche Adjektive hat, entspringt
> eher der Phantasie.

"Stinkt tierisch", "tierisch einen gesoffen", "tierisch daneben", "tierisch verr√ľckt", "tierisch eklig" "einfach tierisch"... Die Liste der tierverachtenden Belegungen lie√üe sich beliebig fortsetzen. Die deutsche (Umgangs) Sprache ist sicher kein Produkt meiner Phantasie. Wir hams wohl nicht so mit der Realit√§t, bzw. die wird eben gern mal verdreht wenn es der eigenen "Argumentation" dient, hm?

> Demnach m√ľsste man den ganzen Wortschatz
> neu erfinden, weil sämtliche Wörter in unethischem Kontext
> verwendet werden können.

Nein, da eben nicht viele W√∂rter in so einem unethischen Kontext verwendet werden wie tierisch. Auch mu√ü man einen Wortschatz nicht neu erfinden nur weil man manche Bezeichnungen nicht verwenden sollte. Z.B. gibt es f√ľr "Neger", "Nutte", "tierisch" usw. durchaus vertretbare Alternativen die nicht so verachtend sind.

Also langsam langweilen mich Deine sinnbefreiten Verzerrungen, ich werde mich dann auch aus diesem Thread verabschieden. Auf mich wartet selbstgemachte Erdnussbutter mit vorblanchierten und selbstger√∂steten Erdn√ľssen mit p√ľrrierten Trockenpflaumen.

> Selbst wenn es die Wortendung ist,
> die die Tiere abwertet, dann hat das immer noch nichts mit
> Speziesismus zu tun. Nennen wir die Dinge beim Namen.

Tierverachtung hat nichts mit Speziesismus zu tun? Was rauchst Du denn?

> > Das heißt, Du nimmst lieber in Kauf, weiterhin von (anderen)
> > Veganern auf die möglich speziesistische Bedeutung von
> > "tierisch" hingewiesen zu werden, anstatt einen Neologismus
> > in Deinen Wortschatz mit aufzunehmen um die Geringschätzung
> > nichtmenschlicher Tiere, die mit dem Wort "tierisch"
> > transportiert wird zu vermeiden? Warum?

> Ich lebe nicht vegan
> weil ich mit anderen Veganern soziale
> Kontakte pflegen will.

Das habe ich auch nicht behauptet. Allerdings *pflegst Du* gerade einen sozialen Kontakt mit einer Veganerin. Denn bereits durch den Informationsaustausch trittst Du in eine Beziehung mit mir, und somit ist es √ľberhaupt nicht begreiflich warum Du bei so einer Nebens√§chlichkeit so eine Verweigerungshaltung annimmst und Deiner Position mehr Wichtigkeit zuordnest als dem Kontakt zu mir. Denn w√§hrend *Du* vielleicht egofetischistische Positionen h√∂her bewertest als zwischenmenschliche Dynamiken, ist das bei mir anders. Deine Vorgehensweise ist also nicht das Mass aller Dinge, und wenn Du das nicht akzeptierst werde ich mich eben aus dieser Beziehung zur√ľckziehen und dann stehst Du da mit Deiner Position wie Robinson Crusoe mit einem F√∂hn auf der unbewohnten Insel... Tja.

> Ich nehme es nicht ernst, wenn jemand
> behaupten will, das Adjektiv "tierisch" sei speziesistisch
> und das frei erfundene Adjektiv "tierlich" sei es nicht.

Nun ja, lass Dich durch die genannten Fakten und Argumente auf keinen Fall beirren...

> Es gibt sinnvolle Neologismen wie "Veganismus" und es gibt an
> den Haaren herbeigezogene wie diesen hier.

Und wer bist Du dass Du Dir die Definitionsmacht aneignest, was sinnvoll ist und was nicht? Das ist einfach l√§cherlich und borniert. Tierlich ist deshalb sinnvoll, *weil* er zu einer Begrifflichkeit eine Alternative bietet, die eine deutlich tierverachtende Wertung transportiert. Dass *Du* es nicht f√ľr sinnvoll *erachtest*, bedeutet noch lange nicht, dass es nicht sinnvoll *ist*. Es bedeutet h√∂chstens, dass Du nicht in der Lage bist, aus welchen Gr√ľnden auch immer, den Sinn zu verstehen.

> > > Ich bin zwar weiterhin der Meinung, dass
> > > Schädlingsbekämpfung
> > > theoretisch auch art√ľbergreifend stattfinden k√∂nnte,

> > Verstehe nicht was Du damit meinst.

> Es wäre antispeziesistisch, wenn ein Landwirt seine Pflanzen
> gegen alle Tiere(ink. Menschen) verteidigen w√ľrde.

Ahahahaha. Also wenn Bauer Gernecke Oma L√ľdke, die gerade zwei Erdbeeren von seinem Feld genascht hat durch einen Kopfschuss beseitigt, dann war das ein antispeziesistischer Akt oder wie?

> Ich habe mich nicht richtig ausgedr√ľckt.
> Eigentlich wollte ich wissen, ob man Gem√ľse kaufen kann, das
> nicht mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt wurde.
> Bekomme ich soetwas beispielsweise in M√ľnchen auf dem
> Viktualienmarkt oder kaufst du das in einem Laden?

Soweit ich wei√ü ist Bio-Gem√ľse in der Regel nicht mit Sch√§dlingsbek√§mpfungsmittel behandelt, das gibt es dann √ľberall.

> > Obwohl dieses Thema weitreichend im Netz behandelt wird,
> > braucht man keine Quelle um zu verstehen weswegen Fische im
> > gesunden Rhein besser leben, ges√ľnder und widerstandsf√§higer
> > gegen Parasitenbefall usw., als in einem biologisch toten
> > Rhein...
> > Genauso wie Fische in Industriekloaken schwach sind und
> > anf√§lliger f√ľr Krankheiten, sind Pflanzen wesentlich
> > empfindlicher in biologisch toten Böden. Die "moderne"
> > Agrarwirtschaft tötet Böden durch Pesti-, Herbi- u.
> > Fungizide
> > ab, in denen sich normalerweise bis zu zwei Milliarden
> > Kleinstlebewesen und Bakterien pro Kubikzentimeter befinden.

> Ich bin nicht davon √ľberzeugt, dass
> Schädlingsbekämpfungsmittel derartigen Einfluss auf
> Bodenorganismen haben, dass man gleich von einem Einfluss auf
> das Imunsystem der Pflanze sprechen könnte.

Es ist nicht meine Aufgabe dich von Tatsachen zu √ľberzeugen, die existieren auch unabh√§ngig von Dir. Du kannst auch nicht von mir erwarten, Dir alle Informationen die frei im Netz verf√ľgbar sind, vorzukauen und mundgerecht zu servieren, vor allem wenn ein Thema komplex und vielschichtig ist und in einem Forum gar nicht bew√§ltigt werden kann. Bediene bitte eine Suchmaschine Deiner Wahl und les Dich in das Thema ein.

> Minerald√ľnger besteht aus Substanzen, die Kationen
> freisetzen, mit denen die Pflanze ohne Umsetzung durch
> Bodenorganismen direkt Stickstoff, Phosphor und Kalium (in
> erster Linie) aufnehmen kann.
> Es ist das Selbe wie organischer D√ľnger mit dem Unterschied,
> dass man eine gute Ionenaustauschkapazität im Boden benötigt
> um √úberd√ľnung zu puffern.
> Was dabei einen Placeboeffekt haben soll, verstehe ich nicht.

Minerald√ľnger ist ein Placebo, weil er nicht n√∂tig ist und dar√ľber hinaus Unmengen an Energie f√ľr seine Herstellung verschwendet. Ich h√§tte vielleicht "unn√∂tig wie ein Placebo" schreiben sollen obwohl die sinngem√§√üe Bedeutung meiner Aussage sicher keine Denkh√∂chstleistung voraussetzt.

> Das hört sich auch vielversprechend an. Ich frage mich nur,
> wieso kein einziger studierter Gartenbauingenieur oder
> Agrar√∂konom mit Urin d√ľngt, wenn es die perfekte L√∂sung w√§re.

Aus dem gleichen Grund, weswegen sie nicht vegan leben vielleicht? Verdr√§ngung, Ignoranz. Mal ganz davon abgesehen dass die Infrastruktur fehlt, um an menschlichen Urin zu kommen. Das hei√üt selbst wenn jemand menschlichen Urin hernehmen wollte, wo sollte er oder sie es herbekommen? Sich mit einem Kannister in die Fu√üg√§ngerzone stellen? Die zweite Realit√§t die Du verdr√§ngst, ist dass ja bereits mit Urin ged√ľngt wird, aber halt mit Sklavenurin. "G√ľlle" ist ja nichts anderes als Urin vermischt mit Kot.

Allerdings erinnere ich mich an ein konkretes Projekt in der Schweiz bei dem menschlicher Urin als D√ľnger eingesetzt wird. "Urin als D√ľnger" ergibt bei Google dar√ľber hinaus 17900 Sucherergebnisse.

> Vermutlich weil diese D√ľngungsmethode so wirtschaftlich ist,
> wie die mit anderen organischen D√ľngern.

Wie meinen? Du glaubst Minerald√ľnger sei wirtschaftlicher als Kompost/Fruchtwechsel/Humanurin?

Re: tierlich vs. tierisch; biologischer Anbau

Autor: Shuudan Mugen | Datum:
> "Stinkt tierisch", "tierisch einen gesoffen", "tierisch
> daneben", "tierisch verr√ľckt", "tierisch eklig" "einfach
> tierisch"... Die Liste der tierverachtenden Belegungen ließe
> sich beliebig fortsetzen.

Meines Erachtens dient das Wort "tierisch" in vielen F√§llen einfach der Steigerung. Du k√∂nntest sinngem√§√ü in fast allen von Dir angef√ľhrten Beispielen das Wort "tierisch" durch das Wort "ziemlich" ersetzen (bis auf das letzte Beispiel). Und in dieser Funktion als Steigerungswort wird es auch im positiven Sinne verwendet, z.B. "tierisch gut".

Re: tierlich vs. tierisch

Autor: gastInnenIn | Datum:
"es stinkt tierisch"
"ein tierischer Gestank"
"tierische Gel√ľste"
"tierisch geil"
"tierisch blöd"
"sich tierisch in die Hose machen"

Meine Hypothese ist, dass das Wort "tierisch" meist dazu gebraucht wird, um eine Steigerung bzw. eine metaphorische Abspaltung vom Normalen/Idealen herbeizuf√ľhren. Wer Zeit & Lust hat, kann bei Gelegenheit den (deutschen) Sprachgebrauch statistisch auswerten.

Re: tierlich vs. tierisch; biologischer Anbau

Autor: Itchy | Datum:
Ava schrieb:

> Tierverachtung hat nichts mit Speziesismus zu tun? Was
> rauchst Du denn?
Angenommen, "tierisch" w√§re ein abwertendes Wort, dann w√ľrde es alle tierischen Spezies gleicherma√üen abwerten.
Deine Kette von Beispielen lässt sich noch erweitern. "Der Film war tierisch gut", etc.
Es ist nicht negativ konnotiert.

> Dass *Du* es
> nicht f√ľr sinnvoll *erachtest*, bedeutet noch lange nicht,
> dass es nicht sinnvoll *ist*. Es bedeutet höchstens, dass Du
> nicht in der Lage bist, aus welchen Gr√ľnden auch immer, den
> Sinn zu verstehen.
Nat√ľrlich ist das so. Phrasen wie "in meinen Augen" sind √ľberfl√ľssig, da aussagen in jedem Fall subjektiv sind. Davon schlie√üe ich mich nicht aus.

> Ahahahaha. Also wenn Bauer Gernecke Oma L√ľdke, die gerade
> zwei Erdbeeren von seinem Feld genascht hat durch einen
> Kopfschuss beseitigt, dann war das ein antispeziesistischer
> Akt oder wie?
Du hast verstanden, was ich meine. Was du nicht beachtet hast ist, dass ich nie von der heutigen Praxis sprach, sondern von einer theoretischen Utopie.

> Soweit ich wei√ü ist Bio-Gem√ľse in der Regel nicht mit
> Schädlingsbekämpfungsmittel behandelt, das gibt es dann
> √ľberall.
Es gibt bestimmt auch "nat√ľrliche" Sch√§dlingsbek√§mpfungsmittel.
Gegen Spinnmilben gibt es beispielsweise ein milchiges Pflanzenöl, dessen Name mir nichtmehr einfällt.
Trotzdem hat mir dein Hinweis geholfen, da ich bisher dachte, im biologischen Anbau sei die chemische Maßnahme erlaubt.

> Es ist nicht meine Aufgabe dich von Tatsachen zu √ľberzeugen,
> die existieren auch unabhängig von Dir. Du kannst auch nicht
> von mir erwarten, Dir alle Informationen die frei im Netz
> verf√ľgbar sind, vorzukauen und mundgerecht zu servieren, vor
> allem wenn ein Thema komplex und vielschichtig ist und in einem > Forum gar nicht bewältigt werden kann. Bediene bitte eine
> Suchmaschine Deiner Wahl und les Dich in das Thema ein.
Das Austauschen und Diskutieren von Fakten ist der Sinn eines Forums. Ausgelutscht ist das Thema auch nicht. Die Fakten sind diskussionsw√ľrdig.

> > Das hört sich auch vielversprechend an. Ich frage mich nur,
> > wieso kein einziger studierter Gartenbauingenieur oder
> > Agrar√∂konom mit Urin d√ľngt, wenn es die perfekte L√∂sung w√§re.
> Aus dem gleichen Grund, weswegen sie nicht vegan leben
> vielleicht? Verdrängung, Ignoranz.

> Wie meinen? Du glaubst Minerald√ľnger sei wirtschaftlicher als
> Kompost/Fruchtwechsel/Humanurin?
Ja. Minerald√ľnger wird im Gartenbau nicht verwendet um Hippies zu √§rgern. Ich m√∂chte nicht wissen, auf wievielen Studien und Diplomarbeiten der jetzige Stand des praktischen Gartenbaus basiert. Es ist ein freier Markt und wenn es wirtschaftlichere D√ľnger g√§be, dann w√ľrden sie auch verwendet werden.

Eine der Bio-L√ľgen

Autor: Achim Stößer | Datum:
>> Soweit ich wei√ü ist Bio-Gem√ľse in der Regel nicht mit
>> Schädlingsbekämpfungsmittel behandelt, das gibt es dann
>> √ľberall.
> Es gibt bestimmt auch "nat√ľrliche" Sch√§dlingsbek√§mpfungsmittel.
> Gegen Spinnmilben gibt es beispielsweise ein milchiges Pflanzenöl, dessen Name mir nichtmehr einfällt.
> Trotzdem hat mir dein Hinweis geholfen, da ich bisher dachte, im biologischen Anbau sei die chemische Maßnahme erlaubt.

Eine der beliebten Bio-L√ľgen ist die, da√ü dort keine "Sch√§dlingsbek√§mpfung" stattf√§nde.

√úbrigens sowohl
* physikalische (z.B. Absammeln von Kartoffelkäfern, die anschließend keineswegs anderswo wieder freigelassen werden)
* chemische (z.B. das Bespr√ľhen von Salat mit Seifenlauge - "z√§hlt" halt als "nicht-chemisch", weil's gut in den Kram pa√üt und bei √Ėkoanbau ja "ohne Chemie" - ein unsinniger Begriff wie "genfrei" - gearbeitet wird; so wie bei 40¬į gebackenes Brot f√ľr Rohk√∂stler als "roh" gilt.
* biochemische (z.B. Pheromonlockfallen, auf denen die angelockten Tiere dann festkleben)
* biologische (z.B. etwa Marienkäfer ausbringen, um Läuse zu "vertilgen")

Und auch hier m√ľ√üte die "biologisch" eher "thanatologisch" hei√üen.

Achim

Re: tierlich vs. tierisch; biologischer Anbau

Autor: Ava Odoemena | Datum:
Itchy schrieb:

> Es ist ein freier Markt und wenn es
> wirtschaftlichere D√ľnger g√§be, dann w√ľrden sie auch verwendet
> werden.

Weil die "Wirtschaft" ja auch vollkommen frei von Gruppenphantasien ist und jede bessere Lösung sofort umsetzt...Stichwort Rußfilter. Aber Todesfälle durch das jahrzehntelange Einatmen von Feinstaub kommen in Deiner Tunnelvorstellung von Wirtschaftlichkeit sicher nicht vor.

Was die Wirtschaftlichkeit von Alternativd√ľnger betrifft, so kann eine seit Jahrzehnten bestehende und gefestigte Infrastruktur (Herstellung, Vertrieb, Handelsbeziehungen, Gewohnheit, Lobbyistentum - bei Minerald√ľnger h√§ngt die petro/chemische Industrie mit drin) wohl kaum mit einer neuen Idee verglichen werden, die √ľber all diese Strukturen eben noch gar nicht verf√ľgt die √ľber Anschubinvestitionen ja erst einmal herausgebildet werden m√ľssen. Und vor allem kann eben dieser Umstand nicht dazu dienen an einem etablierten Produkt eine Qualit√§tspr√§misse festzumachen.

Im √ľbrigen finde ich Sportdebattierer erm√ľdend, da ihre Motivation lediglich auf D/s-Routinen basiert und so auch gar kein Interesse f√ľr das eigentliche Thema besteht. In dem Sinne w√ľrde ich mich auch freuen, wenn Du Dir einen anderen Baum suchst...

Re: tierlich vs. tierisch; biologischer Anbau

Autor: Achim Stößer | Datum:
> Motivation lediglich auf D/s-Routinen basiert und so auch gar

D/s-Routinen?

Achim

Re: tierlich vs. tierisch; biologischer Anbau

Autor: Ava | Datum:
Achim Stößer schrieb:

> D/s-Routinen?

Dominance / submission. Also brusttrommelnde Ringkämpfe anstatt Kommunikation, in denen es nicht um mitTEILEN geht, sondern siegen.... Ist ja herrlich zum Aggressionsabbau, aber immer Lust mich zu "kloppen" habe ich auch nicht.

Re: Nahrungsmittelschutz, Vertikalanbau

Autor: Rudy | Datum:
Ava schrieb:
> Genauso wie Fische in Industriekloaken schwach sind und
> anf√§lliger f√ľr Krankheiten, sind Pflanzen wesentlich
> empfindlicher in biologisch toten Böden. Die "moderne"
> Agrarwirtschaft tötet Böden durch Pesti-, Herbi- u. Fungizide
> ab, in denen sich normalerweise bis zu zwei Milliarden
> Kleinstlebewesen und Bakterien pro Kubikzentimeter befinden.
>
> > Mineralische D√ľnger d√ľrften wohl die beste Abhilfe schaffen.
>
> Ganz im Gegenteil. Erstens ist mineralischer D√ľnger nicht
> notwendig da Pflanzen in gesunden B√∂den z.B. √ľber einer
> Vorfrucht wie Klee mit Nährstoffen versorgt werden können.
> Mineralischer D√ľnger ist Irrsinn, da unter erheblichem
> Energieverbrauch Kohlendioxid aus der Luft getrennt wird,
> obwohl es gen√ľgend Pflanzen gibt die dies in Symbiose mit
> Bakterien im Boden anreichern. Mineralischer D√ľnger ist ein
> Placeboprodukt der hauptsächlich dazu dient, die
> Chemieindustrie zum wachsen zu bringen dem allerdings sowieso
> das Ende bevorsteht, denn mit dem Ende des Erdöls kommt auch
> das Ende aller energieintensiven Produkte die darauf basieren.


Wer derma√üen mit Unwissen argumentiert disqualifiziert sich selbst f√ľr jede sachliche Diskussion. Solche M√§rchen √ľber biochemische Vorg√§nge in der Natur kursieren ja sonst nur in der Urkostscene.

Re: Nahrungsmittelschutz, Vertikalanbau

Autor: Ava Odoemena | Datum:
So, meine online Pause ist vorbei, mal gucken was sich denn so getan hat;-)

Rudy schrieb:

> Wer dermaßen mit Unwissen argumentiert disqualifiziert sich
> selbst f√ľr jede sachliche Diskussion.

Ja! Ich bin ja sowas von disqualifiziert! Man sollte mich nicht nur aus jeder sachlichen Diskussion aussperren, nein, ich bin als Mensch an sich komplett wertlos. Man reiche mir einen Strick.

*g*

Aber mal im Ernst, wenn Du Deine Unterstellungen nicht mit Argumenten untermauerst, machst Du Dich in meinen Augen lediglich lächerlich.

> Solche M√§rchen √ľber
> biochemische Vorgänge in der Natur kursieren ja sonst nur in
> der Urkostscene.

Jetzt krieg Dich halt mal wieder ein und werd nicht so hysterisch;-) Wo *konkret* liegt denn mein Fehler, vielleicht habe ich ja nur ein falsches Wort benutzt.

Zur D√ľngergewinnung aus Humanurin, les Dich halt mal ein, fang hier mal an bevor Du das Dorf zusammenschreist. Also echt eh:-)

Bakterien statt D√ľnger

Autor: Achim Stößer | Datum:
D√ľnger wird bald abgeschafft.

Schon heute wird bei der Hauptsojaproduktion kein D√ľnger mehr eingesetzt, sondern Bakterien. An Varianten f√ľr Reis etc. wird gearbeitet.

Achim

Re: Bakterien statt D√ľnger

Autor: Ava Odoemena | Datum:
Achim Stößer schrieb:

> Schon heute wird bei der Hauptsojaproduktion kein D√ľnger mehr
> eingesetzt, sondern Bakterien. An Varianten f√ľr Reis etc.
> wird gearbeitet.

Interessant.
Haste mal nen Link ehj? Meine Suchparameter werfen keine nennenswerten Ergebnisse ab.

Bradyrhizobium japonicum (war: Re: Bakterien statt D√ľnger)

Autor: Achim Stößer | Datum:
Zitat:
Der Ernährer der Welt

Soja, Zucker, Rindfleisch: Niemand exportiert so viele Agrarprodukte wie Brasilien. Das Land ist reicher und mächtiger als je zuvor. Gleichzeitig werden viele Brasilianer immer noch nicht satt
Von Ralf S√ľdhoff

[...]

Der f√ľnftgr√∂√üte Staat der Erde k√∂nnte dauerhaft zum Weltexporteur Nummer eins f√ľr Fleisch und Feldertr√§ge aller Art werden.

China hat sich zur Werkbank der Welt entwickelt. Indien gilt als das neue Service-Zentrum der Welt. Und Brasilien? Brasilien k√∂nnte zum Ern√§hrer der Welt werden, zur ¬Ľglobalen Agrarsupermacht¬ę, wie der ehemalige amerikanische Au√üenminister Colin Powell vorhersagt. [...]

Bradyrhizobium japonicum nennt sich ein Bakterium, das [D√∂bereiner] durch Hornbrille und Mikroskop hindurch in einem der leuchtend gr√ľnen Bl√§tter entdeckte. Ein Bakterium, mit dem sich das Blattgr√ľn gierig den Stickstoff aus der Luft holt. Und w√§chst und w√§chst und w√§chst.

Die Forscherin brachte die Bakterien mit Sojasamen zusammen und konnte so dieselben Ertr√§ge wie bisher erzielen ‚Äď ohne ein Gramm D√ľnger zu benutzen. Ein ph√§nomenaler Erfolg: Sie wurde f√ľr den Nobelpreis f√ľr Chemie nominiert. Bundespr√§sident von Weizs√§cker verlieh ihr 1984 das Verdienstkreuz Ersten Ranges. Nur in Brasilien blieb ihr Werk lange unbeachtet. [...]

Ein breiter Streifen aus rotem Sand verl√§uft schnurgerade bis zum Horizont. Der Boden ist in der brasilianischen Savanne Cerrado trocken wie Mehl. Trotzdem erstreckt sich links und rechts der Sandpiste, so weit das Auge reicht, ein wundersam gr√ľnes Meer aus Soja.

Es ist eine der kleinsten Farmen der Familie Maggi. Die Maggis sind die gr√∂√üten Sojahersteller der Welt. Andre Maggi machte sich einst in den Westen Brasiliens auf, um die Landwirtschaft im staubtrockenen Niemandsland von Mato Grosso zu revolutionieren. Damals, vor 15 Jahren, wuchs dort kein Halm Soja, und seine Konkurrenten hielten den inzwischen verstorbenen Firmengr√ľnder f√ľr verr√ľckt. Heute nennen sie seinen Sohn Blairo Maggi und den Ziehsohn Pedro Jacyr nur ehrf√ľrchtig ¬Ľdie Sojak√∂nige¬ę. [...]

Brasilien, das Land der Maggis, war schon immer der gr√∂√üte Produzent f√ľr Kaffee und Orangensaft. Doch inzwischen verschifft Brasilien j√§hrlich auch Soja im Wert von zehn Milliarden Dollar in alle Welt und ist damit Marktf√ľhrer. Allein im Jahr 2001 hat sich die Sojaanbaufl√§che um 50 Prozent erh√∂ht. Au√üerdem ist Brasilien seit kurzem der weltgr√∂√üte Exporteur von Rindfleisch und H√ľhnern, von Zucker und Biodiesel. Und ob Baumwolle, Tabak oder Mais, einfach alles, was Wurzeln hat, w√§chst in diesem Land ‚Äď und die Ausfuhren wachsen mit: Seit dem Jahr 2000 stiegen die Agrarexporte j√§hrlich um durchschnittlich 27 Prozent. [...]

Trotz dieser hausgemachten H√ľrden schickte Brasilien im vergangenen Jahr mehr als 20 Millionen Tonnen Soja √ľbers Meer, schon im Jahr 2015 sollen es 32 Millionen Tonnen sein: Europa verlangt seit dem Ausbruch von BSE nach Tierfutter aus Soja. China produziert aus Soja alles M√∂gliche, ob Fertiggerichte oder So√üen, Viehtr√∂ge oder Kosmetika, und davon immer mehr. Soja ist heute √ľberall, und √ľberall ist die Familie Maggi.

Gr√ľnder Andre Maggi machte sich in den achtziger Jahren die Vision und Forschungen D√∂bereiners zu Eigen. Er lie√ü in der Steppe eine Sojasaat nach der anderen testen, bis er welche fand, die auf den sandigen B√∂den wenigstens standen. Den Rest besorgte viel, viel D√ľnger. Seitdem gibt es kein Halten mehr.

135.000 Hektar mit Soja gehören heute den Maggis, mehr als 100.000 Hektar haben sie zusätzlich gepachtet. Das ist 25-mal die Fläche Berlins. Darauf ernteten sie zuletzt 400.000 Tonnen Soja, und ein Vielfaches davon, mehr als zwei Millionen Tonnen, kaufen sie dazu und verschiffen es ins Ausland. [...]

¬ĽBis zu 20 verschiedene Saaten nutzen wir heute¬ę, mal mit, mal ohne Gentechnik, von Feld zu Feld, von Meter zu Meter angepasst. An die 60 Kilo Soja holt Pedro Jacyr auf diese Weise heute aus einem Hektar Steppe, vor zehn Jahren waren es gut 40 Kilo.

Die Maggis sehen sich trotzdem erst am Anfang. Pedros Bruder Blairo ist inzwischen Gouverneur von Mato Grosso und hat 2003 angek√ľndigt, die Agrarfl√§che im Staate verdoppeln zu wollen. Und Mato Grosso allein ist zwar fast zweimal so gro√ü wie Frankreich. Es macht jedoch nur ein Zehntel Brasiliens aus. F√ľr Sojak√∂nig Pedro Jacyr steht fest: ¬ĽBrasilien hat das Potenzial, die Welt zu ern√§hren.¬ę [...]

Aber warum? ¬ĽWir haben unendlich viel Land, billige Arbeit, ein perfektes Klima und vor allem die beste tropische Agrartechnologie der Welt¬ę, z√§hlt Minister Rodriguez auf. Um noch besser zu werden, hat die Forschungsagentur Embrapa inzwischen ein landesweites Netz von √ľber 8.000 Mitarbeitern gespannt. Das Ergebnis: Brasilien nutzt heute nicht nur rund 40 Prozent mehr Anbaufl√§che als vor 20 Jahren. Es holt aus dieser Fl√§che auch 150 Prozent mehr Ernte als fr√ľher (siehe Grafik).

Automatisierte Gro√üfazendas, die ihre Gr√∂√üenvorteile f√ľr ¬ĽEconomies of Scale¬ę nutzen, tun ihr √úbriges: Eine Tonne Zucker produzieren sie f√ľr 160 Dollar. In Europa kostet es das Dreifache. Und das Forscherheer der Embrapa ist erst dabei, D√∂bereiners Wachstumsbeschleuniger von Soja, der j√§hrlich D√ľnger im Wert von 2,5 Milliarden Dollar ersetzt, auf die Reis- und Zuckerrohrplantagen zu √ľbertragen. [...]

Statt sich zu bescheiden, klagen sie hartn√§ckig gegen die politischen Schranken des Nordens, der f√ľr landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Brasilien Z√∂lle von 150 Prozent und mehr erhebt. Damico & Co. zerren den Amerikaner und Europ√§er vor das Schiedsgericht der Welthandelsorganisation WTO. Sie klagen und klagen ‚Äď und bekommen Recht und immer wieder Recht. Bis zum kommenden Mai muss die Europ√§ische Union ihre Zuckersubventionen drastisch reduzieren. Als N√§chstes sind die Baumwollsubventionen der USA f√§llig. Und die Bananenz√∂lle der Europ√§er. Brasiliens Boom k√∂nnte bald neue Nahrung bekommen. [...]

¬ĽWir waren beim Angeln, da trieb pl√∂tzlich ein toter Piranha vorbei, und es kamen immer mehr. Wir fuhren ihnen nach, wir fanden schlie√ülich Hunderte toter Fische und V√∂gel, es nahm kein Ende.¬ę

Bis heute ist das Wasser ungewohnt dunkel im Rio Claro, dem Klaren Fluss. Die Ursache liegt nicht nur f√ľr Ele Verte auf der Hand: Das Pantanal liegt in Mato Grosso, dessen trockene Savanne die Maggis und andere mit Supersoja und viel, viel D√ľnger zu einer riesigen Farm verwandelt haben. ¬ĽDann kam der gro√üe Regen und hat die Felder √ľberschwemmt¬ę, klagt Ele Verte, ¬Ľseitdem sind die ganzen Chemikalien im Fluss.¬ę [...]

Ein einmaliger Vorgang? Greenpeace Brasilien beklagt seit langem, dass der Agrarboom die einmaligen Gew√§sser bedrohe. Und den Regenwald: Allein im Jahr 2004 wurde im Amazonasgebiet von Brasilien die Fl√§che Belgiens gerodet. Fast die H√§lfte davon ging in Mato Grosso verloren. Niemand wei√ü, durch wen, doch Greenpeace hat sich entschieden und Gouverneur Blairo Maggi die ¬ĽGoldene Kettens√§ge¬ę √ľberreicht.

Andere Kritiker halten Brasiliens Agrarboom noch aus einem anderen Grund f√ľr nicht nachhaltig. Die internationale Hilfsorganisation Oxfam beispielsweise bem√§ngelt die geringen Sozialstandards auf vielen Kaffeeplantagen. Und √Ėkonomen verweisen auf die geringe Wertsch√∂pfung von einfachen Agrarprodukten.

Das Zauberwort, mit dem diese Probleme gel√∂st werden sollen, lautet in der Hauptstadt ¬ĽAgroindustrie¬ę. Statt K√ľhen sollen Steaks verschifft werden, statt Bohnen Soja√∂l, statt Zucker soll aus Zuckerrohr in gro√üem Stil der Treibstoff Ethanol gewonnen und gemeinsam mit daf√ľr optimierten Automotoren exportiert werden. Mehr Wertsch√∂pfung, mehr Arbeit ‚Äď dann kann man es sich leisten, mit dem Raubbau aufzuh√∂ren, so die Hoffnung. Doch der Weg dahin erscheint noch vage. Um die Agroindustrie zu entwickeln, m√ľsste die Regierung ihre Investitionen in Bildung und Infrastruktur deutlich erh√∂hen, und nicht nur die OECD fordert, auch Arbeiter und Landlose am Agrarboom zu beteiligen. Noch immer sind die Einkommen in Brasilien so ungleich verteilt wie in kaum einem anderen Land der Welt (siehe Kasten). Eine Landreform und eine ¬Ľeffektive Sozialpolitik¬ę k√∂nnten hier nach Ansicht der OECD Abhilfe schaffen. Doch auf diesen Gebieten sind die Felder der Agrarmacht kaum bestellt.

Brasilien wird k√ľnftig zweifellos die Welt ern√§hren. Ob die Brasilianer davon selbst auf Dauer satt werden, steht noch nicht fest.


DIE ZEIT 04.05.2006 Nr.19

http://www.zeit.de/2006/19/Brasilien-Ernhrer ff. (meine Hervorhebungen)

Re: Bradyrhizobium japonicum (war: Re: Bakterien statt D√ľnger)

Autor: Ava | Datum:
Sehr interessant. Leider bezieht sich der Aspekt der Bakterien nur auf Stickstoff, und es ist bekannt dass Leguminosen und einige andere Pflanzensorten √ľber die Wurzeln mit Bakterien eine Symbiose eingehen. Ob sich das auf andere Sorten, wie Mais, Reis usw √ľbertragen l√§sst bleibt abzuwarten.

Nicht eingegangen wurde auf die anderen Sachen die Pflanzen so brauchen, und ob diese Nährwerte durch Bakterien geliefert werdenn können.

Also ich d√ľnge alle meine Pflanzen mit Humanurin, und das klappt super. Nur weigert sich mein Schatz die selbstgezogene Brunnenkresse zu essen, die auf dem Balkon in einem ehemaligen Goldfischknast vom Sperrm√ľll fr√∂hlich vor sich hinw√§chst. Ich habe ihm zwar angeboten doch etwas von seinem Urin zu spenden (der w√§re auch leichter aufzufangen), aber da ist nichts zu machen. Das Mischverh√§ltnis ist 5%-10% Urin aufs Wasser, nicht mehr sonst √ľberd√ľngt man.

Was denn? Habt Ihr etwa auch eine negative Einstellung gegen√ľber Eurer Ausscheidungen. Wollt Ihr dar√ľber reden?
:-)